Zwischen Konversion und Falsifikation – Nock, Freud, Popper und Festinger über die Krise menschlicher Orientierung

Einleitung Als der Religionshistoriker Arthur Darby Nock 1933 sein berühmtes Werk Conversion veröffentlichte, untersuchte er zunächst ein historisches Problem. Wie war es möglich, dass die religiöse Welt der griechischen Polis allmählich verschwand und durch völlig neue Formen religiöser Orientierung ersetzt wurde? Warum verloren die traditionellen Götter ihre Selbstverständlichkeit, während Mysterienreligionen, philosophische Schulen und schließlich das … weiterlesen ›

Von der Mythologie zur Epistemologie — Sokrates und Poseidon als Gegenspieler und Verbündete

Einleitung Die Philosophiegeschichte erzählt den Übergang vom Mythos zum Logos häufig als Geschichte der Entzauberung: Der Mensch löst sich von den Göttern, ersetzt mythologische Erzählungen durch rationale Argumentation und gewinnt dadurch eine verlässlichere Orientierung in der Welt. Legendär verdichtet sich diese Erfahrungswelt in Homers Darstellung des Verhältnisses von Odysseus und Poseidon. Doch vielleicht ist diese … weiterlesen ›

Die Bewunderung von Schönheit und Luxus als Religion unserer Zeit und ihre Beziehung zu Narzissmus und Wohlstandsverwahrlosung

Einleitung In diesem Beitrag über den Zusammenhang von Schönheit, Narzissmus und Wohlstandsverwahrlosung geht es um Gedanken, die durch die Arbeiten von John Calhoun zu seinem „Mäuseparadies“ inspiriert wurden, insbesondere durch seine Beschreiben der dort beobachtbaren „beautiful ones“. Calhoun beschreibt, wie eine Population unter Bedingungen mit maximaler Versorgung und vollständiger Bedürfnisbefriedigung nicht etwa stabil bleibt, sondern … weiterlesen ›

Diskursverweigerung — Zum Ritual des Beziehungsabbruchs

Einleitung Es gibt eine merkwürdige Verschiebung, die sich durch sehr unterschiedliche Bereiche unserer Gegenwart zieht. Konflikte werden immer seltener ausgetragen, indem man sie sprachlich bearbeitet. Stattdessen werden Beziehungen beendet. Man spricht nicht mehr miteinander, man zieht sich zurück, bricht den Kontakt ab, entzieht Anerkennung oder beendet institutionelle Zugehörigkeit. Nicht, weil es keine Argumente gäbe, sondern … weiterlesen ›

Sozialpsychologische Aspekte einer europäischen Einigung

Einleitung Es liegt auf der Hand: Eine politisch und strategisch geeinte europäische Union würde den Einfluss externer Großmächte wie der Vereinigte Staaten und Russland spürbar reduzieren. Nicht, weil Europa feindlich wäre, sondern weil es als eigenständiger Referenzpunkt auftreten könnte. Genau darin liegt der Kern der Spannung: Einheit verringert externe Einflussnahme, Fragmentierung erhöht sie – unabhängig … weiterlesen ›

Polyklet und die Ideale der menschlichen Proportionen

Einleitung Polyklet war ein antiker griechischer Bildhauer und lebte im 5. Jahrhundert v. Chr. Er war ein bedeutender Pionier der klassischen Skulptur, der das Konzept der idealen menschlichen Proportionen und Bewegungen revolutionierte. Seine ästhetischen Prinzipien, insbesondere wie er Dynamik und anatomische Präzision in die Darstellung des menschlichen Körpers einfließen ließ, prägen bis heute das Verständnis … weiterlesen ›

Von der Relevanz Montesquieus Dekadenztheorie

Einleitung Montesquieu (1689-1755) wurde als Kind in einer Familie des Amtsadels geboren. Seine Theorie über den Aufstieg und die Dekadenz von Staaten, wie er sie in seinem Werk De l’esprit des lois (1748) darlegte, ist in vielerlei Hinsicht auch heute noch von Relevanz. Einige seiner Kernideen lassen sich auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen anwenden: … weiterlesen ›