Winston Churchill und die Entdeckung der Tätigkeit als Selbstverwirklichung — Ein Beitrag zur Bedeutung der Arbeitstherapie

Einleitung Winston Churchill hat die Arbeitstherapie depressiver Erkrankungen nicht erfunden. Beschäftigung, körperliche Aktivität und strukturierende Tätigkeiten wurden bereits lange vor ihm therapeutisch genutzt. Dennoch gehört Churchill zu den eindrucksvollsten historischen Figuren, an denen sichtbar wird, wie ein Mensch aus der Erfahrung innerer Gefährdung heraus eine eigene Form psychischer Stabilisierung entwickelt. Nicht als medizinische Methode, sondern … weiterlesen ›

Zur Bedeutung von Emergenz für Erzählen und freie Assoziation in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Einleitung In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wird häufig zwischen verschiedenen Formen des Sprechens unterschieden: dem Berichten, dem Erzählen und der freien Assoziation. Diese Unterscheidung bleibt jedoch oberflächlich, solange sie sich auf formale Merkmale beschränkt. Entscheidend ist weniger, wie gesprochen wird, als vielmehr, unter welchen Bedingungen bestimmte Formen des Sprechens überhaupt möglich sind. Die folgende Überlegung … weiterlesen ›

Überlegungen zu einer nicht-moralisierenden Theorie der Dekadenz

Einleitung Die folgenden Überlegungen zu einer nicht-moralisierenden Theorie der Dekadenz werden am Phänomen des stillschweigenden Funktionswechsels ehemals sinngebundener Strukturen entwickelt. Mit dem Begriff „Sinn“ meine ich den geistigen Gehalt einer Form oder einer Struktur. Wenn ich im folgenden von „Sinn“ oder von „geistigem Gehalt“ spreche, so ist dies synonym zu verstehen. Der Begriff der Dekadenz … weiterlesen ›

Film: Jim Jarmuschs Episodenfilm Father Mother Sister Brother (2025/2026)

Einleitung Jarmusch inszeniert hier wie in einem Labor die Begegnung der letzten Generation mit der vorletzten Generation, sofern sie noch vorhanden ist. In den ersten beiden Episoden sind die erwachsenen Kinder schon Halbwaisen. Es ist nur noch ein Elternteil am Leben. in der dritten Episode sind die erwachsenen Kinder schon Vollwaisen. Es geht also im … weiterlesen ›

Gedanken zur Transsubstantiation im Spannungsverhältnis von Stabilisierung und dogmatischer Verhärtung

Einleitung In der gegenwärtigen Situation gibt es wieder Anlass, sich über Verlust des symbolischen Erlebens und den Verlust von gewohnten verlässlichen Strukturen Gedanken zu machen. Dies hat mich dazu gebracht, mich der Situation im Hochmittelalter zuzuwenden, als die Verbindlichkeit des Glaubens nicht mehr selbstverständlich war und der Versuch unternommen wurde, die Glaubenserfahrung durch das Dogma … weiterlesen ›

Über die Bedingungen der Möglichkeit zwischen Struktur und Prozess — Was war zuerst: Die Henne oder das Ei?

Einleitung In vielen Bereichen – sei es in der Philosophie, der Psychotherapie oder auch in der Analyse komplexer Systeme – stellt sich immer wieder eine grundlegende Frage: Unter welchen Voraussetzungen wird etwas überhaupt möglich? Das erinnert an die alte Aporie: Was war zuerst: Die Henne oder das Ei? Diese Frage stellt sich heute jedoch nicht … weiterlesen ›

Struktur und Funktion – ein Brückenkonzept zwischen Psychotherapie und Sozialwissenschaft

Einleitung Der Begriff der Struktur spielt nicht nur in der Psychotherapie eine zentrale Rolle, sondern auch in anderen Disziplinen, insbesondere in der Anthropologie und den Sozialwissenschaften. Dort wird er häufig im Rahmen struktur-funktionalistischer Ansätze verwendet, die danach fragen, wie verschiedene Elemente eines Systems zusammenwirken, um dessen Stabilität und Fortbestand zu gewährleisten. Auch in der Psychotherapie … weiterlesen ›

Struktur als Prozess — Muster als Marker und Variablen psychischer Selbstorganisation

Einleitung Der Begriff der „Struktur“ gehört zu den zentralen Kategorien der psychodynamischen Psychotherapie. Insbesondere im Kontext der strukturbezogenen Psychotherapie wird darunter ein relativ stabiles Niveau psychischer Funktionsfähigkeit verstanden, das darüber entscheidet, in welcher Weise ein Patient innere Konflikte verarbeiten kann und welche therapeutischen Interventionen angemessen sind. Diese Verwendung des Strukturbegriffs ist klinisch außerordentlich hilfreich. Sie … weiterlesen ›

Was heißt „Arbeit an der Struktur“? Eine klinische Bestandsaufnahme

Einleitung Der Ausdruck „Arbeit an der Struktur“ gehört zu den geläufigen Formulierungen der psychodynamischen Psychotherapie. Er verweist auf therapeutische Ansätze, die nicht primär auf die Aufdeckung unbewusster Konflikte zielen, sondern auf die Stabilisierung und Entwicklung grundlegender psychischer Funktionen. Insbesondere im Kontext der strukturbezogenen Psychotherapie wird darunter eine gezielte Förderung von Fähigkeiten wie Affektregulation, Selbstwahrnehmung, Impulskontrolle … weiterlesen ›

Konflikt und Strukturniveau – eine klinische Typologie am Beispiel „Kontrolle vs. Unterwerfung“

Einleitung In vielen systematischen Darstellungen der Psychodynamik wird ein gewisser Gegensatz zwischen Konflikt und Struktur nahegelegt – als ließen sich beide Ebenen getrennt voneinander betrachten oder gar gegeneinander ausspielen. Der Konflikt erscheint dann als inhaltliche Dimension des Erlebens, die Struktur als formale Voraussetzung seiner Verarbeitung. Eine solche Trennung greift jedoch zu kurz. Der folgende Beitrag … weiterlesen ›