Narrativ, emotionales Erleben und kommunikative Handlung in der Tiefenpsychologie

Einleitung Patienten erzählen in der Psychotherapie Geschichten über sich selbst. Sie berichten von ihrer Vergangenheit, formulieren Wünsche für die Zukunft, beschreiben ihre Absichten und bieten Erklärungen an für ihr Erleben. Vieles bezieht sich explizit oder implizit auf andere Menschen aus der Vergangenheit oder der Gegenwart. Diese narrative Ebene ist unverzichtbar, denn ohne Sprache wäre psychotherapeutisches … weiterlesen ›

Über die Frage nach der Indikation zur Psychoanalyse – Eine Zusammenfassung und kritische Einordnung von Freuds Überlegungen zu diesem Thema

Einleitung Die Frage nach der Indikation gehört zu den ältesten und zugleich schwierigsten Fragen der Psychotherapie. Wer soll behandelt werden? Unter welchen Voraussetzungen ist eine Therapie erfolgversprechend? Und woran lässt sich erkennen, ob ein bestimmtes Verfahren für einen bestimmten Menschen geeignet ist? Sigmund Freud hat diese Fragen nie in einem eigenständigen systematischen Werk behandelt. Seine … weiterlesen ›

Die Bedeutung des Life Drawings für Formbildung, Handlungskompetenz und Wahrheitsfindung

Einleitung Life Drawing (dt. Aktzeichnen) erscheint auf den ersten Blick als eine klassische Übung der bildenden Kunst: das Zeichnen oder Malen eines lebenden Modells zur Schulung von Wahrnehmung, Proportion und Ausdruck. Historisch galt es lange als Grundlage akademischer Kunstausbildung und wurde von Künstlern unterschiedlichster Richtungen praktiziert – von der Renaissance bis zur Moderne. Doch seine … weiterlesen ›

Wie denken Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas?

Einleitung Die Frage, wie Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas denken, erscheint zunächst einfach. Man könnte vermuten, tiefenpsychologisch arbeitende Psychotherapeuten würden vor allem „tiefen-psychologisch“ denken – also Gefühle verstehen, Beziehungen deuten oder Konflikte analysieren. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass psychotherapeutisches Denken weit komplexer ist. Es handelt sich nicht um eine einzelne Denkform, sondern … weiterlesen ›

Schreiben als Ersatz für Psychotherapie? — Eine kritische Einordnung der Arbeiten von Pennebaker aus tiefenpsychologischer Perspektive

Einleitung Die Arbeiten von James W. Pennebaker (geb. 1950) zur Wirkung des expressiven Schreibens haben in den letzten Jahrzehnten große Aufmerksamkeit gefunden. Die Befunde sind auf den ersten Blick bemerkenswert: Bereits kurze Phasen intensiver Verschriftlichung emotional belastender Erlebnisse gehen mit messbaren Verbesserungen körperlicher und psychischer Parameter einher. In populären Darstellungen wird daraus nicht selten die … weiterlesen ›

Worin unterscheidet sich hilfreiche Psychotherapie von intrusiver Psychotherapie? — Ein Beitrag zum Problem der Haltung in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Einleitung Die Frage, was eine hilfreiche Psychotherapie ausmacht, scheint auf den ersten Blick leicht zu beantworten. Man könnte sagen: hilfreich ist, was dem Patienten nützt, intrusiv ist, was ihm schadet. Doch eine solche Unterscheidung greift zu kurz. Denn gerade in der psychotherapeutischen Praxis zeigt sich, dass Interventionen, die subjektiv als hilfreich intendiert sind, in ihrer … weiterlesen ›

Warum eine Rückbesinnung auf Immanuel Kant und Karl Popper für die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sinnvoll ist

Einleitung Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis, zwischen methodischer Orientierung und situativer Offenheit. In der Ausbildung wie in der klinischen Praxis zeigt sich dabei häufig ein wiederkehrendes Problem: Die Anwendung von Methoden erfolgt nicht selten unabhängig von den Bedingungen, unter denen diese überhaupt wirksam werden können. Interventionen werden … weiterlesen ›

Film: Jim Jarmuschs Episodenfilm Father Mother Sister Brother (2025/2026)

Einleitung Jarmusch inszeniert hier wie in einem Labor die Begegnung der letzten Generation mit der vorletzten Generation, sofern sie noch vorhanden ist. In den ersten beiden Episoden sind die erwachsenen Kinder schon Halbwaisen. Es ist nur noch ein Elternteil am Leben. in der dritten Episode sind die erwachsenen Kinder schon Vollwaisen. Es geht also im … weiterlesen ›

Über die Bedingungen der Möglichkeit zwischen Struktur und Prozess — Was war zuerst: Die Henne oder das Ei?

Einleitung In vielen Bereichen – sei es in der Philosophie, der Psychotherapie oder auch in der Analyse komplexer Systeme – stellt sich immer wieder eine grundlegende Frage: Unter welchen Voraussetzungen wird etwas überhaupt möglich? Das erinnert an die alte Aporie: Was war zuerst: Die Henne oder das Ei? Diese Frage stellt sich heute jedoch nicht … weiterlesen ›

Struktur als Prozess — Muster als Marker und Variablen psychischer Selbstorganisation

Einleitung Der Begriff der „Struktur“ gehört zu den zentralen Kategorien der psychodynamischen Psychotherapie. Insbesondere im Kontext der strukturbezogenen Psychotherapie wird darunter ein relativ stabiles Niveau psychischer Funktionsfähigkeit verstanden, das darüber entscheidet, in welcher Weise ein Patient innere Konflikte verarbeiten kann und welche therapeutischen Interventionen angemessen sind. Diese Verwendung des Strukturbegriffs ist klinisch außerordentlich hilfreich. Sie … weiterlesen ›