Wie denken Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas?

Einleitung Die Frage, wie Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas denken, erscheint zunächst einfach. Man könnte vermuten, tiefenpsychologisch arbeitende Psychotherapeuten würden vor allem „tiefen-psychologisch“ denken – also Gefühle verstehen, Beziehungen deuten oder Konflikte analysieren. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass psychotherapeutisches Denken weit komplexer ist. Es handelt sich nicht um eine einzelne Denkform, sondern … weiterlesen ›

Double Bind, Metakommunikation und Rahmenkonfusion – Zur Bedeutung widersprüchlicher Bedingungen für Desintegrationsprozesse

Einleitung Der Begriff des Double Bind wurde in den 1950er Jahren im Kontext der Familienforschung geprägt, insbesondere durch Gregory Bateson. Ursprünglich diente er zur Beschreibung paradoxaler Kommunikationsstrukturen, die als potenziell destabilisierend für die psychische Entwicklung betrachtet wurden. Während sich die klassische Diskussion stark auf die Entstehung schwerer Störungen konzentrierte, soll hier ein erweiterter Zugang entwickelt … weiterlesen ›

Worin unterscheidet sich hilfreiche Psychotherapie von intrusiver Psychotherapie? — Ein Beitrag zum Problem der Haltung in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Einleitung Die Frage, was eine hilfreiche Psychotherapie ausmacht, scheint auf den ersten Blick leicht zu beantworten. Man könnte sagen: hilfreich ist, was dem Patienten nützt, intrusiv ist, was ihm schadet. Doch eine solche Unterscheidung greift zu kurz. Denn gerade in der psychotherapeutischen Praxis zeigt sich, dass Interventionen, die subjektiv als hilfreich intendiert sind, in ihrer … weiterlesen ›

Zur Bedeutung von Emergenz für Erzählen und freie Assoziation in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Einleitung In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wird häufig zwischen verschiedenen Formen des Sprechens unterschieden: dem Berichten, dem Erzählen und der freien Assoziation. Diese Unterscheidung bleibt jedoch oberflächlich, solange sie sich auf formale Merkmale beschränkt. Entscheidend ist weniger, wie gesprochen wird, als vielmehr, unter welchen Bedingungen bestimmte Formen des Sprechens überhaupt möglich sind. Die folgende Überlegung … weiterlesen ›

Konflikt und Strukturniveau – eine klinische Typologie am Beispiel „Kontrolle vs. Unterwerfung“

Einleitung In vielen systematischen Darstellungen der Psychodynamik wird ein gewisser Gegensatz zwischen Konflikt und Struktur nahegelegt – als ließen sich beide Ebenen getrennt voneinander betrachten oder gar gegeneinander ausspielen. Der Konflikt erscheint dann als inhaltliche Dimension des Erlebens, die Struktur als formale Voraussetzung seiner Verarbeitung. Eine solche Trennung greift jedoch zu kurz. Der folgende Beitrag … weiterlesen ›

Himmel und Hölle im Forschungslabor — Kafkas und Calhouns Arbeiten über die Notwendigkeit von Spannung und Vermittlung

Einleitung In diesem Beitrag geht es um die Fragen: Was geschieht mit einem System, wenn ihm jede Herausforderung genommen wird? Und: Was geschieht mit einem Individuum, wenn es keiner Herausforderung mehr trauen kann? Dies soll anhand der Arbeiten von Franz Kafka und John Calhoun näher untersucht werden. Auf den ersten Blick verbindet den Schriftsteller Franz … weiterlesen ›

„Instant-Experten“ – Social Media als moderner Goldrausch zur Vermittlung von illusionären Kompetenzen

Einleitung In den letzten Jahren hat Social Media die Art und Weise, wie Menschen lernen und Wissen konsumieren, grundlegend verändert. Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube versprechen in Minuten, ja in Sekunden, Fähigkeiten zu vermitteln, für die früher Jahre intensiver Übung nötig waren: „Spiele Klavier in einem Wochenende“, „Lerne Spanisch in 10 Minuten täglich“, „Zeichne … weiterlesen ›

Zur Mensch-Maschine-Kommunikation: paranoide Phantasien und medienkritische Einwände

Abstract Die Begegnung mit Künstlicher Intelligenz löst nicht nur technische oder ethische Fragen aus – sie aktiviert auch tief verwurzelte psychische Muster. Menschen erleben KI häufig wie einen distanzierten, korrekt-agierenden, aber emotional schwer lesbaren Beziehungspartner. Dieses Erleben ähnelt schizoiden Beziehungsstilen: präzise, zuverlässig, aber ohne Affektresonanz. Solche Begegnungen erzeugen Unsicherheit und interpretativen Druck – und führen … weiterlesen ›

Sprecher ohne transgenerationale Muttersprache

Einleitung Sprache ist niemals nur ein Werkzeug zur Informationsübertragung. Sie strukturiert Wahrnehmung, ordnet Wirklichkeit und prägt unbewusst die Art, wie Menschen sich selbst und die Welt erleben. Noch ein Hinweis: Die ersten beiden Teile dieser Ausführungen über Sprache sind getrennt erschienen unter den Titeln: Genderneutralisierte Sprache und Sprache im Exil. Wenn das innere Objekt ohne … weiterlesen ›

Autistische Beziehungsstrategien am Beispiel von Henry Higgins

Einleitung Professor Henry Higgins ist eine Figur, die sich erst auf den zweiten Blick als Liebender zu erkennen gibt. Vordergründig erscheint er als Sprachwissenschaftler, als Rationalist, als Mann der Systeme und Regeln. Seine Leidenschaft gilt nicht Menschen, sondern Lauten, Akzenten, Klassifikationen. Er hört, was andere sagen, nicht um ihnen zu begegnen, sondern um sie einzuordnen. … weiterlesen ›