Zur Psychologie des Bitcoin — Vom spekulativen Mythos zur infrastrukturellen Nüchternheit

Einleitung Kaum ein Phänomen der modernen Finanzgeschichte wurde so stark von Psychologie geprägt wie Bitcoin. Während klassische Währungen ihre Stabilität aus Staaten, Zentralbanken und militärisch-politischer Ordnung beziehen, entstand Bitcoin zunächst nahezu ausschließlich aus einem psychologischen Raum heraus: aus Misstrauen, Hoffnung, technologischer Faszination und der Sehnsucht nach Unabhängigkeit von bestehenden Institutionen. Gerade deshalb lässt sich Bitcoin … weiterlesen ›

Von der Mythologie zur Epistemologie — Sokrates und Poseidon als Gegenspieler und Verbündete

Einleitung Die Philosophiegeschichte erzählt den Übergang vom Mythos zum Logos häufig als Geschichte der Entzauberung: Der Mensch löst sich von den Göttern, ersetzt mythologische Erzählungen durch rationale Argumentation und gewinnt dadurch eine verlässlichere Orientierung in der Welt. Legendär verdichtet sich diese Erfahrungswelt in Homers Darstellung des Verhältnisses von Odysseus und Poseidon. Doch vielleicht ist diese … weiterlesen ›

Überlegungen zu einer nicht-moralisierenden Theorie der Dekadenz

Einleitung Die folgenden Überlegungen zu einer nicht-moralisierenden Theorie der Dekadenz werden am Phänomen des stillschweigenden Funktionswechsels ehemals sinngebundener Strukturen entwickelt. Mit dem Begriff „Sinn“ meine ich den geistigen Gehalt einer Form oder einer Struktur. Wenn ich im folgenden von „Sinn“ oder von „geistigem Gehalt“ spreche, so ist dies synonym zu verstehen. Der Begriff der Dekadenz … weiterlesen ›

Zur fragilen Indikation tiefenpsychologischer Behandlung bei Abhängigkeitserkrankungen

Einleitung Die Indikation tiefenpsychologischer Behandlung erweist sich bei Abhängigkeitserkrankungen häufig als fragil, weil ihre Methodik an strukturelle Minimal-Voraussetzungen und an die Fähigkeit zum symbolischen Denken gebunden ist. Diese sind bei Menschen mit Abhängigkeitserkranken meist nicht ausreichend vorhanden. In der Ausbildung angehender Psychotherapeuten zeigt sich immer wieder eine typische Herausforderung: Der Wunsch, auch bei abhängigen Patienten … weiterlesen ›

Überlegungen zur Dialektik des Erfolgs und die Fallstricke seiner pseudogenialen Wiederholung

Einleitung Es gehört zu den merkwürdigen Konstanten menschlichen Handelns, dass gerade erfolgreiche Strategien besonders anfällig für folgenschwere Irrtümer werden. Man könnte sogar sagen: Der Erfolg ist oft der Anfang des Fehlers. Nicht weil der erste Einfall falsch gewesen wäre – im Gegenteil. Das Problem beginnt erst, wenn ein einmal gelungenes Handeln zur allgemeinen Regel erhoben … weiterlesen ›

Kritik an einer Konzeptualisierung der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie als Fokalbehandlung

Einleitung Die gegenwärtige psychodynamische Psychotherapie steht in einem eigentümlichen Spannungsfeld. Einerseits richtet sich der diagnostische und therapeutische Blick zunehmend auf sogenannte Strukturdefizite: eingeschränkte Affektdifferenzierung, geringe Frustrationstoleranz, konkretistisches Denken, fragile Selbst-Objekt-Grenzen. Andererseits soll die Behandlung dieser Defizite in zeitlich begrenzten, fokalen Settings erfolgen – nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen und im Bemühen, sie von der Psychoanalyse … weiterlesen ›

Versuch über optische Konstruktionen der Wirklichkeit in Werbung und Propaganda

Einleitung Wenn optische Rekonstruktionen historische oder biologische Vergangenheit inszenieren, dann zielen optische Konstruktionen darauf ab, Gegenwart und Zukunft zu formen. Werbung und Propaganda bedienen sich beider derselben Mittel: Bilder erzeugen, die nicht einfach abbilden, sondern Wirklichkeiten schaffen. Dabei wird nicht nur etwas gezeigt, sondern ein bestimmter Blick erzeugt, der das Wahrgenommene rahmt, überhöht und mit … weiterlesen ›

Busch und Biedermeier

Wilhelm Busch und seine Beziehung zu Biedermeier, Groteske und Wahnsinn: Eine literarische und künstlerische Erkundung Wilhelm Busch (1832–1908) ist heute vor allem für seine satirischen Bildergeschichten bekannt, die als Vorläufer des modernen Comics gelten. Seine Werke wie „Max und Moritz“ und „Die fromme Helene“ sind Teil der Allgemeinbildung in der deutschen Kultur und bieten eine … weiterlesen ›

Lebenslügen, Illusionen und Selbsttäuschungen

Einleitung Das Konzept der „Lebenslüge“ ist ein viel bearbeitetes Thema in der Philosophie, Literatur und Psychologie. Es beschreibt die Selbsttäuschungen, die Menschen aufrechterhalten, um unangenehme Wahrheiten über sich selbst oder ihre Lebenssituation zu vermeiden. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Denker und Autoren mit diesem Thema auseinandergesetzt. Im Folgenden werden einige bedeutende Theaterstücke und … weiterlesen ›