Gedanken über die Verwendung des Begriffs der „Operationalisierung“

Einleitung Der Begriff der Operationalisierung gehört zu den Standardbegriffen wissenschaftlichen Arbeitens. In Lehrbüchern wird er meist definiert als die Übersetzung theoretischer Begriffe in beobachtbare und überprüfbare Merkmale. Oft entsteht dabei der Eindruck, Operationalisierung sei ein Garant für Objektivität und Wissenschaftlichkeit. Diese Vorstellung greift jedoch zu kurz. Denn die Funktion einer Operationalisierung hängt wesentlich davon ab, … weiterlesen ›

Worin unterscheidet sich hilfreiche Psychotherapie von intrusiver Psychotherapie? — Ein Beitrag zum Problem der Haltung in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Einleitung Die Frage, was eine hilfreiche Psychotherapie ausmacht, scheint auf den ersten Blick leicht zu beantworten. Man könnte sagen: hilfreich ist, was dem Patienten nützt, intrusiv ist, was ihm schadet. Doch eine solche Unterscheidung greift zu kurz. Denn gerade in der psychotherapeutischen Praxis zeigt sich, dass Interventionen, die subjektiv als hilfreich intendiert sind, in ihrer … weiterlesen ›

Überlegungen zu Kompensationsformen bei der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit — Eine phänomenologische Annäherung

Einleitung Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit gehört zu den grundlegenden Spannungsverhältnissen menschlicher Existenz. Sie zeigt sich in individuellen Lebensentwürfen ebenso wie in beruflichen Entwicklungen, in Beziehungen ebenso wie in gesellschaftlichen und kulturellen Selbstbildern. Diese Diskrepanz entsteht nicht allein aus innerpsychischen Idealen, sondern wesentlich im sozialen Raum. Ansprüche werden sowohl vertikal vermittelt – etwa durch … weiterlesen ›

Warum eine Rückbesinnung auf Immanuel Kant und Karl Popper für die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sinnvoll ist

Einleitung Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis, zwischen methodischer Orientierung und situativer Offenheit. In der Ausbildung wie in der klinischen Praxis zeigt sich dabei häufig ein wiederkehrendes Problem: Die Anwendung von Methoden erfolgt nicht selten unabhängig von den Bedingungen, unter denen diese überhaupt wirksam werden können. Interventionen werden … weiterlesen ›

Zur fragilen Indikation tiefenpsychologischer Behandlung bei Abhängigkeitserkrankungen

Einleitung Die Indikation tiefenpsychologischer Behandlung erweist sich bei Abhängigkeitserkrankungen häufig als fragil, weil ihre Methodik an strukturelle Minimal-Voraussetzungen und an die Fähigkeit zum symbolischen Denken gebunden ist. Diese sind bei Menschen mit Abhängigkeitserkranken meist nicht ausreichend vorhanden. In der Ausbildung angehender Psychotherapeuten zeigt sich immer wieder eine typische Herausforderung: Der Wunsch, auch bei abhängigen Patienten … weiterlesen ›

Grundprobleme der Probatorik — Warum man die Probatorik ernst nehmen sollte

Motto: „Die Probatorik ist der institutionalisierte Versuch, in einer von Verführung und Beschleunigung geprägten Kultur einen Raum zu schaffen, in dem situatives Verstehen ermöglicht wird.“ Einleitung Die probatorischen Gespräche zur Vorbereitung und Beantragung einer tiefenpsychologischen Behandlung stehen unter einem eigentümlichen Spannungsverhältnis. Einerseits wird von ihnen erwartet, dass sie Orientierung schaffen: Worum geht es? Welche Problematik … weiterlesen ›

Konflikt und Strukturniveau – eine klinische Typologie am Beispiel „Kontrolle vs. Unterwerfung“

Einleitung In vielen systematischen Darstellungen der Psychodynamik wird ein gewisser Gegensatz zwischen Konflikt und Struktur nahegelegt – als ließen sich beide Ebenen getrennt voneinander betrachten oder gar gegeneinander ausspielen. Der Konflikt erscheint dann als inhaltliche Dimension des Erlebens, die Struktur als formale Voraussetzung seiner Verarbeitung. Eine solche Trennung greift jedoch zu kurz. Der folgende Beitrag … weiterlesen ›

Zur Kritik des Begriffs „Borderline-Strukturniveau“ in der OPD und Diskussion von Alternativen

Einleitung Im Abschnitt über die neurosenpsychologischen Diagnose kommt immer mal wieder der Hinweis „Borderline-Strukturniveau (nach OPD)“ vor. Diese Begrifflichkeit ist in den meisten Fällen irreführend und einmal grundsätzlich klärungsbedürftig. Denn nicht selten liest man Diagnosen in der Art von: „Narzisstische Störung auf Bordeline Niveau.“ Auf der Professionelle fragt sich dann, was eventuell damit gemeint sein … weiterlesen ›