Kostenerstattungspraxis obsolet?

Ist die Kostenerstattungsprasis inzwischen obsolet? Nicht ganz, sollte man meinen. Es wird immer wieder davon berichtet, dass Patienten trotz Empfehlung zur Psychotherapie über die Terminservicestelle (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigung nicht an einen Kassentherapeuten vermittelt werden können.

Die Gründe hierfür liegt zum einen darin, dass es zu wenige Kassensitze gibt und dass Kassentherapeuten freiwerdende Plätze nicht konsequent genug an die TSS melden. Wie auch immer, jedenfalls gibt es immer wieder Versuche, über Privatpraxen im Kostenerstattungsverfahren eine Kostenübernahme zu erwirken. Die Hürden für den Erfolg auf diesem Weg liegen einerseits bei der jeweiligen Krankenkasse (KK) und zum anderen beim begutachtenden MDK.

Es wird immer wieder von Fällen berichtet, bei denen sowohl der MDK über viele Anträge und Widersprüche gegen Ablehnungen keine medizinische Notwendigkeit für eine Behandlung sehen kann. Bis das dann nach sehr langer Zeit doch irgendwann die Behandlungsnotwenidgkeit in Verbindung mit der Empfehlung zur Kostenerstatttung eingeräumt wird.

Eine andere Variante, die jetzt offenbar häufiger wird, ist die Verschleppungstaktik durch die jeweilige Krankenkasse selbst. So kommt es vor, dass die KK ohne MDK-Prüfung ablehnt und die Unterlagen zurückgeschickt, nach Widerspruch wird wieder abgelehnt ohne dass die Unterlagen zurückzuschicken, nach erneutem Widerspruch – diesmal ohne die Antragsunterlagen erneut mitzuschicken, weil sie ja nicht zurückgeschickt worden waren – wieder Ablehnung mit der Begründung es lägen keine Antragsunterlagen vor. U.s.w. u.s.w. Diese Spielchen können sich über Monate hinziehen.

Wenn diese Hürde dann irgendwann genommen wurde, beginnt das Spiel mit dem MDK, was ebenfalls wiederum viele Monate in Anspruch nehmen kann. Es ist zu fragen, ob unter diesen Voraussetzungen noch sinnvoll unter Einhaltung der Abstinenzregeln psychotherapeutisch gearbeitet werden kann? Ich persönlich würde das infrage stellen wollen, gestehe aber zu, dass diese Problematik von jedem Psychotherapeuten anders beurteilt werden kann. M.E. ist für Patienten nur ein Antragsverfahren zumutbar, dass nicht willkürlich sondern transparent unter Beachtung nachvollziehbaren Regeln im zeitlich überschaubaren Zeitfenster abläuft. Solange dies nicht gewährleistet ist, werde ich das Kostenerstattungsverfahren in meiner Praxis nicht anbieten.