Einleitung
In diesem Beitrag soll der Frage nachgegangen werden, mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist, wenn das Aktzeichnen insgesamt in der Ausbildung von Gestaltern marginalisiert wird und dort, wo es noch stattfindet in der Regel mit weiblichen Modellen betrieben wird. Deshalb ist zunächst nur zu konstatieren: Die Konzentration auf den männlichen Akt als zentrales Motiv in der Kunst und in der akademischen Ausbildung hat sich im Laufe der Kulturgeschichte verändert. Daraus ergibt sich die weitergehende Frage, auf welche Faktoren dies zurückzuführen sein könnte, um schließlich wieder bei der Ausgangsfrage zu landen, mit welches Konsequenzen in diesem Entwicklungsprozess zu rechnen ist.
Antike und Renaissance: Der männliche Akt als Idealbild von Humanität
In der Antike, insbesondere in der griechischen Kunst, war der männliche Körper das Idealbild der Schönheit und der Tugend. Der nackte männliche Körper symbolisierte Kraft, Tapferkeit und Harmonie, während der weibliche Körper oft als Ausdruck von Feminität dargestellt wurde. Diese Tradition setzte sich in der Renaissance fort, wo Künstler wie Michelangelo und Leonardo da Vinci den männlichen Körper studierten und ihn als Inbegriff des menschlichen Geistes darstellten. Die detaillierte Anatomie des männlichen Körpers wurde auch als Grundlage für das Studium der menschlichen Proportionen und damit für Gestaltungsprinzipien insgesamt verwendet, was in den klassischen Kunst-Akademien einen hohen Stellenwert hatte.
Kulturelle Verschiebungen im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert begann sich die künstlerische Perspektive zu verschieben. Mit der zunehmenden Betonung des Romantizismus einerseits und der realistischen Darstellung des Alltagslebens andererseits wurde der weibliche Körper auf unterschiedliche Weise zunehmend zum bevorzugten Motiv. Zu denken ist in diesem Kontext vor allem auf das Bild „Frühstück im Grünen von Eduard Manet“. Diese Verschiebung geschah auch im Kontext einer sich verändernden Gesellschaft, in der das Bild der Frau in der Kunst oft mit Erotik und Sexualität verbunden wurde. Während die Darstellung des männlichen Körpers oft im Kontext von Heldentum oder Spiritualität stattfand, wurde der weibliche Akt zunehmend als Objekt der Begierde und der Provokation inszeniert. Diese erotische Objektifizierung, Thematisierung und Instrumentalisierung des nackten weiblichen Körpers in der Kunst und der Ausbildung von Künstlern geht einher mit den veränderten gesellschaftspolitischen Bedingungen dieser Epoche.
Bürgerliche Moralvorstellungen und Sexualität
Mit dem Aufkommen bürgerlicher Moralvorstellungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde die Nacktheit des männlichen Körpers zunehmend als unangemessen oder historisch überholt angesehen. Die Gesellschaft richtete ihr Augenmerk auf den weiblichen Körper als erotisches Motiv, während der männliche Akt in der öffentlichen Kunstproduktion aber auch in der akademischen Ausbildung immer seltener wurde. Die Darstellung des nackten männlichen Körpers wurde auch teilweise mit homophoben Konnotationen verbunden, was die Verdrängung des männliches Aktes noch verstärkte. Zu denken ist in diesem Zusammenhang an die Darstellung der Aktklasse im Film von Donnersmarcks, Werk ohne Autor (2018), in der die gesamte Situation, Kunststudenten zeichnen einen nackten Mann, der Lächerlichkeit preisgegeben wird.
Die Darstellung des männlichen Aktes in der Nazizeit
Die Darstellung des männlichen Aktes in der Kunst und Architektur der NS-Zeit, insbesondere am Beispiel des Olympiastadions in Berlin 1936, war eng mit der nationalsozialistischen Ideologie verbunden und diente als Mittel der Propaganda. Der männliche Körper wurde als Symbol für Kraft, Heroismus, Disziplin und die Überlegenheit der „arischen“ Rasse inszeniert. Die ästhetische Darstellung des männlichen Aktes im Nationalsozialismus zielte darauf ab, ein idealisiertes Bild des gesunden, starken und gewaltbereiten Mannes zu fördern, das die politische und ideologische Botschaft des Regimes verstärkte.
Das Olympiastadion als Monument nationalsozialistischer Ideologie
Das Olympiastadion in Berlin, das für die Olympischen Spiele 1936 unter der Leitung von Albert Speer und dem Architekten Werner March errichtet wurde, war nicht nur ein Sportstätte, sondern auch ein Symbol der nationalsozialistischen Selbstinszenierung. Die gesamte Anlage, einschließlich der Bildhauerei und der ästhetischen Gestaltung, sollte die Macht, Stärke und „Vollkommenheit“ des Dritten Reichs demonstrieren.
Der männliche Körper spielte dabei eine zentrale Rolle. Die Skulpturen und Reliefs, die den Stadionkomplex schmückten, zeigten idealisierte, muskulöse Männerkörper in heroischen gewaltbereiten Posen. Diese Darstellungen standen im Kontext einer Propaganda, die den athletischen männlichen Körper als Verkörperung des nationalsozialistischen Ideals verherrlichte – er repräsentierte Stärke, Leistungsfähigkeit und Gewaltbereitschaft.
Symbolik des männlichen Körpers im Nationalsozialismus: Gewaltbereitschaft, Gehorsam und Rassismus
Der männliche Akt in der Kunst des Nationalsozialismus wurde verwendet, um die vermeintliche Überlegenheit der „arischen“ Rasse darzustellen. Die athletischen Körper, die im Olympiastadion zu sehen sind, verkörpern dieses Ideal. Sie stellen keine individuellen Menschen dar, sondern archetypische Figuren, die für den nationalsozialistischen Kollektivismus stehen. Die Männer werden häufig in Posen dargestellt, die an antike griechische und römische Statuen erinnern sollen, von diesen aber aufgrund ihrer gewaltbereiten Ausstrahlung in charakteristischer Weise abweichen.
Diese verfälschende Bezugnahme auf die Antike, insbesondere auf die griechische Idealisierung des männlichen Körpers, war ein wichtiger Teil der nationalsozialistischen Ästhetik. Der männliche Akt wurde in den Olympischen Spielen als ein Symbol für die Wiedergeburt einer „arischen“ Zivilisation inszeniert, die sich sowohl körperlich als auch moralisch überlegen fühlte. Der Körper des Mannes sollte als Inbegriff von Disziplin und Perfektion erscheinen, und die olympischen Athleten wurden als die modernen Vertreter dieses Ideals betrachtet.
Leni Riefenstahl und die Ästhetisierung des männlichen nationalsozialistischen Körpers
Eine Schlüsselrolle in der ästhetischen Darstellung des männlichen Aktes im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1936 spielte Leni Riefenstahl, die mit ihrem Film Olympia (1938) das Ereignis dokumentierte. Riefenstahl inszenierte die Athleten – besonders die männlichen – in einer Weise, die ihre Körper als perfekt und heroisch im nationalsozialistischen Sinne darstellte. Ihre Kameraarbeit hob die muskulösen Körper der Sportler in dramatischen, antikisierenden Posen hervor, wodurch die Ästhetik des männlichen Körpers als Ausdruck der Überlegenheit und des nationalsozialistischen Heroismus betont wurde.
Riefenstahls Filmtechnik trug dazu bei, den männlichen Akt nicht nur als künstlerischen Ausdruck, sondern als politisches Statement zu inszenieren. Sie zeigte die Athleten in Zeitlupenaufnahmen, die ihre physischen Fähigkeiten und Körperformen im NS-Staat glorifizierten, was die propagandistische Botschaft des Nationalsozialismus – das Ideal eines perfekten, disziplinierten und „arischen“ gewaltbereiten Mannes – verstärkte.
Die Funktion der Kunst: Der männliche Akt als Propaganda
Die Kunst des Nationalsozialismus, einschließlich der Skulpturen und Reliefs im Olympiastadion, diente der politischen Propaganda und der Verbreitung des nationalsozialistischen Menschenbildes. Bildhauer wie Arno Breker und Josef Thorak schufen monumentale Skulpturen von nackten Männern, die als Verkörperung des nationalsozialistischen Ideals von Brutalität und Gewaltbereitschaft dienten. Diese Figuren waren muskulös, jung und kämpferisch – ein Ideal, das die Jugend und die militärische Stärke des Dritten Reichs zum Ausdruck bringen sollte.
Der männliche Körper wurde in diesen Darstellungen nicht nur als ästhetisches Ideal verstanden, sondern als politische Waffe. Er symbolisierte den „neuen Menschen“, den der Nationalsozialismus schaffen wollte: stark, unerschütterlich und gewaltbereit, für das Regime zu kämpfen. Die Darstellung des männlichen Körpers war daher eng mit der Militarisierung der Gesellschaft und der Vorbereitung auf den imperialistischen Krieg verbunden.
Kulturelle und ideologische Auswirkungen
Die ästhetische Inszenierung des männlichen Körpers in der NS-Zeit, wie sie am Beispiel des Olympiastadions zu sehen ist, hatte weitreichende kulturelle und ideologische Auswirkungen. Die Glorifizierung des männlichen Körpers als Symbol der nationalsozialistischen Ideologie trug dazu bei, ein gefährliches und verzerrtes Menschenbild zu verbreiten. Der Fokus auf körperliche Perfektion und Gewalt führte zur Entmenschlichung all jener, die nicht diesem Ideal entsprachen – insbesondere Behinderte, Kranke und Menschen anderer ethnischer Herkunft.
Diese Idealisierung des gewaltbereiten männlichen Körpers, die eng mit der nationalsozialistischen Rassenideologie verknüpft war, war ein entscheidender Faktor in der Propaganda, die die NS-Ideologie in der gesamten Gesellschaft verbreitete. Die Kunst und Architektur, die den gewaltbereiten männlichen Körper verherrlichten, trugen dazu bei, die Botschaft des Regimes zu verstärken und die Vorstellung einer „arischen Überlegenheit“ zu festigen.
Zusammenfassung
Die Darstellung des männlichen Aktes in der NS-Zeit, insbesondere am Beispiel des Olympiastadions in Berlin 1936, war tief in die nationalsozialistische Ideologie eingebettet. Der männliche Körper wurde als Symbol für Stärke, Disziplin und die rassische Überlegenheit des „arischen“ Mannes verwendet. Diese Inszenierung diente nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern hatte eine klare politische Funktion: die Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie und die Schaffung eines neuen Menschenbildes, das auf körperlicher Perfektion und militaristischer Stärke basierte.
Akademische Ausbildung und die Kunstmarkt-Ökonomie
Im 20. Jahrhundert, mit dem Niedergang der klassischen Akademien und dem Aufstieg der modernen Kunstbewegungen, verlor das Aktzeichnen im Allgemeinen an Bedeutung, insbesondere in Bezug auf die strikte akademische Ausbildung. Das Interesse an der figurativen Darstellung wurde durch abstrakte und experimentelle Kunstformen abgelöst. Gleichzeitig wurde das Interesse an der erotischen Darstellung des weiblichen Körpers durch den Kunstmarkt weiter gefördert, da dieser kommerziell oft erfolgreicher war.
Feminismus und neue Perspektiven
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere mit der zweiten Welle des Feminismus, wurde in einer verständlichen Gegenbewegung die Objektifizierung des weiblichen Körpers in der Kunst kritisiert. Feministische Künstlerinnen und Theoretikerinnen wiesen darauf hin, dass der weibliche Körper über Jahrhunderte hinweg aus der männlichen Perspektive dargestellt wurde und forderten eine neue Art der Darstellung, die nicht sexualisiert oder objektifiziert ist. Dies hat in Teilen der Kunstwelt zu einer Rückbesinnung auf den männlichen Akt geführt, allerdings weniger im traditionellen akademischen Sinne, sondern vielmehr als kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und Körpernormen.
Insgesamt lässt sich die Verdrängung des männlichen Akts sowohl als eine kulturelle und gesellschaftliche Verschiebung als auch als eine Veränderung in der Wahrnehmung von Geschlechterrollen und Erotik in der Kunst verstehen. Die heutige Konzentration auf den weiblichen Akt in der Kunst bringt nicht nur historische Traditionen zum Ausdruck, sondern auch die Art und Weise, wie der weibliche Körper im Kontext von Sexualität und Ästhetik in der modernen westlichen Kultur verankert wurde.
Problematische Auswirkungen der Verdrängung des männlichen Aktes
Das Problem, das entsteht, wenn der Fokus auf den männlichen Körper als nicht sexualisiertes Paradigma für Proportionalität in der Kunst zugunsten des weiblichen Körpers verschoben wird, betrifft nicht nur die Geschlechterdynamiken, sondern hat tiefgreifende Auswirkungen auf das gesamte kulturelle und humanistische Erbe.
Verlust des universellen, humanistischen Blicks und des abstrakten Denkens
Der männliche Körper wurde traditionell in der Kunst als universelles Symbol für menschliche Proportionen und die idealisierte Form von Menschlichkeit in einem abstrakten geistigen Sinne angesehen. Dies beruhte auf den antiken Vorstellungen von Harmonie, Ausgewogenheit und Vollkommenheit, wie sie beispielsweise in den Arbeiten von Vitruv und später in der Renaissance bei Leonardo da Vinci oder Michelangelo zum Ausdruck kommen. Der Fokus auf den männlichen Körper als neutrales, nicht sexualisiertes Modell erlaubte eine distanzierte und rationale Auseinandersetzung mit der menschlichen Gestalt, die nicht durch erotische Konnotationen überlagert wurde.
Wenn der Fokus nun auf den weiblichen Körper gelegt wird, der in der Kunst und Gesellschaft stärker mit Sexualität und Erotik assoziiert wird, wird die Diskussion über Proportionalität, Form und Harmonie schnell mit Fragen der Objektifizierung und Geschlechterrollen vermischt. Dies verschiebt den Schwerpunkt von einer universellen menschlichen Darstellung hin zu einer gender-spezifischen Debatte. Dadurch kann der weibliche Körper in den Fokus rücken, nicht wegen seiner formalen oder ästhetischen Qualität, sondern aufgrund seiner gesellschaftlich konstruierten Rolle als Objekt der Begierde.
Objektifizierung und Geschlechterpolitik
Die damit einhergehende Auseinandersetzung mit dem Frauenbild in der Kunst – insbesondere als Objekt der Sexualität und Begierde – perpetuiert das Problem der Objektifizierung und Verdinglichung der Frau. Das führt dazu, dass die Darstellung des weiblichen Körpers weniger als eine Frage der Proportionalität und des ästhetischen Ideals von Humanität diskutiert wird, sondern immer mehr als Teil einer breiteren Gender-Debatte über die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Diese Diskussion ist zweifellos wichtig, sie überschattet aber eine weitere essenzielle Frage: die nach der Darstellung des menschlichen Körpers in einem abstrakten geistigen Sinne insgesamt als Ausdruck von Würde, Harmonie und Humanität.
Wenn der weibliche Körper in der Kunst primär in einem sexualisierten Kontext betrachtet wird, wird der männliche Körper zunehmend aus der Diskussion ausgeschlossen und damit alle Fragen, die jenseits der Genderdiskussion angesiedelt sind. Dies führt nicht nur zu einer einseitigen Auseinandersetzung mit Geschlecht und Körper, sondern verdrängt auch die Möglichkeit, den menschlichen Körper – ob männlich oder weiblich – als Ausdruck universeller Werte wie Humanismus, Respekt und Würde zu verstehen.
Verschiebung des ästhetischen Diskurses
Die traditionelle Bedeutung des männlichen Körpers in der Kunst war auch eng mit den Konzepten von Rationalität, Symmetrie und mathematischer Präzision verbunden, die in verschiedenen Bereichen der visuellen Künste wie Architektur, Typografie und Fotografie eine Rolle spielen. Die Verschiebung hin zum weiblichen Körper hat den Diskurs über Proportionalität in diesen Bereichen verändert, da der weibliche Körper, wie er in der Kunst häufig dargestellt wird, nicht primär als Modell für rationale Gestaltung gesehen wird, sondern oft mit emotionalen, erotischen oder subjektiven Assoziationen verknüpft ist.
Diese Verlagerung führt dazu, dass in vielen Bereichen der visuellen Kommunikation – von der Malerei bis zur Werbung – der weibliche Körper nicht mehr als neutrales Gestaltungselement betrachtet wird, sondern als Symbol für soziale und politische Themen wie Genderrollen, Sexualität und Macht. Dies kann die Diskussion über ästhetische Prinzipien und universelle Proportionalität abschwächen, da die formale Analyse des menschlichen Körpers ständig mit Fragen der politischen und sozialen Bedeutung vermischt wird.
Marginalisierung des männlichen Körpers und Verlust der Abstraktheit
Die zunehmende Fokussierung auf den weiblichen Körper in der Kunst und der visuellen Kultur hat zur Marginalisierung des männlichen Körpers geführt, insbesondere des nicht sexualisierten männlichen Körpers. In der Werbung, Fotografie und Malerei wird der männliche Körper häufig als entweder hypersexualisiert oder gänzlich unsichtbar dargestellt, was die kulturelle Vorstellung vom „neutralen“ oder „universellen“ menschlichen Körper verzerrt. Dies schafft eine Einseitigkeit in der künstlerischen und kulturellen Repräsentation, die die Vielfalt menschlicher Erfahrung und Körperformen vernachlässigt.
Mit dem Verschwinden des männlichen Körpers als Ideal der Proportionalität und nicht-erotischen Humanität in der Kunst geht auch die Möglichkeit verloren, den menschlichen Körper – unabhängig vom Geschlecht – als Symbol für universelle Werte zu betrachten. Der Verlust dieser universellen Perspektive führt zu einer Verengung des ästhetischen Diskurses und erschwert die Möglichkeit, den menschlichen Körper in einem geistigen Sinne paradigmatisch zu thematisieren und zu erforschen.
Verlust einer abstrakten visuellen Sprache
Wenn der männliche Körper als universelles Paradigma für Proportion und Harmonie aus der Kunst verdrängt wird, verlieren wir auch eine abstrakte visuelle Sprache, die über Jahrhunderte hinweg in der westlichen Kultur entwickelt wurde. Diese Sprache basierte auf der Annahme, dass der menschliche Körper – sowohl männlich als auch weiblich – bestimmte ästhetische Prinzipien verkörpern kann, die auf mathematischen und geometrischen Grundlagen beruhen. Mit der Konzentration auf den weiblichen Körper und die damit verbundenen gesellschaftlichen und politischen Diskussionen wird diese abstrakte Sprache fragmentiert und ihre Bedeutung verdrängt. Damit hängt zusammen, dass es Menschen zunehmend schwerer fällt, abstrakter zu denken.
Zusammenfassung
Die Verschiebung des Fokus von der Darstellung des männlichen Körpers als Ideal für Proportionalität und Humanität hin zum weiblichen Körper hat weitreichende kulturelle und ästhetische Folgen. Während die Auseinandersetzung mit dem Frauenbild in der Kunst wichtig ist, führt die Exklusion des männlichen Körpers aus dem ästhetischen Diskurs zu einer Verengung der Perspektive. Es wird schwerer, den menschlichen Körper in seiner Ganzheit und Würde im Sinne einer Conditio Humana zu betrachten, ohne dabei in geschlechterpolitische Diskussionen verstrickt zu werden. Damit geht ein wichtiger Aspekt der humanistischen Gestaltung und Wahrnehmung des Menschen in der Kunst verloren. Darüber hinaus ist auch ein Verlust an abstraktem Denken in Bezug auf Fragen der allgemeinen Menschlichkeit, des Gemeinsinns, des Respekts und der Dialogbereitschaft festzustellen.
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