Georg Heym — latente Todessehnsucht und der Zeitgeist der Dekadenz

Einleitung Jede historische Epoche prägt nicht nur das öffentliche Leben, die Kunst und die Politik, sondern wirkt tief in das individuelle Bewusstsein ihrer Zeitgenossen hinein. Oft geschieht dies unbewusst: Dichter, Künstler, Wissenschaftler und Intellektuelle übernehmen Strömungen, Stimmungen und Sehnsüchte ihrer Epoche, ohne sich deren volle Wirkung bewusst zu sein. In der Rückschau ist es vergleichsweise … weiterlesen ›

Psychotherapie und Supervision unter Veränderungsdruck – Das professionelle Feld im Kontext eines geschwächten Über-Ichs

Einleitung Die gegenwärtigen Veränderungen im psychischen Gefüge moderner Gesellschaften betreffen nicht nur individuelle Lebensführung und kulturelle Sinnsysteme, sondern greifen tief in die Struktur professioneller Felder ein, die traditionell auf innere Reifung, Selbstreflexion und Begrenzungsfähigkeit ausgerichtet sind. Psychotherapie und Supervision stehen dabei in besonderer Weise unter Druck, weil sie selbst Träger und Vermittler jener inneren Funktionen … weiterlesen ›

Kritik an einer Konzeptualisierung der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie als Fokalbehandlung

Einleitung Die gegenwärtige psychodynamische Psychotherapie steht in einem eigentümlichen Spannungsfeld. Einerseits richtet sich der diagnostische und therapeutische Blick zunehmend auf sogenannte Strukturdefizite: eingeschränkte Affektdifferenzierung, geringe Frustrationstoleranz, konkretistisches Denken, fragile Selbst-Objekt-Grenzen. Andererseits soll die Behandlung dieser Defizite in zeitlich begrenzten, fokalen Settings erfolgen – nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen und im Bemühen, sie von der Psychoanalyse … weiterlesen ›

Jazz in Filmen der Nachkriegszeit

Einleitung In den 1950er Jahren begann sich im Kino eine tiefgreifende Veränderung in der Verwendung von Filmmusik abzuzeichnen: An die Stelle der großorchestralen, spätromantischen Partituren, wie sie Hollywood über Jahrzehnte (vor allem durch die Arbeiten Korngolds) geprägt hatten, trat zunehmend der Jazz. Dieses idiomatisch urbane, improvisatorische und zugleich unruhige Klangbild entsprach nicht nur einem veränderten … weiterlesen ›

Dekompensationen von zeitgeist-konformen Lebensstilen im Rahmen psychosomatischer Störungen

Einleitung Der gegenwärtige Zeitgeist ist von modernen Grundüberzeugungen geprägt, dass Menschen ihr Leben vor allem durch Gedanken steuern können und Lebensziele durch die Verwendung richtiger, optimierter Gedanken erreichen können. Das Ergebnis dieser Bemühungen wird erkauft durch die systematische Ausblendung körperlicher Bedürfnisse. Auf die Biologie des Menschen Bezug zu nehmen, gilt vielfach schon als reaktionär. Diese … weiterlesen ›

Dialektik moderner Idole

Einleitung In diesem Beitrag soll die Dialektik moderner Idole vom Rockstar, Astronaut, Top-Model, Influencer, Tech-Tycoon, Dragqueen bis zum Fußball-Star beleuchtet werden. Fragen in diesem Zusammenhang sind: Gibt es ein Muster? Wie ist der jeweilige Bezug zum Zeitgeist? Was ist die Kehrseite dieser Idole, d.h., was wird jeweils durch die Iconisierung auch aus dem Bewusstsein verdrängt? … weiterlesen ›

Das Unbehagen im Zeitalter der Banalisierung

Banalisierung als Zeitgeist Die Tendenz zur Banalisierung in Bezug auf vielfältige Aspekte des Lebens ist ein charakteristisches Kennzeichen unserer heutigen Zeit ist. Diese Beobachtung lässt sich durch mehrere gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen belegen: Medialisierung und Oberflächlichkeit: In der Ära der sozialen Medien und des permanenten Informationsflusses haben Inhalte, die schnell und einfach konsumierbar sind, oft … weiterlesen ›