Sozialpsychologische Aspekte einer europäischen Einigung

Einleitung Es liegt auf der Hand: Eine politisch und strategisch geeinte europäische Union würde den Einfluss externer Großmächte wie der Vereinigte Staaten und Russland spürbar reduzieren. Nicht, weil Europa feindlich wäre, sondern weil es als eigenständiger Referenzpunkt auftreten könnte. Genau darin liegt der Kern der Spannung: Einheit verringert externe Einflussnahme, Fragmentierung erhöht sie – unabhängig … weiterlesen ›

Bedeutungsverlust im Konsumismus – Strukturelle Aspekte eines geschwächten Über-Ichs

Einleitung Der vielfach diagnostizierte Bedeutungsverlust der Gegenwart wird meist als individuelles Erschöpfungs- oder Sinnproblem beschrieben. Im Vordergrund stehen dann subjektive Überforderung, depressive Befindlichkeiten oder mangelnde Resilienz. Eine solche Perspektive greift jedoch zu kurz, weil sie die strukturellen Bedingungen ausblendet, unter denen sich psychisches Erleben heute formt. Der Verlust von Bedeutung ist weniger Ausdruck individueller Schwäche … weiterlesen ›

Versuch über Bescheidenheit als vergessener Kardinaltugend unserer Zeit

Einleitung Die Gegenwart steht im Zeichen der Steigerung. Konflikte eskalieren, Diskurse verhärten sich, Lebensweisen überfordern Körper und Psyche, politische Debatten zerfallen in Schlagworte, und selbst Wahrheit scheint zur Verfügungsmasse konkurrierender Narrative geworden zu sein. Inmitten dieser Dynamiken wirkt ein Begriff beinahe anachronistisch: Bescheidenheit. Und doch könnte gerade sie jene vergessene Kardinaltugend sein, die einen Ausweg … weiterlesen ›

Anmerkungen zu einer Psychologie der Sentimentalität

Einleitung Wenn hier von Sentimentalität die Rede ist, so sind damit nicht Gefühlen im engeren Sinn gemeint, sondern Aussagen, die ein Gefühl reklamieren. Dies kann sich auch wie eine gefühlshafte Beschreibung anfühlen, ist aber so etwas wie ein designtes Gefühl und damit hat es in der Kommunikation eine andere Funktion als ein authentisch erlebtes Gefühl. … weiterlesen ›

Arbeiten, Herstellen, Handeln – Ein Beitrag über Hannah Arendts Ideen vom tätigen Leben

Einleitung In ihrem Buch „Vita activa“ (dt. 1960, zunächst 1958 in den USA unter dem Titel The Human Condition veröffentlicht) unternimmt Hannah Arendt (1906-1975) den Versuch, die menschliche Tätigkeit in ihrer Vielfalt neu zu ordnen. Sie entwickelt dafür eine Dreiteilung, die bis heute für politische Theorie, Sozialphilosophie und Anthropologie prägend ist: Arbeiten, Herstellen und Handeln. Diese drei … weiterlesen ›

Über Empathie als Attitüde

Einleitung Freud bezeichnete das Regieren, das Erziehen und das Therapieren als die drei „unmöglichen Berufe“, weil in ihnen das menschliche Bemühen an Grenzen stößt: an die Grenzen des Verstehens, der Einflussnahme und der eigenen narzisstischen Bedürftigkeit. Gerade weil diese Tätigkeiten in einem Spannungsfeld aus Verantwortung, Unvorhersehbarkeit und Macht stehen, eignen sie sich in besonderem Maße … weiterlesen ›

Von der Relevanz Lessings Kritik an der Rechthaberei

Einleitung Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Aufklärung, kritisierte in seinen Werken scharf die Rechthaberei und den Fundamentalismus. Seine Überlegungen sind nicht nur im historischen Kontext relevant, sondern haben auch heute eine besondere Bedeutung. In einer Zeit, in der ideologische Starrheit und dogmatisches Denken gesellschaftliche Spaltungen vertiefen, bietet Lessings Kritik wertvolle … weiterlesen ›

Aspekte des zynischen Utilitarismus

Einleitung Der zynische Utilitarismus ist eine unethische, verantwortungslose Handlungsweise, die moralische und ethische Prinzipien ausschließlich wegen ihres vermeintlichen Vorteils und zweifelhaften Nutzens für eine Mehrheit bzw. ihre Zweckmäßigkeit ohne Rücksicht auf Minderheitenrechte zu vertreten. Im Kontext der Politik führt dieser Ansatz zu einer verächtlichen Banalisierung politischer und sozialer Zusammenhänge, Demontage ethischer Werte und zunehmender Brutalisierung … weiterlesen ›