Zur fragilen Indikation tiefenpsychologischer Behandlung bei Abhängigkeitserkrankungen

Einleitung Die Indikation tiefenpsychologischer Behandlung erweist sich bei Abhängigkeitserkrankungen häufig als fragil, weil ihre Methodik an strukturelle Minimal-Voraussetzungen und an die Fähigkeit zum symbolischen Denken gebunden ist. Diese sind bei Menschen mit Abhängigkeitserkranken meist nicht ausreichend vorhanden. In der Ausbildung angehender Psychotherapeuten zeigt sich immer wieder eine typische Herausforderung: Der Wunsch, auch bei abhängigen Patienten … weiterlesen ›

Himmel und Hölle im Forschungslabor — Kafkas und Calhouns Arbeiten über die Notwendigkeit von Spannung und Vermittlung

Einleitung In diesem Beitrag geht es um die Fragen: Was geschieht mit einem System, wenn ihm jede Herausforderung genommen wird? Und: Was geschieht mit einem Individuum, wenn es keiner Herausforderung mehr trauen kann? Dies soll anhand der Arbeiten von Franz Kafka und John Calhoun näher untersucht werden. Auf den ersten Blick verbindet den Schriftsteller Franz … weiterlesen ›

Ein Weckruf für Europa — Selenskyjs Rede in Davos

Einleitung Ukraines Präsident Wolodimir Selenski hat Europa in Davos gestern scharf kritisiert und seine Aussage als Weckruf formuliert. Dies sollte als Aufforderung verrstanden werden, sich mit der politischen und kulturellen Identität Europas im emphatischen Sinne auseinanderzusetzen und nicht gleich wieder zur Tagesordnung überzugehen. Was Selenskyj inhaltlich gesagt hat Er warf Europas Führung politische Untätigkeit, mangelnde … weiterlesen ›

Über Warten als psycho-soziale und kulturelle Praxis

Einleitung Warten ist ein zentraler, oft unterschätzter Aspekt menschlicher Erfahrung. In der Psychotherapie ist es eine Schlüsselkompetenz: Sowohl der Therapeut als auch der Patient müssen die Fähigkeit entwickeln, Ambiguität auszuhalten, ohne vorschnelle Deutungen zu produzieren. Warten ist mehr als passives Abwarten: Es ist eine aktive Funktion des Ichs, die Reifung, Autonomie und innere Struktur ermöglicht. … weiterlesen ›

Zur Dialektik von Macht, Differenz und Vergemeinschaftung in Paarbeziehungen

Einleitung In modernen Gesellschaften erscheint das „Wir“ als selbstverständlicher Zielpunkt intimer Beziehungen. Kaum ein Begriff ist derart positiv konnotiert: Er steht für Zugehörigkeit, Sinn, Sicherheit und emotionale Reife. Zugleich fungiert er als normative Chiffre, an der das Gelingen oder Scheitern von Paarbeziehungen gemessen wird. Gerade diese normative Aufladung macht den Begriff theoretisch problematisch. Denn das … weiterlesen ›

Zum Geschlechterverhältnis im Schachspiel

Einleitung Im modernen Schachspiel trägt die Dame (Königin) die größte operative Macht, während der König formal die wichtigste, praktisch aber die unbeweglichste Figur ist. Diese Kombination – höchste Entscheidungsrelevanz bei minimaler Beweglichkeit – lädt zu Deutungen ein: Ist das ein Gleichnis für Familien- oder Geschlechterordnungen, in denen „der Mann“ den Titel („Oberhaupt“) trägt, die Handlungsmacht … weiterlesen ›

Krisen und Krisenstimmung und deren Reflexion in der Sozialpsychologie

Einleitung Dieser Beitrag soll der Frage nachgehen, wie sich angesichts von zunehmenden Krisen die Psychostrukturen hinsichtlich der Suche nach einer neuen starken Führungspersönlichkeit, der Veränderung in der Mentalität und die Zunahme bestimmter psychischer Erkrankungen verändern werden. Als Aspekte von zunehmenden Krisen können angesehen werden: hybride Kriegsführung Russlands, Wirtschaftsimperialismus Chinas und der USA, anhaltende Flüchtlingsströme nach … weiterlesen ›

Die Flucht vor der Sehnsucht in der Literatur

Einleitung Strategien zur Verteidigung der eigenen Autonomie stehen häufig im engen Zusammenhang mit der Flucht oder der Vermeidung von Sehnsucht und emotionaler Abhängigkeit. Dies wird meist dadurch erkauft, dass Genüsse, Erotik, Beziehungen, Lebensinhalten im allgemeinen instrumentalisiert und damit trivialisiert oder banalisiert werden. Die Strategien zur Verteidigung von Autonomie durch „Instrumentalisierung von Lebensinhalten“ beinhaltet ein Konzept … weiterlesen ›

Das Dopamin-Belohnungssystem, der neurobiologische Verführer

Einleitung Das Dopamin-Belohnungssystem umfasst neuronale Strukturen wie den Nucleus accumbens, das ventrale tegmentale Areal (VTA) und den präfrontalen Kortex. Diese Strukturen sind entscheidend für die Verarbeitung von Belohnungen und die Motivation, belohnende Verhaltensweisen zu wiederholen. Das Dopamin-Belohnungssystem — oder auch Lust-Unlust-Prinzip — hat bei unseren nächsten tierischen Verwandten mehrere wichtige evolutionsbiologische Funktionen, die zur Anpassung … weiterlesen ›

Grundfragen der Philosophie

Einleitung In diesem Beitrag möchte ich mich nur auf fünf wesenltiche Philosophen beziehen: Descartes, Kant, Heidegger, Cassirer und MacIntyre. Dabei möchte ich nur die jeweiligen Grundfragen erwähnen und versuchen die gesellschafts-politischen Implikationen ihrer jeweiligen Antworten trasparent zu machen. René Descartes und Immanuel Kant René Descartes und Immanuel Kant sind zwei zentrale Figuren der Philosophie, deren … weiterlesen ›