Die Bedeutung des Life Drawings für Formbildung, Handlungskompetenz und Wahrheitsfindung

Einleitung Life Drawing (dt. Aktzeichnen) erscheint auf den ersten Blick als eine klassische Übung der bildenden Kunst: das Zeichnen oder Malen eines lebenden Modells zur Schulung von Wahrnehmung, Proportion und Ausdruck. Historisch galt es lange als Grundlage akademischer Kunstausbildung und wurde von Künstlern unterschiedlichster Richtungen praktiziert – von der Renaissance bis zur Moderne. Doch seine … weiterlesen ›

Wie denken Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas?

Einleitung Die Frage, wie Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas denken, erscheint zunächst einfach. Man könnte vermuten, tiefenpsychologisch arbeitende Psychotherapeuten würden vor allem „tiefen-psychologisch“ denken – also Gefühle verstehen, Beziehungen deuten oder Konflikte analysieren. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass psychotherapeutisches Denken weit komplexer ist. Es handelt sich nicht um eine einzelne Denkform, sondern … weiterlesen ›

Überlegungen zu Kompensationsformen bei der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit — Eine phänomenologische Annäherung

Einleitung Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit gehört zu den grundlegenden Spannungsverhältnissen menschlicher Existenz. Sie zeigt sich in individuellen Lebensentwürfen ebenso wie in beruflichen Entwicklungen, in Beziehungen ebenso wie in gesellschaftlichen und kulturellen Selbstbildern. Diese Diskrepanz entsteht nicht allein aus innerpsychischen Idealen, sondern wesentlich im sozialen Raum. Ansprüche werden sowohl vertikal vermittelt – etwa durch … weiterlesen ›

Struktur und Funktion – ein Brückenkonzept zwischen Psychotherapie und Sozialwissenschaft

Einleitung Der Begriff der Struktur spielt nicht nur in der Psychotherapie eine zentrale Rolle, sondern auch in anderen Disziplinen, insbesondere in der Anthropologie und den Sozialwissenschaften. Dort wird er häufig im Rahmen struktur-funktionalistischer Ansätze verwendet, die danach fragen, wie verschiedene Elemente eines Systems zusammenwirken, um dessen Stabilität und Fortbestand zu gewährleisten. Auch in der Psychotherapie … weiterlesen ›

Kontextualisierung als Grundbedingung von Wahrnehmung, Interaktion und Resilienz

Einleitung In diesem Beitrag geht es um Kontextualisierung als anthropologische Grundbedingung. Wahrnehmung ist niemals isolierte Reizaufnahme. Sie ist immer bereits gerahmt. Was wir sehen, hören oder fühlen, erscheint uns nicht als neutrales Faktum, sondern als bedeutungshaltige Gestalt – und diese Bedeutung entsteht durch Kontextualisierung. Die Gestaltpsychologie hat dies früh gezeigt: Parallele Linien erscheinen schräg, wenn … weiterlesen ›

Die Akzeptanz der Nachträglichkeit als Schutzfaktor gegenüber paranoider Sinnverzerrung

Einleitung Wir leben in einer Welt, in der wir fast ständig handeln müssen, bevor wir verstehen können, was wir eigentlich tun. Entscheidungen werden unter Unsicherheit getroffen, Beziehungen entfalten ihre Bedeutung erst im Rückblick, Lernprozesse zeigen ihren Sinn oft erst dann, wenn sie bereits abgeschlossen sind. Im Alltag erleben wir immer wieder, dass sich die Bedeutung … weiterlesen ›

Bemerkungen über optische und visuelle Wahrnehmung

Einleitung Die Unterscheidung zwischen optischer Wahrnehmung und visuellem Verständnis eröffnet einen Denkraum, in dem Sehen nicht länger als bloßer Sinnesakt erscheint, sondern als eine vielschichtige kulturelle, biologische und symbolische Leistung. Sie erlaubt es, jene Differenz sichtbar zu machen, die zwischen dem bloßen Erfassen von Reizen und dem Verstehen von Sinn liegt – eine Differenz, die … weiterlesen ›

Bemerkungen über das Spannungsverhältnis von Meinung und Wahrnehmung

Einleitung In öffentlichen Debatten wird gegenwärtig mit großer Intensität darüber gestritten, ob die Meinungsfreiheit noch existiert oder ob sie schleichend eingeschränkt, wenn nicht gar abgeschafft werde. Diese Diskussion wird meist normativ geführt: Meinungen gelten als schützenswertes Gut, ihre Einschränkung als Bedrohung demokratischer Ordnungen. Dabei bleibt jedoch eine vorgelagerte, grundlegendere Frage häufig unbeachtet – nämlich jene, … weiterlesen ›

Tschechows Krankenstation als metaphorischer Ort

Einleitung Bereits die Romantiker hatten das Individuum in seiner Subjektivität als empfindendes Wesen in die Literatur eingebracht. Etwa 100 Jahre später wird die Frage nach dessen Subjektivität im Rahmen existenzialistischer Welterfahrung neu beantwortet. Jetzt erscheint das Subjekt wesenhaft ohnmächtig gegenüber seiner Umwelt. Deshalb hier der Rekurs auf Tschechow und die sich an ihn anknüpfende Literatur. … weiterlesen ›

Denken, Fühlen, Wahrnehmen – Drei Modi des Bewusstseins

Einleitung Der Mensch lebt in drei Modi des Bezogenseins zur Welt: im Denken, im Fühlen und im Wahrnehmen. Diese drei Weisen sind nicht gleichwertig entwickelt – und doch bilden sie zusammen das Gefüge dessen, was wir „Bewusstsein“ nennen. In der modernen Lebensform aber scheint das Denken hypertroph, das Fühlen sprunghaft und die Wahrnehmung verkümmert zu … weiterlesen ›