Über Warten als psycho-soziale und kulturelle Praxis

Einleitung Warten ist ein zentraler, oft unterschätzter Aspekt menschlicher Erfahrung. In der Psychotherapie ist es eine Schlüsselkompetenz: Sowohl der Therapeut als auch der Patient müssen die Fähigkeit entwickeln, Ambiguität auszuhalten, ohne vorschnelle Deutungen zu produzieren. Warten ist mehr als passives Abwarten: Es ist eine aktive Funktion des Ichs, die Reifung, Autonomie und innere Struktur ermöglicht. … weiterlesen ›

Warum Krieg — Zum dynamischen Verhältnis von Inzestscheu und Kriegsbegeisterung

Einleitung Das Inzesttabu gilt als eine der ältesten und universellsten kulturellen Errungenschaften der Menschheit. Claude Lévi-Strauss sah in ihm den eigentlichen Gründungsakt von Kultur, Sigmund Freud deutete es als notwendige Antwort auf archaische libidinöse Wünsche. Weniger beachtet wird jedoch, dass das Inzestverbot nicht nur eine regulierende, sondern auch eine dynamische Funktion erfüllt: Es erzeugt Spannungen, … weiterlesen ›

Bemerkungen zu den kunstpädagogischen Ansätzen von Viktor Lowenfeld und Alain Nicolaidis

Einleitung Die Kunstpädagogik des 20. und frühen 21. Jahrhunderts wurde maßgeblich durch die Beiträge Viktor Lowenfelds und Alain Nicolaidis’ geprägt. Während Lowenfeld eine kunstpädagogische Theorie entwickelte, die in der psychologischen und affektiven Entwicklung des Kindes gründet, verortet Nicolaidis ästhetische Lernprozesse als kulturelle und gesellschaftliche Praxis. Die unterschiedlichen biografischen Hintergründe beider Pädagogen haben ihre theoretischen Grundannahmen … weiterlesen ›

Zur Verwendung des Begriffs der Prägung als Metapher

Einleitung Sprache, die notwendigerwiese auf die Verwendung von Metaphern angewiesen ist, formt nicht nur unsere Gedanken, sie lenkt auch, wie wir über uns selbst und die Welt nachdenken. Metaphorische Begriffe tragen Geschichte, Bilder und implizite Theorien in sich. Einer dieser vielschichtigen Begriffe ist die Prägung. Ursprünglich stammt er aus der Metallbearbeitung: Eine Münze erhält ihr … weiterlesen ›

Zur Kritik popularisierter psychotherapeutischer Konzepte

Einleitung Wie bei allen Popularisierungen hat man es mit Vereinfachungen zu tun, die auf den ersten Blick vermutlich sofort einleuchten, jedem Laien innerhalb von wenigen Minuten verständlich zu machen sind und die Lösung von fast allen Problemen in kürzester Zeit versprechen. Leider ist diese Methode eine der erfolgreichsten im Zeitalter der Massenmedien, weil Propaganda nur … weiterlesen ›

Die Theorie des Spracherwerbs im Vergleich mit der Psychoanalyse

Einleitung Stephen Krashens Theorie das Erlernen einer Fremdsprache mit den Erkenntnissen des primären kindlichen Spracherwerbs zu verbinden und die Psychoanalyse Freuds sind zwei sehr verschiedene theoretische Beschreibungsweisen und Praktiken in Bezug auf kulturelle Prozesse in Psychotherapie hier und Pädagogik dort. Aber es gibt einige interessante Überschneidungen und potenzielle Beziehungen zwischen beiden Disziplinen in methodischer Hinsicht. … weiterlesen ›

Film – Jack

Der Film „Jack“ aus dem Jahr 2014 von Edward Berger beginnt mit einer ganz ruhigen Einstellung: zwei Kinder liegen mit freiem Oberkörper im Bett, man sieht nur die nackten Rücken in mildem Licht. „Jack“ ist ein Film über Kinder in der Erwachsenenwelt aber kein Kinderfilm. Schon die zweite Szene macht das deutlich. Der 10-jährige Jack … weiterlesen ›