Von der zukünftigen Unfreiheit der Gedanken

Seit langen weiß man, dass Entscheidungen unbewusst getroffen werden und feststehen, lange bevor das Individuum sich diese Entscheidungen bewusst gemacht hat. Freud hatte diesen jetzt von den modernen Neurowissenschaften bestätigten Mechanismus bereits im Rahmen seines Konzepts vom unbewusst wirksamen Wiederholungszwang beschrieben. Aktuell entwickelte Gedankenlesemaschinen können bereits länger als 10 Sekunden voraussagen, wie die jeweilige Entscheidung eines Probanden ausfallen wird. Aber das ist erst der Anfang der Geschichte und der fand bisher nur im Labor statt. Der nächste Schritt, auf den wir uns vorbereiten sollten, steht kurz bevor: Momentan plant Facebook, seinen Nutzern eine hirnstromlesende Kappe anzubieten, mit deren Hilfe die Gedanken der Nutzer direkt von Facebook auslesbar sind. Es ist also nur noch ein kleiner Schritt, dass Technologie dieser Art überall eingesetzt werden kann: beim Einchecken ins Flugzeug zur Sicherheitsüberprüfung, beim Jobinterview zur Erfassung der Loyalität eines zukünftigen Arbeitnehmers, bei der Polizei im Verhör eines Verdächtigen zur Glaubwürdigkeitsüberprüfung aber vielleicht auch irgendwann in der Psychotherapie. Ab wann wird es wohl im Rahmen von künftigen Psychotherapierichtlinien zwingend vorgeschrieben werden, dass im Rahmen eines Erstgesprächs derartige Technologie zur Steigerung der Effektivität von Kassenleistungen zum Einsatz kommen muss? Ein Horrorszenario gewiss, aber letztlich kann alles angewendet werden, was prinzipiell machbar ist und insbesondere dann, wenn die politischen Mehrheiten dessen Umsetzung erzwingen können. Mehr zum Thema Gedankenlesemaschinen im Artikel „The Reality of Mind-Reading„.

Wolfgang Albrecht