Über den Zusammenhang von Projektion und Dissoziation
Die psychopathologische Verbindung zwischen Projektion und Dissoziation ist in der psychodynamischen und klinischen Psychologie gut dokumentiert. Beide Mechanismen spielen eine Rolle im Umgang mit unangenehmen oder bedrohlichen innerpsychischen Inhalten, die das Selbstbild destabilisieren könnten. Beide Phänomene existieren aber auch unabhängig voneinander. Es gibt Projektion ohne gleichzeitige Dissoziation und Dissoziation ohne gleichzeitige Projektion.
Projektion
Die Projektion ist ein Abwehrmechanismus, bei dem eine Person eigene unbewusste Impulse, Gefühle oder Gedanken, die sie als inakzeptabel oder bedrohlich empfindet, anderen zuschreibt. Anstatt die unangenehmen Aspekte des Selbst zu erkennen und zu integrieren, wird das Problem auf die Außenwelt oder auf andere Menschen verschoben. Dies dient dem Schutz des Selbstbildes und der Vermeidung von Konflikten, indem der Person die Verantwortung für unerwünschte Gefühle oder Impulse entzogen wird.
Dissoziation
Die Dissoziation ist ein Mechanismus, der darauf abzielt, das Bewusstsein von bestimmten psychischen Inhalten, wie belastenden Emotionen, Erinnerungen oder Erfahrungen, abzutrennen. Dies betrifft aber nicht nur wie bei der Verdrängung und Verleugnung einzelne Bewusstseinsinhalte, sondern die bewusste Teilhabe an der aktuellen Situation. Dissoziierte Menschen wirken so, als seien sie momentan in einer anderen Welt, als hätten sie sich von den Menschen in der aktuellen Lebenswelt zurückgezogen.
Gründe für die Dissoziation: Menschen dissoziieren, um mit extremem Stress oder Erinnerungen an Traumata umzugehen. Dabei kann es zu einem Bruch in der Kontinuität des Bewusstseins, der Wahrnehmung oder des Gedächtnisses kommen. Die Dissoziation ist, ähnlich dem Totstellreflex bei Tieren, oft eine Überlebensstrategie bei traumatischen Erfahrungen, da sie es der Person ermöglicht, sich von überwältigenden Emotionen oder extrem unangenehmen Gedanken bzw. Erinnerungen durch einen Fluchtreflex zu distanzieren.
Projektion und Dissoziation gleichzeitig
Die gleichzeitige Verbindung zwischen Projektion und Dissoziation tritt auf, wenn eine Person, die eigene Gedanken, Gefühle auf andere Menschen projiziert und diese Projektionen als vermeintliche Wahrnehmungen empfindet, dabei gleichzeitig in einen dissoziativen Zustand verfällt, weil die vermeintlichen Wahrnehmungen in diesem Moment eine traumatisierende oder besser gesagt: eine re-traumatisierende Wirkung haben. In diesem Fall kann die Person nicht nur Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Gefühle und Erfahrungen als ihre eigenen zu erkennen, sondern sie könnte auch bewusst oder unbewusst dissoziieren, um den unangenehmen Aspekt des Erlebens der Projektion, die ja als vermeintliche Wahrnehmung empfunden wird, abzuspalten, indem sie sich selbst nicht mehr als Teil der gemeinsamen situativen Lebenswelt empfindet.
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