Der disziplinierte Beobachter — Über die Kunst, aus Beobachtungen Fragen statt Gewissheiten abzuleiten

Einleitung Wer im Alltag etwas beobachtet, eine politische Debatte verfolgt, zwei Menschen miteinander sprechen hört oder die Nachrichten liest, wird immer wieder auf dasselbe Phänomen stoßen: Menschen neigen dazu, aus Beobachtungen unmittelbar Schlussfolgerungen abzuleiten. Beobachtungen aus dem Alltag: Steigen Finanzanlagen im Preis, wird daraus die Erwartung weiterer Steigerungen abgeleitet. Berichtet jemand von einer schwierigen Kindheit, … weiterlesen ›

Gibt es wahre Freundschaft? — Über die Dialektik von Utopie und Methode

Einleitung Vor einiger Zeit stellte mir ein Patient eine scheinbar einfache Frage: „Gibt es wahre Freundschaft überhaupt? Oder läuft am Ende nicht jede Beziehung auf gegenseitigen Nutzen, auf Leistung und Gegenleistung hinaus?“ Die Frage war keineswegs neu. In unterschiedlicher Form begleitet sie die Menschheit seit der Antike. Neu war jedoch die Selbstverständlichkeit, mit der die … weiterlesen ›

Zwischen Konversion und Falsifikation – Nock, Freud, Popper und Festinger über die Krise menschlicher Orientierung

Einleitung Als der Religionshistoriker Arthur Darby Nock 1933 sein berühmtes Werk Conversion veröffentlichte, untersuchte er zunächst ein historisches Problem. Wie war es möglich, dass die religiöse Welt der griechischen Polis allmählich verschwand und durch völlig neue Formen religiöser Orientierung ersetzt wurde? Warum verloren die traditionellen Götter ihre Selbstverständlichkeit, während Mysterienreligionen, philosophische Schulen und schließlich das … weiterlesen ›

Warum eine Rückbesinnung auf Immanuel Kant und Karl Popper für die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sinnvoll ist

Einleitung Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis, zwischen methodischer Orientierung und situativer Offenheit. In der Ausbildung wie in der klinischen Praxis zeigt sich dabei häufig ein wiederkehrendes Problem: Die Anwendung von Methoden erfolgt nicht selten unabhängig von den Bedingungen, unter denen diese überhaupt wirksam werden können. Interventionen werden … weiterlesen ›

Überlegungen zu einer nicht-moralisierenden Theorie der Dekadenz

Einleitung Die folgenden Überlegungen zu einer nicht-moralisierenden Theorie der Dekadenz werden am Phänomen des stillschweigenden Funktionswechsels ehemals sinngebundener Strukturen entwickelt. Mit dem Begriff „Sinn“ meine ich den geistigen Gehalt einer Form oder einer Struktur. Wenn ich im folgenden von „Sinn“ oder von „geistigem Gehalt“ spreche, so ist dies synonym zu verstehen. Der Begriff der Dekadenz … weiterlesen ›

Woran scheitern Demokratien? — Gedanken zu Platon und Popper

Einleitung Die politische Philosophie steht seit ihren Anfängen vor einem Grundproblem, das sich bis heute nicht endgültig lösen lässt: Wie kann Macht so organisiert werden, dass sie nicht missbraucht wird? Zwei der einflussreichsten Antworten auf diese Frage stammen aus sehr unterschiedlichen Epochen: Platons radikale Kritik der Demokratie in der Antike und Karl Poppers Verteidigung der … weiterlesen ›

Michel de Montaigne als Vorläufer Sigmund Freuds und Karl Poppers

Einleitung Michel de Montaigne (1533–1592) ist vor allem für seine Essais bekannt, eine Sammlung persönlicher Reflexionen, die als einflussreiche Werke der Philosophie und Literatur gelten. Montaigne wird oft als Vorläufer von modernen Denkern wie Sigmund Freud (1856-1938) und Karl Popper (1902-1994) betrachtet, da seine Schriften thematische und methodologische Parallelen zu ihren jeweiligen Theorien aufweisen. Montaigne … weiterlesen ›

Aspekte der Phantasielosigkeit

Einleitung In diesem Beitrag sollen Gedanken zum Phänomen der Phantasielosigkeit zusammengetragen werden. D.h., es geht um die Frage, was Phantasie blockieren, hemmen und abwürgen kann oder warum Menschen auf die Möglichkeit zu mehr Phantasie in ihrem Leben mit Aversionen oder Desinteresse reagieren. Dabei geht es um keinen spezifischen Bereich des Lebens, in dem ein mehr … weiterlesen ›

Theorien der Ästhetik im Lichte der Drei-Welten-Theorie

Aus psychoanalytischer Sicht ist die Beschäftigung mit Kunst und Kultur von besonderem Interesse, weil die Kunst wie auch andere Bestrebungen, die nach Ausdruck und Selbstverwirklichung in der Lebenswelt, Religion, Handwerk und Wissenschaft verlangen, letztlich auf ein triebhaft angelegtes Bedürfnis nach Intentionalität (Bezug zu und Exploration von unbelebten Dingen) zurückzuführen sind. Dieses angeborene Vermögen wurde zuerst … weiterlesen ›

Der Kritische Rationalismus als Herausforderung für die Psychoanalyse

Einleitung Der Kritische Rationalismus ist eine philosophische Strömung, die wesentlich von Karl Popper (1902-1994) geprägt wurde. Popper war ein ausgebildeter Physik- und Mathematiklehrer und befasste sich vor allem mit ideologiekritischer Wissenschaftsgeschichte. Er war ein eminent politisch denkender Mensch und in seinem Wirken und Forschen geleitet von einem aufklärerischen antidogmatischen Wissenschaftsverständnis. Ein Dialog mit dem Kritischen … weiterlesen ›