Gedanken zur Dekonstruktion eines romantisierenden Gemeinschaftsgefühls

Einleitung Das Gemeinschaftsgefühl genießt in unserer Kultur einen bemerkenswert guten Ruf. Wer Gemeinschaft sucht, gilt als sozial. Wer sich für Gemeinschaft engagiert, gilt als verantwortungsbewusst. Wer Gemeinschaft fördert, arbeitet scheinbar für das Gemeinwohl. Gemeinschaft erscheint als Gegenmittel gegen Einsamkeit, Entfremdung, Narzissmus und gesellschaftliche Spaltung. Diese positive Bewertung wirkt so selbstverständlich, dass sie kaum noch hinterfragt … weiterlesen ›

Zwischen Konversion und Falsifikation – Nock, Freud, Popper und Festinger über die Krise menschlicher Orientierung

Einleitung Als der Religionshistoriker Arthur Darby Nock 1933 sein berühmtes Werk Conversion veröffentlichte, untersuchte er zunächst ein historisches Problem. Wie war es möglich, dass die religiöse Welt der griechischen Polis allmählich verschwand und durch völlig neue Formen religiöser Orientierung ersetzt wurde? Warum verloren die traditionellen Götter ihre Selbstverständlichkeit, während Mysterienreligionen, philosophische Schulen und schließlich das … weiterlesen ›

Die chaostheoretische Begründung einer zukünftigen Psychodynamik und ihre Bedeutung für die Tiefenpsychologie

Einleitung Die klassische Tiefenpsychologie entstand im Zeitalter des naturwissenschaftlichen Determinismus. Sigmund Freud war überzeugt, dass psychische Prozesse prinzipiell ebenso gesetzmäßig erklärbar seien wie physikalische oder biologische Vorgänge. Hinter Symptomen sollten sich eindeutige Ursachen, stabile Mechanismen und allgemeine psychodynamische Gesetze finden lassen. Gerade hierin lag jedoch möglicherweise ein grundlegendes Selbstmissverständnis der frühen Psychoanalyse. Denn Freud entwickelte … weiterlesen ›

Möglichkeiten und Grenzen der Verteidigung von Subjektivität in der Massenkultur

Einleitung Die Frage nach der Subjektivität stellt sich heute unter veränderten Bedingungen. Sie ergibt sich nicht mehr primär aus theoretischem Interesse, sondern aus praktischer Erfahrung: aus der Beobachtung, dass Menschen zwar zunehmend zur Teilnahme aufgefordert werden, dabei aber nicht notwendigerweise als Subjekte handeln. Die Massenkultur bietet fortwährend Möglichkeiten zur Beteiligung an: Meinungen sind gefragt, Expertise … weiterlesen ›

Die Konstruktion eines „Wir“ im identitären Denken und dessen Folgen

Einleitung In vielen zeitgenössischen Diskursen – sei es politisch, kulturell oder medial – zeigt sich ein bemerkenswertes Phänomen: das „identitäre Wir“. Anders als ein dialogisches Wir, das auf Gemeinsamkeiten, Differenzen und gegenseitigem Verstehen basiert, ist das identitäre Wir normativ und exklusiv. Zugehörigkeit wird hier über ideologische oder moralische Übereinstimmung definiert. Wer diesem Wir nicht zugeordnet … weiterlesen ›

Bemerkungen zu Heinrich Manns „Der Hass“ (1933)

Einleitung In diesem Beitrag möchte ich auf Heinrich Manns Beschreibung des Hasses zu seiner Zeit eingehen. Dies ist insofern paradigmatisch zu verstehen, als m.E. der Hass der Endpunkt eines Seins darstellt, das von der Emotionalisierung des Denkens (wie sie uns taglich im Empörungsjournalismus entgegenschlägt) und damit von der Vergiftung des Denkens selbst durch den Bodensatz … weiterlesen ›

Zur Archäologie des Flirtens

Einleitung Flirten ist eines der vielschichtigsten sozialen Spiele des Menschen. Es bewegt sich zwischen Nähe und Distanz, zwischen Absicht und Zufall. Und doch geschieht in der Wahrnehmung etwas Bemerkenswertes: Viele Menschen interpretieren charmantes Verhalten nicht primär als Versuch der Verführung, sondern vielmehr als Ausdruck von Authentizität, Verbindlichkeit oder ehrlichem Interesse. Warum ist das so? Der … weiterlesen ›