Psychotherapie bei Menschen mit autistischen Persönlichkeitsanteilen - Asperger Syndrom

Auf dieser Seite erhalten Sie Informationen über Beschwerden bei autistischen Persönlichkeitsanteilen insbesondere aus dem Formenkreis des Asperger-Syndroms im Allgemeinen und über Hilfe und Beratung in meiner Praxis in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf bei Lebensproblemen, die sich aus autistischen Persönlichkeitsanteilen bei erwachsenen Betroffenen ergeben.

Asperger-Syndrom als Beschreibungs-Modell

Das Asperger-Syndrom wird aus historisch-kritischen Gründen neuerdings auch „Hochfunktionaler Autismus“ genannt. Der Begriff dient als Modell zur Beschreibung eines Menschen mit stark selbstbezüglichen Erlebnisweisen und ausgeprägt selbstbezüglichen Verhaltensweisen. Er ist kein fest umrissenes Krankheitsbild. Vielmehr können Aspekte davon bei jedem Menschen eine gewisse Rolle spielen. Die Merkmale dieser Form eines nicht pathologischen Autismus, die geprägt ist von einem stark selbstbezüglichen Lebens meist hochintelligenter Menschen, können stärker oder schwächer ausgeprägt sein. Ebenso können Einschränkungen bei Betroffenen im privaten oder beruflichen Bereich eine unterschiedlich Rolle spielen. Jeder Einzelfall ist dabei in seiner Besonderheit zu würdigen. Eine pauschale Zuordnung zum Phänomen „Autismus“ insbesondere auch seinen pathologischen Formen ist in der Regel irreführend und sollte besser vermieden werden. Dennoch kann es für Betroffene eine Hilfe darstellen, wenn sie eigene Besonderheiten im Rahmen des Modells „Asperger-Syndrom“ bzw. „Hochfunktionaler Autismus“ besser verstehen, auch wenn nicht alle Aspekte gleichermaßen zutreffen und einige sogar möglicherweise ganz fehlen.

Die Problematik bei Menschen mit Anteilen von Asperger-Autismus

Menschen mit Störungsanteilen aus dem Bereich des Asperger-Syndrom haben es in der Regel schwer, Blicke und Mimik anderer Menschen in Bezug auf deren affektiven-kommunikativen Gehalt zu erfassen und haben – davon abgeleitet – meist Probleme, intuitiv die Überzeugungen, Gefühle und Gedanken anderer Menschen zu verstehen. Vielmehr lernen sie diese erst durch ein intellektuelles Regelsystem für sich zu erschließen. Durch die Anwendung ihrer erkenntnisbasierten Psychologie können Menschen mit autistischen Störungsanteilen zu erstaunlichen empathischen Leistungen im engsten sozialen Bereich fähig sein. Allerdings stoßen diese erlernten sozial-kommunikativen Kompetenzen dann an Grenzen, wenn es darum geht, in Mehrpersonenbeziehungen komplexe emotionale Sachverhalte, die vielfältigen Intentionen, Motive der Anwesenden intuitiv zu verstehen und schnell darauf zu reagieren.

Deshalb wirken Betroffene im sozialen Umgang manchmal schüchtern, unbeholfen, zu distanziert oder im kindlich-naiven Sinne zu distanzlos. Diese unterschiedlichen Eigenarten von Betroffenen können im negativen Sinne jeweils als gehemmt, aufdringlich, arrogant, unhöflich oder auch unpassend von anderen aufgefasst werden. Betroffene sind meist sehr selbstbezüglich und interessieren sich für Spezialthemen, bei denen sie sich sehr gut auskennen und über die sie sich gerne mit anderen unterhalten möchten, ohne zu bemerken, dass sie die Neigung haben, in einen Monolog zu geraten. Wenn ihre Sprechweise dann auch noch zu wenig akzentuiert oder sogar monoton-leiernd ist, fangen Zuhörer an, sich zu langweilen und empfinden die ihnen aufgezwungene Unterhaltung zu wenig als Zwiegespräch, zu wenig als menschlichen Austausch von Gefühlen und Gedanken. Betroffene geraten deshalb leicht in soziale Isolation, werden abgelehnt oder werden als merkwürdige Charaktere belächelt.

Wenn jemand sogenannten „Small-Talk“ ablehnt und immer „tiefer“ und „intensiver“ in seine Themen einsteigen möchte, kann dies auf andere Menschen anstrengend wirken und ihn zum Sonderling machen, der irgendwie anders ist als die anderen. Ebenso haben Betroffen es meist schwer, Redewendungen, Witze und Ironie intuitiv zu erfassen. Ähnlich wie Menschen mit Hochsensibilität fühlen sich Menschen mit autistischen Störungsanteilen nach komplexen sozialen Interaktionen häufig erschöpft und ruhebedürftig.

Wenn Ordnung, Rituale und strukturierte Tagesabläufe große Bedeutung haben

Betroffene benötigen meist viel Ordnung, ihre persönlichen Rituale, strukturierte Tagesabläufe im Alltag. Sie neigen überhaupt zum Kategorisieren, systematischen und analytischen Denken. Für einen Wissenschaftler ist eine Beimischung von Anteilen dieses Störungsbildes fast ein Geschenk. Probleme entstehen dann, wenn von Routinen abgewichen werden muss. Betroffene können auf unerwartete Veränderung mit Ärger oder sogar Zorn reagieren. Flexibilität ist nicht gerade ihre Stärke.

Vergleiche mit den Eigenheiten bei ADS/ADHS und Hochsensibilität

Bei Asperger Autismus findet man Überschneidungsbereiche mit ADS/ADHS und Hochsensibiltiät. Ähnlich wie Menschen mit Störungsanteilen aus dem Bereich Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS/ADHS) zeigen auch Menschen mit Anteilen aus dem Bereich Asperger-Autismus in manschen Fällen eine stärkere Konzentration auf Details und haben Schwierigkeiten, sich auf das Gesamtbild zu fokussieren. Mit hochsensiblen Menschen haben sie mitunter gemeinsam, dass sie unter Reizüberflutung leiden können uns sich häufig gegenüber zu starken Außenreizen abschotten müssen. Diese Gemeinsamkeiten können im Einzelfall auch fehlen. sind aber eher zu erwarten. Hierbei ist zu beachten, dass es im Bereich der Erwachsenenpsychologie im Gegensatz zur Kinderpsychologie nicht den typischen ADS/ADHS Betroffenen oder den typischen Hochsensiblen gibt. Jeder Fall ist in seiner Besonderheit zu würdigen und einzuordnen.

Stärken von Menschen mit Anteilen von Asperger-Autismus

In der praktischen Arbeit mit Betroffenen zeigen sich immer wieder auch die Stärken von Menschen mit Anteilen  von Asperger-Autismus. Sie zeichnen sich meist durch Loyalität und Zuverlässigkeit in sozialen Beziehungen aus, haben meist keine Vorurteile, versuchen andere so zu akzeptieren, wie sie sind. Sie halten an persönlichen Überzeugungen fest und sind insgesamt sehr willensstark. Sie sind gewissenhaft, streben nach fundiertem faktenbasierten Wissen und sehnen sich nach aufrichtigen Freunden. Sie kommen in ihrer Arbeit zu originellen Problemlösungen, sind meist überdurchschnittlich intelligent, verfügen über ein gutes Gedächtnis und haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsdenken.

Berufsleben und Privatleben von Menschen mit Anteilen von Asperger Autismus

Trotz dieser Stärken haben Betroffene es häufig schwer, im Beruf erfolgreich zu sein und leiden stärker unter Ausgrenzung und Arbeitslosigkeit als vergleichbar andere ähnlich qualifizierte Menschen. Im Privatleben haben Betroffene meist nur wenige Freunde oder leben sogar ganz zurückgezogen.

Unterschiede bei Frauen und Männern

Bereits in jungen Jahren empfinden viele Betroffene das soziale Miteinander als belastend und ausgrenzend, obwohl einige von ihnen sich durchaus nach sozialer Bindung sehnen. Soziale Beziehungen bedeuten für Menschen mit autistischen Zügen eben vor allem Anspannung und Enttäuschungen. Durch bewusste Nachahmung anderer versuchen sie, sozial kompatibler zu werden. Das Ergebnis ist dann meist aber nur Mobbing, Unterordnung oder Isolation. Während man Männern eher ihre als schrullig empfundenen Eigenarten zugesteht, lastet auf Frauen ein deutlich höherer Anpassungsdruck zum Erwerb sozialer Kompetenzen, weil man diese von Frauen mehr erwartet als von Männern. Problematisch daran ist: Wenn Frauen stärker als Männer versuchen, ihre sozialen Defizite durch Nachahmung anderer zu kompensieren, leidet darunter zusätzlich ihre Identitätsentwicklung. Je mehr sie versuchen, die zu werden, die andere aus ihr machen möchten, desto weniger finden sie hinreichend genug zu sich selbst.

Angeborene primäre versus erworbene sekundäre autistische Erlebnisverarbeitung

Während das Asperger-Syndrom ursprünglich von seiner Entstehung her so gedeutet wurde, dass die Betroffenen primär eine Wahrnehmungsstörung im Sinne einer defizitären visuellen Dekodierungn in Bezug auf die Mimik anderer Menschen haben, so zeigt doch die psychotherapeutische Praxis, dass es auch Patienten gibt, die autistische Störungsanteile im Laufe ihres Lebens erst sekundär ausgebildet haben, weil ihnen aufgrund der familiären Situation, in der sie aufwachsen mussten, die emotional-kommunikative dialogische Interaktion verweigert wurde. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn die Eltern aufgrund eigener psychischer Beeinträchtigungen, dazu nicht in der Lage waren, mit ihren Kindern eine emotional-kommunikative dialogische Interaktion einzuüben. In diesen Fällen kann insbesondere die tiefenpsychologisch orientierte interaktionelle Methode eine Nachentwicklung anstoßen und fördern.

Eine erweiterte Theorie des hochfunktionalen Autismus

Eine erweiterte Theorie des hochfunktionalen Autismus könnte zu dem Ergebnis kommen, dass das bisher bekannte Beschreibungsmodell des Asperger Autismus in seiner Genese bedingt ist durch ein Zusammenspiel von Defiziten in der Wahrnehmungsverarbeitung und/oder Sozialisation und bestimmten kompensatorischen Kräften, die in Form starker Willenskraft, einem Ringen um ein möglichst realistisches Bild von sich selbst und der Umwelt, überrdurchschnittlicher Intelligenz und Gedächtnisleistung sowie einer besonderen Fähigkeit zur Hingabe in Erscheinung treten. Durch dieses Wechselspiel von defizitären und kompensatorischen Kräften werden die Voraussetzungen zwar einerseits für ein mehr oder weniger ausgeprägtes selbstbezügliches Leben geschaffen, dass aber nicht zwangsläufig destruktive oder feindselige Zielsetzungen verfolgt, sondern sich mehr in vermittelten sozial-förderlichen kreativen künstlerischen bzw. wissenschaftlichen Dimensionen entfalten möchte als in unmittelbar sozial-kommunikativen Bezügen. Falls diese kompensatorischen Kräfte nicht so stark ausgeprägt sind, wäre eine Entwicklung hin zu pathogenen Formen des Autismus (nach Bleuler) mit desintegrativen Aspekten einer mehr paranoider Erlebnisverarbeitung.

Angebote in meiner Praxis bei autistischen Störungsanteilen

Menschen mit primären oder sekundären autistischen Störungsantelen leiden häufig unter Beziehungskonflikten, Ängsten und Zwängen etc. Als Behandlungsmethode bei autistischen Störungsanteilen und deren Auswirkungen kommt in meiner Praxis meist eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie – im Einzelfall auch in Kombination mit handlungsorientierten Ansätzen – zur Anwendung. Es können aber auch Coaching oder eine psychodynamische tiefenpsychologische Beratung in Anspruch genommen werden. Der pychoynamische Ansatz ist allerdings nicht auf die Ursachen des Störungsbildes selbst anwendbar, sondern nur auf seine Folgen in Bezug auf die Betroffenen selbst oder im Rahmen von sich daraus ergebenden Beziehungskonflikten.
Sollten Sie zum Kreis der Betroffenen gehören, zögern Sie bitte nicht, ein unverbindliches Beratungsgespräch in meiner Praxis zu vereinbaren.

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Wolfgang Albrecht