Die Zukunft einer Illusion — Über Psychoanalyse, Freud, Dostojewskij und die Frage nach dem Sinn des Lebens

Einleitung Als Sigmund Freud 1927 seine Schrift „Die Zukunft einer Illusion“ veröffentlichte, richtete sich seine Kritik gegen die Religion. Religiöse Vorstellungen erschienen ihm als psychische Konstruktionen, die weniger aus Erkenntnis als aus menschlichen Wünschen hervorgegangen seien. Der Mensch sehne sich nach Schutz, Orientierung und Gerechtigkeit in einer Welt voller Leid, Zufall und Vergänglichkeit. Die Religion … weiterlesen ›

Über die Frage nach der Indikation zur Psychoanalyse – Eine Zusammenfassung und kritische Einordnung von Freuds Überlegungen zu diesem Thema

Einleitung Die Frage nach der Indikation gehört zu den ältesten und zugleich schwierigsten Fragen der Psychotherapie. Wer soll behandelt werden? Unter welchen Voraussetzungen ist eine Therapie erfolgversprechend? Und woran lässt sich erkennen, ob ein bestimmtes Verfahren für einen bestimmten Menschen geeignet ist? Sigmund Freud hat diese Fragen nie in einem eigenständigen systematischen Werk behandelt. Seine … weiterlesen ›

Freie Assoziation und gleichschwebende Aufmerksamkeit im Lichte der Tugend, sich überraschen zu lassen

Einleitung Zu den bekanntesten methodischen Grundsätzen der Psychoanalyse gehören die freie Assoziation auf Seiten des Patienten und die gleichschwebende Aufmerksamkeit auf Seiten des Analytikers. Beide Begriffe werden häufig als technische Instrumente verstanden, die dazu dienen sollen, unbewusste Konflikte, verdrängte Erinnerungen oder verborgene Bedeutungszusammenhänge aufzudecken. Diese Sichtweise ist nicht falsch, greift jedoch zu kurz. Betrachtet man … weiterlesen ›

Karl Kraus als Herausforderung für die Psychoanalyse — Über Reduktionismus, Heuristiken und die Grenzen psychologischen Verstehens

Einleitung Als Karl Kraus (1874-1936) über die Psychoanalyse spottete, sie sei jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich halte, zielte seine Kritik vermutlich weniger auf einzelne Theorien als auf eine bestimmte geistige Haltung, die er bei den Psychoanalytikern seiner Zeit vermutete. Die Psychoanalyse erschien ihm als Versuch, die Komplexität menschlichen Lebens mit einer gewissen neurotischen … weiterlesen ›

Überlegungen zu einer Kritik an „Hüftschussdeutungen“ in der Psychotherapie

Einleitung In der psychotherapeutischen Praxis – insbesondere im tiefenpsychologischen und psychoanalytischen Kontext – begegnet man immer wieder Deutungen, die scheinbar treffend, pointiert und plausibel erscheinen, deren Wirkung jedoch hinter den Erwartungen zurückbleibt. Nicht selten bleiben sie folgenlos oder lösen eher Unverständnis aus. Im Folgenden soll der These nachgegangen werden, inwiefern das Problem solcher „Hüftschussdeutungen“ nicht … weiterlesen ›

Über Warten als psycho-soziale und kulturelle Praxis

Einleitung Warten ist ein zentraler, oft unterschätzter Aspekt menschlicher Erfahrung. In der Psychotherapie ist es eine Schlüsselkompetenz: Sowohl der Therapeut als auch der Patient müssen die Fähigkeit entwickeln, Ambiguität auszuhalten, ohne vorschnelle Deutungen zu produzieren. Warten ist mehr als passives Abwarten: Es ist eine aktive Funktion des Ichs, die Reifung, Autonomie und innere Struktur ermöglicht. … weiterlesen ›

Die Akzeptanz der Nachträglichkeit als Schutzfaktor gegenüber paranoider Sinnverzerrung

Einleitung Wir leben in einer Welt, in der wir fast ständig handeln müssen, bevor wir verstehen können, was wir eigentlich tun. Entscheidungen werden unter Unsicherheit getroffen, Beziehungen entfalten ihre Bedeutung erst im Rückblick, Lernprozesse zeigen ihren Sinn oft erst dann, wenn sie bereits abgeschlossen sind. Im Alltag erleben wir immer wieder, dass sich die Bedeutung … weiterlesen ›

Das Herz als Organ und Ort der Empfindungen für zärtliche Liebe bis hin zur Todesangst

Einleitung Ausgehend von drei Texten, dem Märchen „Das kalte Herz“, dem Rock-Song „Paint it Black“ und dem Jazz-Song „Good Morning Heartache“, möchte ich mich meinem Gegenstand dem Herzen als Organ und Ort der Empfindungen für zärtliche Liebe bis hin zur Todesangst annähern und versuchen, dafür eine nicht zu einengende Sprache zu finden. Das Herz als … weiterlesen ›

Psychoanalyse als Begegnung und Prozess

Einleitung „Psychoanalyse als Beziehung und Prozess“ ist ein tiefgehendes Konzept, das sich mit der Art und Weise befasst, wie psychoanalytische Arbeit durch die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Therapeut und Patient geprägt wird. Diese Beziehung kann reich an Emotionen, Missverständnissen, Durchbrüchen und auch Komplikationen sein. Jedes therapeutische Setting bringt eine Vielzahl von Möglichkeiten, Herausforderungen und sogar Fehltritten … weiterlesen ›

Vom Imaginären, der Fiktionalisierung und dem Wunschdenken

Einleitung Sehr häufig wird im Zusammenhang mit dem französischen Psychoanalytiker Lacan vom Imaginären gesprochen, ohne dass dieser Begriff klar definiert würde. In diesem Beitrag soll eine Abgrenzung versucht werden zu den verwandeten Begriffen Fiktionalisierung und Wunschdenken. Das Imaginäre im Zusammenhang mit Euphorie, Idealisierung und Verführung Das Imaginäre ist nach Lacan (1901-1981) nicht einfach nur so … weiterlesen ›