Einleitung
Die Hypnose ist eines der ältesten bekannten Heilverfahren und hat in den letzten Jahrzehnten auch in der wissenschaftlich fundierten Psychotherapie ihren Platz behauptet. Unter Hypnose versteht man einen veränderten Bewusstseinszustand, in dem die Aufmerksamkeit gebündelt, die innere Wahrnehmung intensiviert und das kritische Denken in den Hintergrund gedrängt wird. Wahrnehmungs- und Beurteilungsprozesse werden dabei dem Hypnotiseur übergeben. Dadurch entsteht eine Außensteuerung der Persönlichkeit des Hypnotisierten. Damit soll es eröglicht werden, auf unbewusste Prozesse, innere Bilder und Ressourcen zuzugreifen, die im normalen Wachbewusstsein oft nicht oder nur schwer zugänglich sind. Ziel ist es, Veränderungsprozesse zu unterstützen und psychisches Leiden durch Suggestion zu lindern.
Einsatzmöglichkeiten der Hypnose
Die Einsatzmöglichkeiten der Hypnose in der Psychotherapie sind vielfältig. Besonders häufig wird Hypnose in der Behandlung von Angst- und Panikstörungen angewendet, da sie es Patientinnen und Patienten erlaubt, angstauslösende Situationen in einem geschützten inneren Rahmen zu erleben. Ebenso ist die Wirksamkeit in der Schmerztherapie gut belegt, weil Hypnose die Wahrnehmung von Schmerzen beeinflussen und Betroffenen mehr Kontrolle über ihr Erleben geben kann. Psychosomatische Störungen, etwa funktionelle Magen-Darm-Beschwerden, lassen sich durch hypnotherapeutische Interventionen manchmal günstig beeinflussen. Bei Depressionen und Burnout kann Hypnose dabei helfen, Ressourcen zu aktivieren, den Selbstwert zu stärken und neue Perspektiven zu entwickeln.
Wirkweise der Hypnose
Die Wirkweise der Hypnose beruht auf der besonderen Intensität des Erlebens in Trance durch Außensteuerung des Hypnotiserten durch den Hypnotiseur. Suggestionen, Metaphern und imaginative Verfahren wirken in diesem Zustand oft tiefer, weil sie unmittelbarer in das emotionale Erleben eingebettet werden. Auf diese Weise können Lernprozesse beschleunigt und Verhaltensänderungen gefördert werden.
Kontraindikationen für Hypnose
Gleichzeitig ist die Hypnose jedoch nicht für alle Menschen geeignet. Bei psychotischen Störungen wie Schizophrenie besteht die Gefahr, dass Symptome verstärkt oder die Realitätswahrnehmung zusätzlich beeinträchtigt wird. Auch bei akuten manischen Episoden kann Hypnose destabilisierend wirken. Schwere Persönlichkeitsstörungen, insbesondere wenn keine ausreichende therapeutische Beziehung und Stabilität gegeben sind, gelten ebenfalls als problematisch. Vorsicht ist zudem bei Epilepsie geboten, da in seltenen Fällen Anfälle ausgelöst werden können. Bei akuter Suizidalität hat Krisenintervention Vorrang, und auch eine fehlende Bereitschaft oder Motivation zur Mitarbeit stellt eine klare Grenze für den Einsatz dar.
Insgesamt zeigt sich, dass Hypnose in der modernen Psychotherapie ein wirksames und vielseitiges Verfahren darstellt, dessen Potenzial in vielen Anwendungsfeldern genutzt werden kann. Voraussetzung ist allerdings eine fundierte Ausbildung der Therapeutin oder des Therapeuten sowie eine sorgfältige Indikationsstellung, um Patientinnen und Patienten bestmöglich zu unterstützen und Risiken zu vermeiden.
Übersicht zu Kontraindikationen für Hypnose:
Eine Hypnose sollte nicht durchgeführt werden bei Menschen mit …
- Psychosen (Schizophrenie, Bipolare Störung, Endogene Depression etc.)
- Abgrenzungsschwierigkeiten
- Persönlichkeitsstörungen
- Epilepsie und anderen Anfallserkrankungen
- Herzerkrankungen
- Erkrankungen des zentralen Nervensystems
- Thrombose
- Depressionen, insbesondere bei denen Antriebsverlust oder Antriebsverminderung vorliegen
- ADS, ADHS insbesondere wenn Konzentrationsstörungen vorliegen
- nach Herzinfarkt oder Schlaganfall
Eine Hypnose sollte ebenfalls nicht durchgeführt werden bei …
- geistiger Behinderung
- Abhängigkeiten von Substanzen (Drogen, Alkohol, Medikamente)
- Schwangerschaft
- Kindern, Jugendlichen und infantilen Persönlichkeiten
- Menschen mit Glaubenskonflikten
- Menschen, die nicht hypnotisiert werden möchten oder Angst davor haben, hypnotisiert zu werden
- Menschen, die nicht wissen, dass man sie hypnotisieren möchte
Zusammenfassung
Obwohl sich die Hypnose seit dem 19 Jahrhundert immer wieder wechselnder Beliebtheit erfreut, sollte man bedenken, dass die moderne Psychotherapie sich gerade aus der Abgrenzung von der Hypnose und damit verwandten suggestiven Verfahren entwickelt hat. Problematisch ist die Außensteuerung der Persönlichkeit durch Rituale, Formeln und nicht zuletzt Charisma des Hynotiseurs. Jede Form der Suggestion führt zur Überwältigung der Persönlichkeit des Hypnotisieren und ist dem Brainwashing nicht unähnlich. Wenn man keine andere Möglichkeit hat, ist die Hypnose vertetbar, allerdings sollten die Kontraindikationen sorgfältig beachtet werden.
Weiterlesen: Psychotherapiepraxis in Berlin, Wolfgang Albrecht