Psychotherapie bei Hochsensibilität und Hypersensibilität in Berlin

Hochsensibilität und Hypersensibilität

Sind Sie hochsensibel oder hypersensibel? Auf dieser Seite erhalten Sie Informationen über die Hochsensibilität bzw. Hypersensibilität im Allgemeinen und über die psychotherapeutische Behandlung von Menschen mit Hochsensibilität in meiner Praxis für Psychotherapie, Psychoanalyse und Coaching in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf.

Erfahrungen von Reizüberflutung und Scham

Menschen, die hochsensibel oder hypersensibel sind, stehen häufig vor dem Problem einer gesteigerten Quantität und Intensität der Informationen, die sie während eines Tages oder auch über längere Zeiträume verarbeiten müssen. Dies kann zum Problem werden, wenn sie nicht gleichzeitig auch über eine effizientere Form der Reizverarbeitung verfügen. Die gesteigerte Aufnahme von äußeren Reizen bei verminderter Reizverarbeitungsmöglichkeit führt in der Regel zu Erlebnissen von Reizüberflutung, die wie eine Stauung über längere Zeit abgearbeitet werden muss. Dies kann Stunden, Tage, Wochen oder noch viel länger andauern. Meist reagieren Hochsensible auf andere Menschen auch mit einer übersteigerten Form von Empathie. Negative Stimmungen anderer Menschen wirken auf Hochsensible meist irritierend, Schuldgefühle auslösend, einschüchternd oder entmutigend. Häufig schämen sich Hochsensible, weil sie nicht so belastbar sind wie andere. Wenn Menschen in ihrer Umgebung vermeintlich leiden, kann dies für Hochsensible eine Aufforderung darstellen, sich um diese Menschen kümmern zu wollen oder zu müssen oder sich in dieser Situation überfordert zu fühlen. Sich abzugrenzen von den Lebensproblemen, Gedanken und Stimmungen anderer, fällt ihnen schwer und kann in Stressmomenten zu paranoider Erlebnisverarbeitung führen.

Dünnhäutigkeit – Angstbereitschaft – Überforderung – paradoxe Reaktion

Generell wirken Hochsensible auf andere Menschen dünnhäutiger und zarter als Menschen des Durchschnitts der Bevölkerung. Sie selbst fragen sich häufig, ob sie noch normal sind oder ob es sich bei ihrer Eigenart möglicherweise um eine Erkrankung oder ein Handicap handelt. Dies insbesondere dann, wenn sie sich in vielen Situationen überfordert fühlen oder unter sozialen Ängsten leiden. Bei untypischen Formen von Hochsensibilität kann die erhöhte Angstbereitschaft auch fehlen. Anderseits können hochsensible Menschen in Stressmomenten auch in einen paradoxen Ausnahmezustand geraten oder diesen gezielt ansteuern, in dem sie dann reiz- und schmerzunempfindlicher sind als andere. Dieser Zustand kann dazu verhelfen, sehr schwierige Situationen gut zu überstehen, sollte aber nicht über längere Zeit verwendet werden, weil er vermutlich auf einer Dissoziation beruht und die Vorstufe für einen psychosomatischen Zusammenbruch oder ein Burnout darstellen kann.

Drei Arten von Hochsensibilität

Es ist sinnvoll, drei Unterarten von Hochsensibilität zu unterscheiden. Einerseits findet man die introvertierte, ruhige, passive Ausprägung, bei der Menschen äußere und innere Reize so weit wie möglich vermeiden und dazu neigen, ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben zu führen. Daneben gibt es bei Hochsensibilität eine mehr extrovertierte, aktivere, unruhigere Ausprägung, bei der die Betroffenen eher Herausforderungen suchen. Sie sind abenteuerlustig, neigen zur Abwechslung, sind bisweilen unstet und genießen ein höheres Erregungsniveau und ungewöhnliche Lebensinhalte. Bei der zweiten Variante kommt es zu heftigeren Konflikten mit der Grunddisposition zur Hochsensibilität und es ergibt sich daraus die Notwendigkeit, Phasen mit erhöhtem Erregungsniveau mit langen Erholungspausen auszubalancieren, damit keine schwerwiegenden Probleme im Sinne von Überlastung oder Überforderung auftreten. Beiden Unterformen gemeinsam ist die verlangsamte Reizverarbeitung. Als dritte Variante ist zu nennen eine Form der Hochsensibilität, bei der die Reizverarbeitung in angemessenere Weise gesteigert ist und es insofern nicht zu einem „Flaschenhals-Phänomen“ kommt. Menschen dieser dritten Kategorie von Hochsensiblen werden nur selten oder nie unter Reizüberflutung leiden, obwohl sie von der Anlage her hochsensibel sind.

Gemeinsamkeiten von Hochsensibilität mit ADS oder ADHS

Die Hochsensibilität hat als Veranlagung eine gewisse Ähnlichkeit zur Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADS/ADHS), weil bei dieser ebenso eine erhöhte Offenheit für Reize aus der Umgebung anzutreffen ist. Insbesondere die aktive unruhige Form von Hochsensibilität kann im Einzelfall starke Ähnlichkeit mit einer Variante von ADS oder ADHS aufweisen bzw. mit einer dieser Formen verschmolzen sein. In den Anlagen für ADS bzw. ADHS und Hochsensibiltität gibt es teilweise Überschneidungen. Lesen Sie hierzu bitte auch die Seiten über ADS bzw. ADHS.

Hochsensibilität als Disposition für eine instabile Persönlichkeit

Wenngleich die Hochsensibilität selbst keine Krankheit darstellt, kann sie dennoch aufgrund der damit gesteigerten Angstbereitschaft und defizitärer Abgrenzungsfähigkeit die Prädisposition für psychische Irritationen, Traumatisierungen oder auch tatsächliche psychisch bedingte Erkrankungen, wie z.B. eine Angsterkrankung im Sinne einer sozialen Phobie, sein. Treten Dissoziationen auf in Form von nicht bezogenem Gespräch, Schwindel u.ä. sollte immer auch an das Vorhandensein, einer psychischen Instabilität in Verbindung mit Hochsensibilität gedacht werden. Eine gute Darstellung dieser speziellen Problematik ist die Figur des Holden Caulfield in dem Roman von J.D. Salinger „Der Fänger im Roggen“.

Psychisch instabil = Borderline ?

Die gelegentlich auftretende psychische Instabilität bei hochsensiblen Menschen wird gelegentlich mit einer Borderline-Störung verwechselt, weil bei einer Borderline-Störung auch psychische Instabilität neben anderen Beschwerden eine große Rolle spielt.

Sollten Sie als Borderline-Persönlichkeit im Wesentlichen aufgrund von psychischer Instabilität diagnostiziert worden sein, lassen Sie bitte überprüfen, ob es sich bei Ihnen nicht auch um einen Fall von genuiner Hochsensibilität handeln könnte. Allerdings kann es im Einzelfall auch zu Überschneidung kommen und es gibt Mischformen von Hochsensibilität und Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Lesen Sie zu diesem Thema bitte auch weiter auf meinen Seiten über Instabile Persönlichkeit und über Borderline-Störung.

Hochsensible als Opfer von Mobbing, Ausbeutung, emotionalem oder sexuellem Missbrauch

Hochsensible bzw introvertierte Menschen sind häufiger als andere das Opfer von Mobbing, Ausbeutung, emotionalem oder sexuellem Missbrauch, weil sie sich gegenüber extrovertierteren und damit meist auch aggressiveren Menschen nicht gut genug schützen können und meist selbst eher schutzbedürftig sind. Gerade Menschen, die sich spirituell orientieren und zurückgezogen von dem Lärm des Alltags ihr Leben verbringen wollen, können so leicht das Opfer von Menschen werden, die es verstanden haben, eine Machtposition in einer Gemeinschaft von Schutzbedürftigen zu werden.

Hochsensibilität und die Psychosomatik

Auch psychosomatische oder psychosomatoforme Störungen können bei der Disposition zur Hochsensibilität auftreten. Hierzu gehören z.B. Neurodermitis, Psoriasis, Migräne, Fibromyalgie, Reizdarm-Syndrom, Neurodermitis. Häufige Beschwerden in Stresssituationen sind Brennen in der Brust und Störungen im Magen-Darm-Bereich in Form von Magenkrämpfen.

Abgrenzung zu ADS bzw. ADHS und Mischbilder

Während die Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Störung eher dazu neigen, von äußeren Reizen abgelenkt zu werden, findet sich bei Hochsensiblen eher die Neigung, sich von äußeren Reizen zu stark beeinflussen und innerlich gefangen nehmen zu lassen. Während der von ADS bzw. ADHS Betroffene sich von diesen Reizen jedoch eher in positiver oder negativer Weise aktiviert fühlt, sind für hochsensiblen Menschen – insbesondere mit der passiven, ruhigen Variante von Hochsensibilität – diese Reize eher zu intensiv, belastend oder störend.

Im Unterschied zum Patienten mit ADS oder ADHS sollte der hochsensible Mensch in der Regel kein Problem damit haben, seine Aufmerksamkeit zu fokussieren und fähig sein, in seinen Handlungen durchaus zielorientiert vorzugehen und nicht impulsiv, unüberlegt und planlos-chaotisch zu agieren. Mischformen sind allerdings möglich, sodass im Einzelfall ADS bzw. ADHS in Verbindung mit Hochsensibilität – insbesondere mit der aktiven, unruhigen Variante von Hochsensibilität – vorkommen kann.

Untypische Formen von Hochsensibilität, Affinität zu Sekten und Don Quichotterie.

Es sei noch hingewiesen auf untypische Formen von Hochsensibilität. Diese findet man z.B. Menschen, die einerseits sehr dünnhäutig und überempathisch sind, denen aber die erhöhte Angstbereitschaft fehlt. Dies kann dann dazu führen, dass sie zur Abgrenzung zu anderen Mitteln greifen, wie etwa, sich subkulturellen Gruppen, Sekten etc. anzuschließen. Eine andere untypische Form der Hochsensibilität findet man bei Menschen, die zusätzlich zu hochsensensibler Disposition und Erlebnisweisen auch autistische Persönlichkeitsanteile haben und dann möglicherweise Hinweise auf „Don Quichotterie“ bieten. Lesen Sie hierzu bitte auch meine Seite über hochfunktionalen Autismus.

Hochsensibilität = Hochbegabung ?

Zu verneinen ist die Frage, ob der hochsensible Mensch notwendigerweise auch hochbegabt ist. Eine Hochbegabung kann mit Hochsensibilität verbunden sein. Dies ist aber nicht der Normalfall. Hochsensible Menschen leiden häufig unter Reizüberflutung in allen Wahrnehmungsqualitäten und haben Schwierigkeiten, sich gegenüber anderen Menschen sinnvoll abzugrenzen, leiden teilweise unter Schüchternheit oder auch unter Ängsten. Demgegenüber ist die Hochbegabung meist an ein Talent gebunden, das bei entsprechender frühzeitiger Kultivierung und betont ernsthafter Ausbildung bzw. Schulung meist schon in Kindheit und Jugend dann später im Erwachsenenleben zu überdurchschnittlichen Leistungen befähigen kann.

Ist Hochsensibilität ein Handicap oder eine besondere Form von Begabung?

Von den Betroffenen selbst wird ihre Hochsensibilität häufig als Handicap empfunden, u.a. auch deshalb, weil sie oft zur Zielscheibe von Mobbing werden. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass Patienten aus der vermeintlichen Schwäche eine Stärke machen, indem sie ihre sozialen Kompetenzen verbessern und z.B. auch musische oder andere kreativ-künstlerische Fähigkeiten entwickeln und kultivieren, insbesondere wenn hierfür sogar ausreichende Begabungen vorhanden sind.

Die Pflege von musischen Beschäftigungen in der Freizeit oder im Beruf kann für hochsensible Menschen eine wichtige Bereicherung ihres Lebens und eine Stabilisierung ihres Selbstwertgefühls bewirken. Ebenso sehr empfehlenswert sind kreatives Schreiben, Improvisationstheater, Musizieren, künstlerische Beschäftigungen jeder Art. In jedem Fall ist es wichtig, Situationen von möglichen Reizüberflutung vorausschauend einzugrenzen, um eine Eskalation zu vermeiden.

Krankheitswertige Beschwerden bei Hochsensibilität

Krankheitswertige Beschwerden bei Hochsensibilität sind stark davon abhängig, welche der drei Unterformen im Einzelfall vorliegt. Deshalb ist es sehr schwer, generalisierende Aussagen zu machen. Grundsätzlich klagen Patienten immer wieder über vermehrte Angstbereitschaft, vor allem über Ängste im sozialen Bereich, psychische Instabilität bei Überforderung durch zu große Nähe und/oder risikoaffines Verhalten. Vereinzelt gibt es auch eine Neigung zur paranoiden Erlebnisverarbeitung, wenn aufgenommene Reize aufgrund von übersteigerter Empathie ungefiltert auf die eigene Person bezogen werden müssen und nicht mehr sachlich-rational verarbeitet werden können.

Behandlungsempfehlungen

Sollten Sie unter Ihrer Hochsensibilität leiden oder von negativen Folgen einer Hochsensibilität betroffen sein, vereinbaren Sie bitte ein unverbindliches Vorgespräch in meiner Praxis und lassen Sie sich beraten, welche professionellen Behandlungsmöglichkeiten für Sie in Frage kommen. Ich behandele Menschen mit Hochsensibilität schon seit vielen Jahren und werde Ihnen ein Behandlungsschema empfehlen, das auf Ihre speziellen Wünsche und Bedingungen Rücksicht nimmt.

In meiner Praxis werden zur Unterstützung von Menschen mit Hochsensibilität vor allem die psychologische Beratung, das Personal Coaching und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie eingesetzt. Wenn die Disposition zur Hochsensibilität sich bereits mit psychischen Störungen wie z.B. einer Depression, einer sozialen Phobie, einer generalisierten Angsterkrankung oder einer Zwangsstörung verbunden hat, ist auch eine analytische Psychotherapie (Psychoanalyse) unter bestimmten Voraussetzungen anzuraten.

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