Übergewicht und die Psyche

Übergewichtigkeit

Ob wir übergewichtig sind - d.h. ob bei uns eine übermäßig gesteigerte Menge an Fettgewebe vorhanden ist - oder ob wir ein normales Gewicht halten können, ist wesentlich von unserem Essverhalten, unserem Einkaufsverhalten und der Art und Weise, wie wir unsere Nahrung zubereiten, abhängig. Darüber hinaus spielen auch konstitutionelle Faktoren, das Ausmaß an körperlicher Bewegung, allgemeine Umwelteinflüsse und nicht zuletzt auch psychodynamische Aspekte (unbewusste Konflikte) eine Rolle.

Achtung: Es gibt auch organische Erkrankungen oder Medikamente, die eine Fettleibigkeit hervorrufen können.

Das Essverhalten wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Einige Beispiele: Wenn der Teller sich nicht optisch leert, sondern wie durch Geisterhand die verzehrte Menge immer wieder ausgeglichen wird, essen bis zu 76% der Versuchspersonen mehr als dies bei einem normal funktionierenden, d.h. sich optisch leerenden Teller der Fall wäre.
Wenn eine Portion als normale Portion ausgepriesen wird, essen wir davon mehr, als wenn sie als doppelte Portion ausgewiesen wurde. Was wir über die Portion zu wissen glauben, beeinflusst also unser Essverhalten.

Besteht ein Sortiment Schokolinsen aus zehn Farben anstelle von sieben Farben, essen wir bis zu 43% mehr davon. Dies trifft auch auf die Auswahl von Gemüse zu: Stehen zwei Gemüsesorten zur Auswahl, wird mehr Gemüse gegessen als wenn nur eine Gemüsesorte im Angebot wäre. Dies bedeutet: Auch die Vielfalt des Angebots beeinflusst unser Essverhalten.

Dagegen hemmt eine aufwendigere Verpackung unseren Drang, Nahrungsmittel einfach zu verschlingen.

Jeden Tag stehen wir x-mal vor der Frage: “Habe ich Hunger? Wenn ja, nehme ich dies oder das? Esse ich weiter oder mache ich mit dem Essen erst einmal eine Pause?” Dabei werden die jeweiligen Antworten hauptsächlich durch den unbewussten Teil unseres Gehirns bestimmt.

Der Einfluss des Unbewussten

Ein wichtiger Teil unseres Unbewussten ist das sogenannte Belohnungszentrum. Wird es angeprochen, befinden sich die betreffenden Menschen immer in einem Konflikt zwischen der Entscheidung: Sollen sie eine Handlung auswählen, die kurzfristig weniger Erfolg, dafür aber langfristig grösseren Erfolg verspricht, oder sollen sie umgekehrt, eine Handlung auswählen, die kurzfristig mehr Erfolg und langfristig möglicherweise weniger Erfolg verspricht.

Je nachdem, ob das Belohnungszentrum eher risikoscheu oder eher risikofreudig ist in Bezug auf kurzfristige Resultate, werden sich die betreffenden Menschen unbewusst für die eine oder andere Alternative entscheiden.

Bei Übergewichtigen (insbesondere bei Frauen) arbeitet das Belohnungszentrum im unbewussten Teil des Gehirns nach dem Prinzip der Bevorzugung einer risikofreudigen Entscheidung: Sie nehmen erst einmal soviel sie können, auch wenn sich diese Strategie langfristig als ungünstig herausstellen sollte. Normalgewichtige vermeiden langfristig negative Konsequenzen, auch wenn diese kurzfristig einen Gewinn oder eine Belohnung versprechen sollte.

Daraus kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass auch die Art und Weise, wie unser Belohnungszentrum unbewusst allgemein funktioniert, u.a. auch das Essverhalten beeinflusst.

In psychodynamischer Hinsicht ist von Belang, dass bei Betroffenen einer Adipositas nervosa meist ein schlechtes Selbstwertgefühl vorhanden ist, das durch Essen kompensiert werden soll. Darüber hinaus und in Zusammenhang damit ist auch an Formen von latenten depressiven Verstimmungen zu denken, die von negativen Kindheitserfahrungen herrühren können.

Abschließend sei noch bemerkt, dass bei der Adipositas das Fettverteilungsmuster einen spezifischen Risikofaktor darstellen kann. Insbesondere Fettansammlungen rund um die Taille bei Männern sind hier zu nennen. Fettleibigkeit erhöht das Risiko, diverse Folgekrankheiten (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes etc.) zu erleiden. Auch bei Schuppenflechte sollte eine Adipositas vermieden werden.

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Wolfgang Albrecht