Die Zukunft einer Illusion — Über Psychoanalyse, Freud, Dostojewskij und die Frage nach dem Sinn des Lebens

Einleitung Als Sigmund Freud 1927 seine Schrift „Die Zukunft einer Illusion“ veröffentlichte, richtete sich seine Kritik gegen die Religion. Religiöse Vorstellungen erschienen ihm als psychische Konstruktionen, die weniger aus Erkenntnis als aus menschlichen Wünschen hervorgegangen seien. Der Mensch sehne sich nach Schutz, Orientierung und Gerechtigkeit in einer Welt voller Leid, Zufall und Vergänglichkeit. Die Religion … weiterlesen ›

Angebote zur Selbstdeutung am Beispiel von Schiller und Grönemeyer — Die Dialektik von Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz im historischen Prozess

Einleitung Kulturen leben nicht allein von Institutionen, Gesetzen oder wirtschaftlichen Strukturen. Sie leben vor allem von Erzählungen. Diese Erzählungen beantworten nicht nur die Frage, wie die Welt beschaffen ist, sondern auch die Frage, wie wir uns selbst verstehen sollen und wollen. Die großen Texte einer Kultur wie die Odyssee oder das Neue Testament sind deshalb … weiterlesen ›

Gibt es wahre Freundschaft? — Über die Dialektik von Utopie und Methode

Einleitung Vor einiger Zeit stellte mir ein Patient eine scheinbar einfache Frage: „Gibt es wahre Freundschaft überhaupt? Oder läuft am Ende nicht jede Beziehung auf gegenseitigen Nutzen, auf Leistung und Gegenleistung hinaus?“ Die Frage war keineswegs neu. In unterschiedlicher Form begleitet sie die Menschheit seit der Antike. Neu war jedoch die Selbstverständlichkeit, mit der die … weiterlesen ›

Zwischen Konversion und Falsifikation – Nock, Freud, Popper und Festinger über die Krise menschlicher Orientierung

Einleitung Als der Religionshistoriker Arthur Darby Nock 1933 sein berühmtes Werk Conversion veröffentlichte, untersuchte er zunächst ein historisches Problem. Wie war es möglich, dass die religiöse Welt der griechischen Polis allmählich verschwand und durch völlig neue Formen religiöser Orientierung ersetzt wurde? Warum verloren die traditionellen Götter ihre Selbstverständlichkeit, während Mysterienreligionen, philosophische Schulen und schließlich das … weiterlesen ›

Überlegungen zu einer nicht-moralisierenden Theorie der Dekadenz

Einleitung Die folgenden Überlegungen zu einer nicht-moralisierenden Theorie der Dekadenz werden am Phänomen des stillschweigenden Funktionswechsels ehemals sinngebundener Strukturen entwickelt. Mit dem Begriff „Sinn“ meine ich den geistigen Gehalt einer Form oder einer Struktur. Wenn ich im folgenden von „Sinn“ oder von „geistigem Gehalt“ spreche, so ist dies synonym zu verstehen. Der Begriff der Dekadenz … weiterlesen ›

„Tue Gutes und rede darüber.“ Das Mindset der Lobbyisten.

Als ein Kernbestandteil der christilichen Ethik wird seit jeher die Nächstenliebe genannt. Klassisch ist die Auslegung der Nächstenliebe durch Paulus in 1. Korintherbrief, 13. Kapitel: „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich … weiterlesen ›

Brauchen wir noch eine Religion?

Einleitung Religionen als Manifestationen eines Glaubens bestehen zumeist aus drei Aspekten: zunächst dem teleologischen, dem sinnstiftenden Inhalt, der ermöglicht, auf etwas hin leben zu können, zweitens dem Aspekt der religiösen Erfahrung und drittens dem ethischen Aspekt, der sich darstellt in Form von Tabus in Bezug auf etwas Heiliges, auf die Befolgung bestimmter Gesetze, Gebote, Riten, … weiterlesen ›