Kurzanleitung zur Abfassung eines Kassenantrags für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Bitte auch lesen: Grundprobleme der Probatrorik.
Kopfzeile
Kopfzeile: Name des Behandlers, evtl. tel. Erreichbarkeit, Verfahren TP / AP, Chiffre d. Pat.
Soziodemographie
Relevante soziodemographische Daten: Gelernter /ausgeübter Beruf, Geschlecht, Alter, allein / zusammenlebend mit Partner, mit / ohne Kinder / Haustiere, in eigener Wohnung / bei Eltern / in WG, eigenes Einkommen / Sozialhilfe / Bafög / Erbe etc.
Erstinterview
Symptomatik/Beschwerden:
Geklagte Symptomatik (in direkter Rede wiedergeben)
Beispiel: „Pat. kommt zum Erstgespräch und berichrtet spontan:“ …….“.
Eigenerklärung: subjektives Krankheitsverständnis d. Pat.
Psychopathologischer Befund: (Beobachtete Symptomatik).
Erfragte Symptomatik: (Alles, was noch nicht erwähnt oder beobachtet werden konnte und deshalb erfragt werden musste. z.B. Albträume, Zwänge, Drogenkonsum)
Beschreibung Erstkontakt, Aspekte der nonverbalen und paraverbalen Kommunikation. Emotionale Reaktion des Interviewers. Dynamik der psychotherapeutischen Beziehung.
Zum Strukturniveau: während des Erstgesprächs / der Probatorik darauf achten:
Leitthema bei hohem Strukturniveau: Drohender Verlust der Orientierung, Suche nach Neuorientierung. Frage: Was ist realistisch? Was ist unrealistisch?
Leitthema bei mittlerem, neurotischem Strukturniveau: Intrapsychischer Konflikt zwischen Es und Über-Ich oder falschem Selbst und wahrem Selbst. Bei mittlerer Struktur geht es mehr um konflikthaftes Erleben im Rahmen von Verführungs- oder Versagenssituationen.
Leitthema bei niedrigem Strukturniveau: Überforderungserleben. Mangelnde Selbst-Objekt-Differenzierung. Leichtere Affektregulationsproblematik. Bei niedrigem Strukturniveau sind einzelne Ich-Funktionen überfordert.
Leitthema bei schwachem Strukturniveau: Überforderungserleben, Drohende Desorganisation, Angst vor Strukturverlust. Gravierende Affektregulationsproblematik. Bei schwachem Strukturniveau allgemeine Fragilität der Ich-Funktionen.
Bei mittlerer Struktur vor allem Ü versus GÜ-Dynamik bzw. bei niedriger und schwacher Struktur eher Dynamik von Projekt.Identif. versus Enactment/Containment.
Das Strukturniveau im Abschnitt über tiefenpsyhologische/neurosenpsychologische Diagnose näher beschreiben.
Konsiliarbericht
Somatischer Befund / Konsiliarbericht: siehe Konsiliarbericht.
Lebensgeschichte
Behandlungsrelevante Angaben zur Lebensgeschichte: Möglichst im Telegrammstil abfassen, Stellung in der Geschwisterreihe (ältere, jüngere Geschwister), Berufe und Alter der Eltern bei Geburt d. Pat.
Anamnese: Schwangerschaftskomplikationen, Geburtskomplikationen, Stillzeit, früheste Kindheitserinnerungen, wiederholte Träume in der Kindheit, Primordialsymptomatik. Lieblingsmärchen, Kinderfreundschaften, Bevorzugung eines Elternteils, Ablehnung eines anderen Elternteils, Broken-Home-Familie.
Pathogene Aspekte in der frühen Mutter-Kind-Interaktion, Verwahrlosung, Überbehütung, Erziehungsstile der Eltern jeweils, Beziehung der Eltern zueinander und zum Kind, Geschwister-Konstellationen und -Problematiken, Geschwisterrivalitäten, Geschwisterallianzen. Welches Bild des Vaters wurde dem Kind von der Mutter vermittelt?
Wichtig: zu welchen Menschen konnten intensive emotionale verlässliche und dialogische Beziehungen während der frühen Kindheit hergestellt werden? (Bindungstyp)
Entwicklungstraumata, spätere Traumata,
Anlagefaktoren: (Hochsensibilität, ADHS ADS, Legasthenie, Dyskalkulie, Extrovertiertheit/Introvertiertheit, Intentionale Störung, autistische Anteile).
Fixierungen auf bestimmte Phasen der psycho-sexuellen Entwicklung: Oral versorgt werden wollen, symbiotische fixierung, Somatisierung, Verwöhnung, Trotzphase, Papa-/Mama-Kind etc.
Psychodynamik/Strukturanalyse/Lebensstilanalyse/Hypothesen
Psychodynamik: Beschreibung des psychodynamischer Konflikts beginnen mit Beschreibung der auslösende Situation (Beginn der Symptomatik oder Aggravierung der Symptomatik), im Sinne einer Versuchungssituation / Versagenssituation / Überforderung / Kränkung / Enttäuschung auf dem Niveau der bisherigen Konfliktverarbeitung, Resilienzen/Strukturdefiziten/Kompetenzen.
Hypothese, warum zu diesem Zeitpunkt Regression auf früheres Stressverarbeitungsniveau (Somatisierung bzw. Konfliktparadigma: Autonomie versus Abhängigkeit, Kontrolle- versus Hingabe/Verlust/Unterwerfung/Impulsivität, Eifersucht/Beseitigungsimpulse gegen den ausgeschl. Dritten, Geschwisterrivalität) nötig war und dies bisher so geblieben ist. Erkenntnisleitende Frage: Was konnte in der auslösenden Situation nicht mehr verdrängt werden bzw. nicht mehr ohne Hilfe dritter bewältigt werden?
Verständnis der Symptome im Rahmen von Regression auf dieses Konfliktverarbeitungsniveau. Beschreibung des aktuellen Konflikts i. R. der aktuellen Symptombildung und der lebensgeschichtlichen Entwicklung früherer Konflikte.
Alternativ zur Hypothese der Regression auf ein früheres Konfliktniveau, Stressverarbeitungsniveau: Beschreibung der Symptome im Rahmen der Dekompensation einer Persönlichkeitsstörung oder Überforderung und deshalb Dekompensation eines bisherigen Strukturniveaus.
Diagnosen
Diagnose zum Zeitpunkt der Antragstellung: einmal hinsichtlich der Diagnose nach ICD10 und im Rahmen einer tiefenpsychologischen Betrachtung.
Diagnose nach ICD10
Hier besonders auf die Unterscheidung zwischen Symptomen und Diagnosen achten.
Zu Aspekten der Sprachverwirrung in der klinischen Psychologie
Tiefenpsychologische/Neurosenpsychologische Diagnose
Beispiele einer Tiefenpsychologischen/Neurosenpsychologische Diagnose:
X-Neurose bei Y-Persönlichkeitsakzentuierung,
Zur Persönlichkeitsakzentuierung bitte weiterlesen auf der Seite über Akzentuierungen der Persönlichkeit.
Zum Zusammenhang von Konflikt und Strukturniveau bis hier weiterlesen: Konflikt und Strukturniveau.
Abwehrmechanismen:
(einzeln benennen), weiterlesen im Kapitel über Arbeit an der Struktur.
Konflikte im Rahmen des Instanzenmodells beschreiben:
in Bezug auf Konflikte zwischen Es, Ich, Überich (Schuld), Ichideal (Scham), Außenwelt (Erwartungen der Anderen, Aspekte der Realität außerhalb des Individuums). verzerrtes Selbstbild mit unrealistischen Grundüberzeugungen beschreiben.
Was sind Aspekte von ich-strukturellen Defiziten, was ist konfliktbedingt? Was steht im Vordergrund?
Insbesondere bei psychosomatischen Störungen auf ich-strukturelle Defizite achten: Defizite in der Ausdifferenzierung der Emotionen, Gefühle bzw. Affektwahrnehmung in Bezug sich selbst und bei anderen, Defizite in der Metakommunikation, Empathie-Defizite, Umgang mit Frustrationen (geringe bis nicht vorhandene Frustrationstoleranz), Resilienz-Defizite, Affekt-Regulation etc.
Für nähere Informationen weiterlesen auf der Seite Arbeiten an der Struktur und zum Strukturniveau.
Erläuterungen zum Begriff des Strukturniveaus
Die neurosenpsychologische Diagnose dient nicht primär der Zuordnung zu einem Störungsbild, sondern der funktionalen Einordnung des psychischen Geschehens. Im Zentrum steht die Frage, auf welchem Strukturniveau der Patient sein Erleben organisiert und verarbeitet, und wie sich dieses unter unterschiedlichen Bedingungen – insbesondere unter Belastung – verändert.
Ausgangspunkt ist die Unterscheidung zwischen konfliktbedingten und strukturbedingten Anteilen der Symptomatik. Während bei einem vorwiegend neurotischen Strukturniveau die Symptome als Ausdruck innerer Konflikte verstanden werden können, die symbolisch vermittelt und prinzipiell bearbeitbar sind, treten bei niedrigerem oder schwachem Strukturniveau stärker Einschränkungen in der Affektregulation, Selbst-Objekt-Differenzierung und Beziehungsgestaltung in den Vordergrund. Hier ist die Symptomatik weniger symbolisch organisiert, sondern eher Ausdruck von Überforderung oder struktureller Instabilität.
Für die diagnostische Einordnung ist es daher entscheidend, nicht allein auf einzelne Merkmale zu achten, sondern die Funktionsweise des Patienten in verschiedenen Bereichen zu erfassen:
Wie gelingt die Regulation von Affekten?
In welchem Maß ist eine differenzierte Selbst- und Fremdwahrnehmung möglich?
Wie stabil ist die Realitätsprüfung?
Welche Formen der Abwehr dominieren?
Wie gestaltet sich die Beziehung zum Gegenüber, insbesondere im Sinne von Übertragung und Gegenübertragung?
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Beobachtung, wie sich diese Funktionen unter Stress verändern. Viele Patienten zeigen im Gespräch unter entlasteten Bedingungen ein höheres Funktionsniveau, das unter Belastung jedoch deutlich absinken kann. Diese Diskrepanz ist für die Einschätzung der strukturellen Tragfähigkeit von zentraler Bedeutung.
Die Beschreibung des Strukturniveaus sollte daher nicht als statische Kategorie erfolgen, sondern als differenzierte Darstellung funktionaler Möglichkeiten und Grenzen. Dabei kann es hilfreich sein, zwischen einem Funktionsniveau unter entlasteten Bedingungen und einem unter Belastung zu unterscheiden. Häufig ergeben sich daraus sogenannte Mischstrukturen, bei denen der Patient je nach Situation auf unterschiedlichen Niveaus operiert.
Auf dieser Grundlage kann die neurosenpsychologische Diagnose formuliert werden, etwa im Sinne einer konfliktzentrierten Problematik bei ausreichender struktureller Integration oder als Ausdruck einer strukturellen Vulnerabilität mit eingeschränkter Konfliktverarbeitung. Entscheidend ist, dass die Diagnose nicht nur beschreibt, was vorliegt, sondern wie das psychische Geschehen organisiert ist.
Die neurosenpsychologische Diagnose bildet damit die Brücke zwischen Anamnese und Behandlungsplanung. Sie ermöglicht es, Indikation, Prognose und therapeutisches Vorgehen nicht allein aus der Symptomatik abzuleiten, sondern aus der zugrunde liegenden Funktionsweise der Psyche. In diesem Sinne ist sie weniger eine Etikettierung als vielmehr eine strukturierte Hypothese über die Art und Weise, in der der Patient sein Erleben organisiert und bewältigt.
Ergänzende Hinweise zur tiefenpsychologischen Diagnose
Das Strukturniveau hinsichtlich Übertragung bzw. P.I.
hohes Strukturniveau:
wenig Übertragungsdynamik, keine Projektive Identifizierung
Patient ist möglicherweise eher geeignet für Coachingverfahren, Psychotherapie evtl. nicht indiziert.
Mittleres/neurotischen Strukturniveau:
viel Übertragungsdynamik, wenig Projektive Identifizierung
Patient ist möglicherweise eher geeignet für Psychoanalyse/analytische Psychotherapie, TP möglicherweise nicht indiziert.
Niedriges Strukturniveau:
wenig Übertragungsdynamik, viel Projektive Identifizierung
Bitte auch weiterlesen im Artikel über niedriges Strukturniveau
Patient ist möglicherweise geeignet für TP, wenn ausreichend introspektionsfähig
Schwaches Strukturniveau:
fast ausschließlich Projektive Identifizierung und wahnhaftes Erleben.
Patient ist möglicherweise für TP nicht geeignet, besser für interaktionelle Gruppentherapie geeignet.
Achtung: Häufig liegen Mischstrukturen vor, .dh Patienten funktionieren ohne Stress auf einem relativ höheren Strukturniveau, aber unter Stress auf einem relativ niedrigeren Strukturniveau.
(Regressionsaspekt bezüglich des Strukturniveaus).
Beispiele:
ohne Stress: hohes Strukturniveau— unter Stress: neurotisches Strukturniveau
ohne Stress: neurotisches Strukturniveau— unter Stress: niedriges Strukturniveau
ohne Stress: niedriges Strukturniveau— unter Stress: schwaches Strukturniveau
Mittleres/neurotisches Strukturniveau – typische Funktionsweisen
Auf einem mittleren bzw. neurotischen Strukturniveau ist das psychische Geschehen überwiegend konfliktzentriert organisiert. Die zugrunde liegenden strukturellen Funktionen sind ausreichend integriert, sodass innere Spannungen symbolisch verarbeitet werden können.
Charakteristisch sind:
Affekt und Selbstwahrnehmung
Affekte sind differenziert wahrnehmbar und grundsätzlich regulierbar, auch wenn sie als konflikthaft erlebt werden. Symptome werden meist als ich-dyston erfahren. Ambivalenz.
Abwehrorganisation
Vorherrschend sind reifere Abwehrmechanismen, insbesondere Verdrängung und Verschiebung. Konflikte können auf symbolischer Ebene ausgedrückt werden.
Beziehungsdynamik
Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse stehen im Vordergrund. Beziehungen werden als ambivalent-konflikthaft, aber grundsätzlich differenziert erlebt.
Symbolisierungsfähigkeit
Träume, Phantasien und Symptome sind symbolisch organisiert und können gedeutet werden. Freie Assoziation ist möglich.
Über-Ich-Struktur
Ein differenziertes, aber überstrenges Über-Ich kann vorliegen, das zur Ausbildung innerer Konflikte insbesondere gegenüber libidinösen oder aggressiven Es-Impulsen beiträgt.
Operationalisierungen für ein mittleres/neurotisches Strukturniveau
Mittleres (neurotisches) Strukturniveau – worauf ist zu achten? Das Strukturniveau sollte nicht behauptet, sondern aus dem Material abgeleitet werden. Hinweise ergeben sich insbesondere aus folgenden Beobachtungen:
Affekt und Symptomverständnis
Wirken die geschilderten Symptome für den Patienten fremd oder konflikthaft (ich-dyston)?
Kann er Affekte differenziert benennen und in Zusammenhang bringen?
Abwehr und Konfliktverarbeitung
Gibt es Hinweise darauf, dass innere Konflikte eher verdrängt als ausagiert werden?
Erscheinen Symptome oder Träume als symbolisch verstehbar?
Beziehungsdynamik
Zeigen sich nachvollziehbare Übertragungsreaktionen im Gespräch?
Lässt sich das Beziehungserleben differenziert beschreiben?
Denken und Assoziation
Ist freies Assoziieren möglich, oder bleibt das Erzählen eng und kontrolliert?
Erst wenn mehrere dieser Aspekte konsistent beobachtbar sind, ist die Einordnung als neurotisches Strukturniveau plausibel.
Niedriges/eingeschränktes Strukturniveau – typische Funktionsweisen
Auf einem niedrigen Strukturniveau tritt die Konfliktverarbeitung gegenüber strukturellen Einschränkungen zurück. Das psychische Geschehen ist stärker durch Probleme der Affektregulation und der Selbst-Objekt-Differenzierung geprägt.
Charakteristisch sind:
Affektregulation
Affekte sind oft schwer modulierbar oder werden abgewehrt, z. B. durch Affektisolierung. Es kommt zu raschem Wechsel zwischen Übererregung und Abflachung.
Selbst- und Objektdifferenzierung
Die Differenzierung zwischen eigenem und fremdem Erleben ist eingeschränkt. Beziehungen werden weniger als innerpsychisch repräsentiert, sondern eher unmittelbar erlebt. Außen wird unvermittelt zum Innen.
Abwehrorganisation
Vorherrschend sind primitivere Abwehrmechanismen wie Spaltung und projektive Identifizierung. Interaktionelle Muster wie Enactment gewinnen an Bedeutung. Die Verdrängung ist meist zu schwach. Stattdessen eher vorherrschend Verleugnung und Festhalten an stereotypen Grundüberzeugungen.
Beziehungsregulation
Es besteht ein erhöhtes Bedürfnis nach äußerer Stabilisierung, oft verbunden mit einem schwankenden Selbstwert. Anerkennung und Bestätigung von außen werden intensiv gesucht, können jedoch nicht dauerhaft verinnerlicht werden.
Selbstwertregulation
Der Selbstwert ist instabil und abhängig von äußerer Rückmeldung. Gleichzeitig können unrealistische Selbstzuschreibungen bestehen.
Soziale Anpassung
Sozial angemessenes Verhalten ist teilweise vorhanden, kann jedoch stärker auf Anpassungsleistungen („Maskierung“) beruhen als auf innerer Stabilität.
Belastungserleben
Subjektives Überforderungserleben tritt häufig auf, auch bei begrenzten Anforderungen.
Operationalisierungen für ein niedriges/eingeschränktes Strukturniveau
Niedriges Strukturniveau – worauf ist zu achten? Das Strukturniveau sollte nicht behauptet, sondern aus dem Material abgeleitet werden. Hinweise ergeben sich insbesondere aus folgenden Beobachtungen:
Hier steht weniger der Konflikt als vielmehr die eingeschränkte strukturelle Verarbeitung im Vordergrund.
Affektregulation
Werden Affekte eher vermieden (z. B. affektisoliertes Erzählen) oder schlecht reguliert?
Kommt es zu schnellen Wechseln ohne erkennbare innere Verarbeitung?
Selbst-Objekt-Differenzierung
Bleibt unklar, was eigener Anteil und was Anteil anderer ist?
Werden Konflikte eher externalisiert?
Abwehr und Interaktion
Finden sich Hinweise auf Spaltung oder projektive Identifizierung (z. B. starke emotionale Reaktionen im Gegenüber)?
Kommt es eher zu Enactments als zu reflektierter Darstellung?
Selbstwertregulation
Ist der Selbstwert stark von äußerer Bestätigung abhängig?
Besteht gleichzeitig eine Diskrepanz zwischen Selbstbild und tatsächlicher Belastbarkeit?
Soziale Anpassung
Wirkt angepasstes Verhalten stabil oder eher „gelernt“ und situationsabhängig?
Entscheidend ist nicht ein einzelnes Merkmal, sondern das wiederkehrende Muster eingeschränkter Selbstregulation.
Schwaches/fragiles Strukturniveau – typische Funktionsweisen
Bei einem schwachen Strukturniveau ist die strukturelle Integration von unbewussten Impulsen deutlich eingeschränkt. Das psychische Gleichgewicht ist fragil und kann unter Belastung rasch dekompensieren.
Charakteristisch sind:
Affektregulation
Affekte sind kaum steuerbar oder brechen unmoduliert durch. Es kann zu intensiven Affektdurchbrüchen, aber auch zu Leere-Empfinden (Gedankenabreißen) kommen. Affektregulation über Kompensationsformen wie Essen, Kaufen, Sex, Wutausbrüche, Vermeidung, Esoterik.
Selbst- und Realitätswahrnehmung
Die Selbst-Objekt-Differenzierung ist erheblich eingeschränkt. Es können Derealisation, Depersonalisation oder paranoide Erlebnisverarbeitung bis hin zu Wahrnehmungsverzerrungen auftreten.
Abwehrorganisation
Dominierend sind primitive Abwehrformen wie Spaltung und projektive Identifizierung. Ein archaisches, oft strafendes Über-Ich kann als innerer Verfolger erlebt werden.
Denken und Symbolisierung
Das Denken ist häufig konkretistisch, wenig differenziert und eingeschränkt symbolisierungsfähig. Lernen aus Erfahrung ist erschwert oder kaum möglich. Denken inkohärent oder im Ping-Pong-Muster. Anwendung abstrakter Schemata auf sich selbst und andere Menschen (Bücherwissen anstelle von Lebenserfahrung).
Beziehungsdynamik
Beziehungen sind instabil, schwankend zwischen Idealisierung und Entwertung. Interaktionelle Muster wie Enactment treten in den Vordergrund, passiv-aggressives Verhalten. Anhänger von Illusionssystemen (Sekten).
Selbstwert- und Identitätsregulation
Das Selbst ist wenig konturiert und stark von äußeren Einflüssen, Reaktionen anderer Menschen abhängig. Es besteht eine hohe Vulnerabilität gegenüber Kränkung und Zurückweisung.
Verhaltensregulation
Impulsdurchbrüche, geringe Frustrationstoleranz und dysfunktionale Bewältigungsstrategien (z. B. Suchtverhalten, Rückzug, Aggression) können auftreten. Ambitendenz.
Therapiemotivation und -fähigkeit
Die Fähigkeit zur Introspektion ist eingeschränkt. Motivation und Beziehung zur Therapie können stark schwanken. Abbruchrisiko.
Scheinbare Anpassung
Nach außen kann zeitweise ein angepasstes oder „höher strukturiertes“ Verhalten erscheinen, das jedoch häufig auf stereotypen, erlernten Mustern beruht und unter Belastung rasch instabil wird. Maskierung. Fassade.
Operationalisierungen für ein schwaches/fragiles Strukturniveau
Hier ist die strukturelle Integration unbewusster Impulse deutlich fragil. Die Einschätzung sollte besonders sorgfältig erfolgen.
Affekt und Impulskontrolle
Sind Affekte kaum steuerbar oder brechen abrupt durch?
Gibt es Hinweise auf massive Überforderung oder Affektabflachung?
Realitäts- und Selbstwahrnehmung
Treten Phänomene wie Derealisation, Depersonalisation oder paranoide Zuschreibungen auf?
Ist die Selbst-Objekt-Differenzierung deutlich eingeschränkt?
Denken und Symbolisierung
Bleibt das Denken konkretistisch und wenig differenziert?
Ist symbolisches Verstehen kaum möglich? Herrscht stereotypes Denken vor?
Beziehungsdynamik
Wechseln Beziehungen rasch zwischen Idealisierung und Entwertung?
Kommt es zu massiven interaktionellen Verwicklungen (Enactments)?
Strukturelle Stabilität
Ist das Funktionsniveau stark situationsabhängig?
Wirkt Anpassung eher äußerlich stabilisiert und bricht unter Belastung rasch ein?
Wichtig: Einzelne Auffälligkeiten reichen nicht aus. Entscheidend ist die Gesamtkonstellation einer fragilen, wenig integrierenden Struktur.
Differenzialdiagnostik
Bitte weiterlesen im Text über Differenzialindikation (Passwort bitte erfragen!)
Wichtig bei der Diagnose ist auch immer die Differenzialdiagnose in Bezug auf eine eventuell vorliegende Persönlichkeitsstörung, die bisher übersehen wurde.
Behandlungsplanung/Prognose/Therapieziele
Behandlungsplanung und Prognose
Indikation zur tiefenpsychologischen Behandlung, weil Introspektionsfähigkeit vorhanden, Arbeit mit Träumen möglich, evtl. erfolgreiche Vorbehandlungen, Eigenmotivation. Bezug zur psycho-sexuellen Entwicklung möglich. Falls nicht möglich oder unerwünscht, besser Indikation zur VT stellen.
Achtung: Patienten mit Persönlichkeitsstörung suchen den Fehler systematisch immer bei den anderen und nie bei sich selbst. Deshalb bei Persönlichkeitsstörungen immer auch Gruppentherapie in Erwägung ziehen und nicht primär an Einzeltherapie denken.
Auswahl einer bevorzugten psychotherapeutischen Heuristik: Selbstpsychologisch mit Fokus auf Schamproblematik oder Selbstpsychologisch mit Fokus auf unrealistische Grundüberzeugungen etc.
Weiterlesen auf der Seite über psychotherapeutische Heuristiken.
Optional können an dieser Stelle noch Angaben zur Differenzialindikation gemacht werden. Für weitere Informationen hierzu bitte die Seite über Differenzialindikation aufrufen.
Optional auch auch klären, inwiefern eventuell Missbrauch von Psychotherapie vorliegen könnte.
Prognose:
Ableiten aus vorhandenen bzw. nicht-vorhandene Ressourcen, eigenmotivation versus Fremdmotivation, Verlässlichkeit versus Unverlässlichkeit, ich-strukturelle Einschränkungen versus Stärken, evtl. psychische Instabilitäten versus Resilienz. Frustrationstoleranz versus Frustrationsintoleranz.
Therapieziele:
Geplante Interventionen/Woran soll gearbeitet werden? Ein oder mehrere Therapieziele versus Fokalbehandlung? Bearbeitung bisher ungelöster früherer Konflikte, Nachreifung einzelner defizitärer ich-struktureller Aspekte.
Umwandlung/Fortführung
Zusätzlich erforderliche Angaben bei einem Umwandlungsantrag in Langzeittherapie:
Beziehungsdynamik während der bisherigen Behandlung in Form von Ü/GÜ-Dynamik, bzw. Enactment/Containment-PI, bisherige Mitarbeit und Motivation, Restsymptomatik, neue Symptomatik. Welche Therapieziele wurden schon erreicht bzw. nicht erreicht. Welche Therapieziele werden noch angestrebt.
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