Karl Kraus als Herausforderung für die Psychoanalyse — Über Reduktionismus, Heuristiken und die Grenzen psychologischen Verstehens

Einleitung Als Karl Kraus (1874-1936) über die Psychoanalyse spottete, sie sei jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich halte, zielte seine Kritik vermutlich weniger auf einzelne Theorien als auf eine bestimmte geistige Haltung, die er bei den Psychoanalytikern seiner Zeit vermutete. Die Psychoanalyse erschien ihm als Versuch, die Komplexität menschlichen Lebens mit einer gewissen neurotischen … weiterlesen ›

Die Bedeutung der Psychologisierung für die Erosion vertrauensvoller Beziehungen und die Dekonstruktion der Psychotherapie als Profession

Einleitung Die moderne Gesellschaft erlebt gegenwärtig eine eigentümliche Entwicklung. Während psychologische Begriffe, Modelle und Erklärungsmuster eine nie dagewesene Verbreitung erfahren, scheint zugleich das Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen, institutionelle Autoritäten und selbst in die Psychotherapie als Profession zu erodieren. Psychologie ist längst nicht mehr auf therapeutische oder wissenschaftliche Kontexte beschränkt. Sie ist Bestandteil populärer Kultur geworden. … weiterlesen ›

Die Bedeutung des Life Drawings für Formbildung, Handlungskompetenz und Wahrheitsfindung

Einleitung Life Drawing (dt. Aktzeichnen) erscheint auf den ersten Blick als eine klassische Übung der bildenden Kunst: das Zeichnen oder Malen eines lebenden Modells zur Schulung von Wahrnehmung, Proportion und Ausdruck. Historisch galt es lange als Grundlage akademischer Kunstausbildung und wurde von Künstlern unterschiedlichster Richtungen praktiziert – von der Renaissance bis zur Moderne. Doch seine … weiterlesen ›

Von der Mythologie zur Epistemologie — Sokrates und Poseidon als Gegenspieler und Verbündete

Einleitung Die Philosophiegeschichte erzählt den Übergang vom Mythos zum Logos häufig als Geschichte der Entzauberung: Der Mensch löst sich von den Göttern, ersetzt mythologische Erzählungen durch rationale Argumentation und gewinnt dadurch eine verlässlichere Orientierung in der Welt. Legendär verdichtet sich diese Erfahrungswelt in Homers Darstellung des Verhältnisses von Odysseus und Poseidon. Doch vielleicht ist diese … weiterlesen ›

Drei Grundformen religiöser Orientierung – Zur Formbildung spiritueller Vermittlung zwischen Mensch und Welt

Einleitung Religiöse Systeme lassen sich nicht allein als Sammlungen von Glaubenssätzen oder kulturellen Traditionen verstehen. Sie sind vielmehr als historisch gewachsene Formen der Orientierung zu begreifen, in denen sich eine grundlegende Frage verdichtet: Wie kann sich der Mensch zu einer Welt in Beziehung setzen, die ihm weder vollständig verfügbar noch eindeutig erschlossen ist? In diesem … weiterlesen ›

Narrative als anthropologisches Erbe

Einleitung Religiöser Glaube bindet sich selten an abstrakte Ideen, sondern fast immer an Inhalte, Bilder und Geschichten: Exodus, Passion, Auferstehung, Schöpfungsmythen etc. Der Mensch glaubt nicht primär an Dogmen, sondern an Narrative, die Sinn, Trost, Hoffnung, Orientierung und Identität stiften. Dieser Beitrag knüpft an den Beitrag über religiösen Glauben an und fragt implizit, ob es … weiterlesen ›

Bedeutungsverlust im Konsumismus – Strukturelle Aspekte eines geschwächten Über-Ichs

Einleitung Der vielfach diagnostizierte Bedeutungsverlust der Gegenwart wird meist als individuelles Erschöpfungs- oder Sinnproblem beschrieben. Im Vordergrund stehen dann subjektive Überforderung, depressive Befindlichkeiten oder mangelnde Resilienz. Eine solche Perspektive greift jedoch zu kurz, weil sie die strukturellen Bedingungen ausblendet, unter denen sich psychisches Erleben heute formt. Der Verlust von Bedeutung ist weniger Ausdruck individueller Schwäche … weiterlesen ›

Das Gefühl des Unheimlichen im Traum und in der Literatur

Einleitung Das Gefühl des Unheimlichen oder irrational Unvertrauten ist ein komplexes Phänomen, das in verschiedenen Kontexten auftaucht. Eine allgemeinste Definition könnte darin bestehen, dass wir etwas als unheimlich empfinden, wenn sich etwas Vertrautes mit etwas Unvertrautem so mischt, dass wir nicht mehr entscheiden können, ob es sich um das eine oder das andere handelt. Oder … weiterlesen ›