Digitalisierung im Gesundheitswesen

Wie jetzt gemeldet wurde, soll nach einer Absprache der britischen nationalen Gesundheitsorganisation mit dem amerikanischen Konzern Amazon, dessen Dienst „Alexa“ in Zukunft britische Patienten beraten.

Dabei  soll künftig medizinische Beratung für weit verbreitete Krankheiten wie Migräne und Grippe angeboten werden, um Kosten zu senken und mehr Patienten zu Hause zu helfen.  Gesundheitsminister Matt Hancock vertritt die Auffassung, dass sich bereits jetzt freiwillig Millionen Menschen an Alexa und andere Sprachassistenten mit Gesundheitsfragen wenden. Durch die Kooperation von NHS mit Amazon solle sichergestellt, dass sie den allerbesten Rat erhielten. Das Angebot solle strengen Datenschutzbestimmungen zum Schutz der Patienten unterliegen.

Schützenhilfe erfährt der Gesundheitsminister durch den Vorsitzenden des Royal College of General Practitioners, Helen Stokes-Lampard. Dieser erklärte, der Einsatz von Sprachassistenten könne mehr Arzttermine für diejenigen Patienten freischaufeln, die sie am dringendsten benötigten. „Es könnte einigen Patienten helfen, herauszufinden, welche Behandlung sie benötigen, bevor sie persönliche medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, insbesondere bei geringfügigen Beschwerden, für die selten ein Arzttermin erforderlich ist.“

Dies ist eine Argumentationsfigur, die bereits auch aus Deutschland bekannt ist. Danach vertraten das Gespann Spahn und Lück vor kurzem in einer Talkshow die Auffsssung, dass Patienten mit Anpassungsstörungen eigentlich gar nicht krank seinen. Ihnen sollte empohlen werden, doch mal mit einem Bekannten über das Problem zu sprechen, um das Gesundheitssystem für wirklich Kranke zu entlasten.

Mit den Begriffen Entschlackung und Digitalisierung des Kassen-Gesundheitsystems wird man sich in den nächsten Jahren noch mehr auseinander setzen müssen. 

Im Rahmen dieses bedrohlichen noch hypothetischen Zukunftsszenarios á la 1984 gilt: Wie gut, dass es dann noch Privatpraxen geben wird, die diesen Tendenzen nicht schutzlos gegenüberstehen und an die sich Patienten vertrauensvoll wenden können, ohne Gefahr laufen zu müssen, dass sie als nur eingebildete oder geringfügig Kranke im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen an einen digitalen Assistenten verwiesen werden.

Wolfgang Albrecht