Die Psychotherapie der Borderline-Störung in meiner Praxis

Diagnose der Borderline-Störung

Der Begriff der Borderline-Störung wurde ursprünglich verwendet, um Krankheitsbilder im Grenzbereich von Neurosen und Psychosen nur anhand der beobachtbaren Symptomatik zu klassifizieren. Es handelte sich um Patienten, deren Symptome zwar an beide Erkrankungsarten erinnerten, die aber nicht klar einer einzigen Kategorie zugeordnet werden konnten. Der Name “Borderline-Störung” bedeutet also ursprünglich so viel wie “Grenzbereichserkrankung” und bezog sich nur auf die Symptomatik.
Heute wird das Störungsbild psychodynamisch aufgefasst und es werden nicht nur Symptome beschrieben (vgl. hierzu die Kapitel im ICD-10 bzw. DSM IV/ DSM V).

Für eine gesicherte Diagnosestellung ist deshalb eine Persönlichkeitsdiagnostik zusätzlich zur Erfassung von einzelnen Symptomen (die auch bei anderen Erkankungen auftreten können) unerlässlich.
Einige Leitsymptome für die Borderline-Störung sind: die Unfähigkeit allein zu sein, Instabilität der Gefühlslage und stark ambivalente Einstellungen zu wichtigen Bezugspersonen (z.B. in Form von Abhängigkeitswünschen und aversiven Gefühlen). Insbesondere starke Ängste, Gefühle der inneren Leere, Erlebnishunger, Impulsivität, Destruktivität (der Zwang, sich selbst oder andere zu verletzen oder in irgendeiner Form zu schädigen) spielen zwar häufig eine wichtige Rolle, müssen aber im Kontext der Persönlichkeitsstruktur bewertet werden.

Diese ist in der Regel geprägt von dem Bedürfnis, sich zu rächen bzw. andere für tatsächlich oder vermeintlich erlittene Kränkungen/Ungerechtigkeiten zu bestrafen. Eine Diagnose nur auf der Basis von isoliert beobachteten Symptomen ist zumindest leichtfertig und meist auch falsch.

Borderline Störung Wolfgang Albrecht Praxis für Psychotherapie, Psychoanalyse und Coaching in Berlin Charlottenburg Wilmersdorf

Malerei: A. Albrecht, Foto: © W. Albrecht

Für das psychodynamische Verständnis des destruktiven Verhaltens (wie es u.a. bei Borderline-Patienten vorkommt) ist von Bedeutung, dass die Betroffenen sich latent von der Zerstörung ihrer inneren psychischen Strukturen durch eigene innere destruktive Impulse bedroht fühlen und deshalb dazu neigen, eigene destruktive Impulse nach außen hin — an anderen Menschen oder z.B. auch am eigenen Körper — abzureagieren.

Die Versuche des destruktiven Abreagierens stellen also einen Schutz vor einer psychotischen Verschlimmerung (Dekompensation) des Krankheitsbildes dar. Ein wichtiges Ziel in der Psychotherapie von Borderline-Patienten ist der Erwerb der Fähigkeit, im Laufe der Zeit destruktives Verhalten in kreative Handlungen umzuwandeln: z.B in dem sie lernen Musik zu machen anstatt sich selbst oder andere zu verletzten.

Erkennbar an paradoxen Reaktionen

In der emotionalen Erlebnisverarbeitung kommt es zu paradoxen Reaktionen: Fremde werden schnell idealisiert, während nahestehenden Personen eher Misstrauen oder Abneigung entgegengebracht wird. Dies kann sich auch negativ auf die Gestaltung der Psychotherapeut-Patient-Beziehung auswirken, sodass Borderline-Patienten die Psychotherapie abbrechen müssen, wenn sie merken, dass sich eine positive und von emotionaler Nähe geprägte Beziehung zum Psychotherapeuten im Verlauf der Therapie herzustellen beginnt.

Borderline-Patienten können in der Regel nicht gut eine Drei-Personen-Beziehung gestalten. Mütter, die an einer Borderline-Persönlichkeitsorganisation leiden, erleben den Vater des Kindes in der Regel als Bedrohung, der die Symbiose zwischen ihr und dem Kind stört. Borderline-Väter und Borderline-Mütter neigen zu gewalttätigen/emotionalen/
sexuellen Übergriffen gegenüber ihren Kindern, bzw. Sie funktionalisieren ihre Kinder schonungslos für ihre jeweiligen situativen Bedürfnisse (siehe hierzu auch die Seite zu Kindesmisshandlung).

Beziehungsfiguren, Partner, Freunde von Borderline-Patienten erleben die Beziehung mit und insbesondere die Trennung von Borderline-Patienten häufig als psychisch traumatisierende Erfahrung (siehe hierzu auch die Seite über traumatisierende Partnerschaften). Borderline-Patienten neigen dazu, ihre Beziehungsfiguren zu terrorisieren, zu verleumden, zu provozieren, einerseits schlecht zu behandeln und andererseits von sich abhängig zu machen und zu kontrollieren bzw. zu manipulieren.

Bei der Diagnostik einer Borderline-Störung ist von Bedeutung: die Abgrenzung zur Psychose, zur Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts)-Störung (ADS/ADHS) bei Erwachsenen und zur komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Häufig wird die Borderline-Störung auch synonym für die Diagnose “instabile Persönlichkeit” verwendet (so auch im ICD). Es ist aber meines Erachtens sinnvoll, diese Kategorien voneinander zu unterscheiden.

Behandlungsangebote in meiner Praxis

Ansatzpunkte für eine psycho-dynamische, konfliktorientierte Behandlung bei Borderlinestörung sind meiner Praxis u.a.: Verbesserung der Frustrationstoleranz, Reduzierung der aggressiven Spannungen und damit auch die Anfälligkeit für Albträume, Abbau von symbiotischem Beziehungserleben, Reduzierung von Rachephantasien, Eindämmung von selbstschädigendem Verhalten, Vermeidung extremer und schneller Stimmngschwankungen, Stablisierung der inneren Bilder von Beziehungspersonen anstelle von vorherrschenden schwarz-weiß Denken, Reduzierung von aufgesetztem unauthentischen Verhalten und der Neigung zu Manipulation und Instrumentalisierung anderer.

Die Behandlungsmethode einer Borderline-Störung in meiner Praxis in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf ist eine Kombination von tiefenpsychologisch fundierter bzw. dynamischer Psychotherapie und handlungsorientierten Ansätzen.

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  • Jerold J. Kreisman und Hal Strauss:
    Ich hasse dich – verlass mich nicht.
    Die schwarzweiße Welt der Borderline-Persönlichkeit.
Wolfgang Albrecht