Die pseudo-ödipale Fixierung bei Frauen
Es wird eine eine pseudo-ödipale Fixierung bei Frauen beschrieben, bei der die symbiotischen Wünsche gegenüber der Mutter nicht phasenspezifisch, wie bei Margaret Mahler dargestellt, aufgelöst werden, sondern auf den Vater und später auf den Freund/Ehemann übertragen werden. Der Vater übernimmt dann ersatzweise in die Rolle der symbiotischen Mutter und die Patientin bleibt auf eine Symbiose mit dem Vater fixiert. Der Objektwechsel von der Mutter zum Vater wäre dann aber nicht mit einem entwicklungspsychologischen Fortschritt verbunden. Deshalb der Begriff pseudo-ödipale Fixierung.
Die pseudo-ödipale Fixierung bei Frauen ist ein Konzept einer pathologische Entwicklung im Rahmen der psychoanalytischen Theorie. Der Begriff hebt hervor, dass es sich um eine Fixierung handelt, die im Gegensatz zum klassischen Verständnis des Ödipuskomplexes nicht durch eine phasenspezifische Entwicklung überwunden wird.
In diesem Fall kommt es nicht zu der von Margaret Mahler beschriebenen Auflösung der symbiotischen Phase mit der Mutter, die normalerweise in die Individuation und Autonomie der Tochter münden würde. Stattdessen bleibt die Patientin in einer symbiotischen Dynamik verhaftet, die sich jedoch nicht an die Mutter richtet, sondern auf den Vater überträgt. Der Vater tritt dabei in die Rolle der symbiotischen Mutter ein, was bedeutet, dass er die Funktion eines symbiotischen Objekts übernimmt, an das die Tochter emotional fixiert bleibt.
Diese Dynamik wäre insofern als „pseudo-ödipal“ zu verstehen, als dass die Vaterbindung zwar dem äußeren Anschein nach ödipal aussieht, in Wirklichkeit aber keine echte ödipale Konstellation darstellt, die mit einem entwicklungspsychologischen Fortschritt verbunden ist. Die Übertragung der symbiotischen Bedürfnisse von der Mutter auf den Vater spiegelt keinen fortschreitenden Prozess der Differenzierung und Autonomie wider, sondern vielmehr eine Verschiebung der Symbiose auf eine andere Person.
Die Fixierung auf den Vater als symbiotisches Objekt verhindert daher eine gesunde Trennung und Individuation, da die Patientin nicht in der Lage ist, sich von der symbiotischen Bindung zu lösen. Später im Leben könnte diese Dynamik dann auf einen Freund oder Ehemann übertragen werden, wobei die Patientin weiterhin unbewusst eine symbiotische Beziehung sucht, die keine echte Reifung der emotionalen Bindungsmuster erlaubt.
Eine solche pseudo-ödipale Fixierung wäre aus psychoanalytischer Sicht als pathologisch zu verstehen, da sie die natürliche Entwicklung hin zur Autonomie und die Fähigkeit, reife, nicht-symbiotische Beziehungen einzugehen, blockiert.