Schreiben als Ersatz für Psychotherapie? — Eine kritische Einordnung der Arbeiten von Pennebaker aus tiefenpsychologischer Perspektive

Einleitung Die Arbeiten von James W. Pennebaker (geb. 1950) zur Wirkung des expressiven Schreibens haben in den letzten Jahrzehnten große Aufmerksamkeit gefunden. Die Befunde sind auf den ersten Blick bemerkenswert: Bereits kurze Phasen intensiver Verschriftlichung emotional belastender Erlebnisse gehen mit messbaren Verbesserungen körperlicher und psychischer Parameter einher. In populären Darstellungen wird daraus nicht selten die … weiterlesen ›

Über die Herausforderung, Symbolbildung zu vermitteln und deren mögliches Scheitern

Einleitung Die Symbolbildung gehört zu den grundlegenden Fähigkeiten des Menschen. Sie bezeichnet jene geistige Operation, durch die singuläre, oft affektiv aufgeladene Erfahrung in eine anschauliche Gestalt transformiert wird, die über den Einzelfall hinausweist, ohne ihn begrifflich zu abstrahieren und damit einzuengen. Symbole, künstlerische Formen, fiktionale Szenen oder Traumfiguren verallgemeinern nicht im Sinne wissenschaftlicher Begriffsbildung, sondern … weiterlesen ›

Denkstile vom Mittelalter bis heute und ihre Beziehung zur Ambiguitätstoleranz

Einleitung: Ratio und Intellectus Die Unterscheidung zwischen Ratio und Intellectus stammt aus der mittelalterlichen Philosophie, insbesondere von Denkern wie Thomas von Aquin und Anselm von Canterbury. Diese Begriffe haben sich auf unterschiedliche Weisen in der Philosophiegeschichte entwickelt und beeinflussen noch heute, wie wir Konzepte wie Logik, Kognition und Lebensklugheit verstehen. Ist Ratio ein männlicher und … weiterlesen ›