Gibt es wahre Freundschaft? — Über die Dialektik von Utopie und Methode

Einleitung Vor einiger Zeit stellte mir ein Patient eine scheinbar einfache Frage: „Gibt es wahre Freundschaft überhaupt? Oder läuft am Ende nicht jede Beziehung auf gegenseitigen Nutzen, auf Leistung und Gegenleistung hinaus?“ Die Frage war keineswegs neu. In unterschiedlicher Form begleitet sie die Menschheit seit der Antike. Neu war jedoch die Selbstverständlichkeit, mit der die … weiterlesen ›

Nachfolge – Über die Kunst, bei sich selbst zu bleiben

Einleitung In diesem Beitrag geht es um einige unzeitgemäße Gedanken aus dem Bereich der Religionspsychologie. Auch auf die Gefahr hin, dass sie auf Unverständnis stoßen, möchte ich sie im Rahmen dieses Blogs teilen. Vielleicht besteht eine der größten Herausforderungen des modernen Menschen nicht darin, die Welt zu verändern, sondern bei sich selbst zu bleiben. Noch … weiterlesen ›

Zwischen Konversion und Falsifikation – Nock, Freud, Popper und Festinger über die Krise menschlicher Orientierung

Einleitung Als der Religionshistoriker Arthur Darby Nock 1933 sein berühmtes Werk Conversion veröffentlichte, untersuchte er zunächst ein historisches Problem. Wie war es möglich, dass die religiöse Welt der griechischen Polis allmählich verschwand und durch völlig neue Formen religiöser Orientierung ersetzt wurde? Warum verloren die traditionellen Götter ihre Selbstverständlichkeit, während Mysterienreligionen, philosophische Schulen und schließlich das … weiterlesen ›

Von der Mythologie zur Epistemologie — Sokrates und Poseidon als Gegenspieler und Verbündete

Einleitung Die Philosophiegeschichte erzählt den Übergang vom Mythos zum Logos häufig als Geschichte der Entzauberung: Der Mensch löst sich von den Göttern, ersetzt mythologische Erzählungen durch rationale Argumentation und gewinnt dadurch eine verlässlichere Orientierung in der Welt. Legendär verdichtet sich diese Erfahrungswelt in Homers Darstellung des Verhältnisses von Odysseus und Poseidon. Doch vielleicht ist diese … weiterlesen ›

Drei Grundformen religiöser Orientierung – Zur Formbildung spiritueller Vermittlung zwischen Mensch und Welt

Einleitung Religiöse Systeme lassen sich nicht allein als Sammlungen von Glaubenssätzen oder kulturellen Traditionen verstehen. Sie sind vielmehr als historisch gewachsene Formen der Orientierung zu begreifen, in denen sich eine grundlegende Frage verdichtet: Wie kann sich der Mensch zu einer Welt in Beziehung setzen, die ihm weder vollständig verfügbar noch eindeutig erschlossen ist? In diesem … weiterlesen ›

Das Gefühl des Unheimlichen im Traum und in der Literatur

Einleitung Das Gefühl des Unheimlichen oder irrational Unvertrauten ist ein komplexes Phänomen, das in verschiedenen Kontexten auftaucht. Eine allgemeinste Definition könnte darin bestehen, dass wir etwas als unheimlich empfinden, wenn sich etwas Vertrautes mit etwas Unvertrautem so mischt, dass wir nicht mehr entscheiden können, ob es sich um das eine oder das andere handelt. Oder … weiterlesen ›