Karl Kraus als Herausforderung für die Psychoanalyse — Über Reduktionismus, Heuristiken und die Grenzen psychologischen Verstehens

Einleitung Als Karl Kraus (1874-1936) über die Psychoanalyse spottete, sie sei jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich halte, zielte seine Kritik vermutlich weniger auf einzelne Theorien als auf eine bestimmte geistige Haltung, die er bei den Psychoanalytikern seiner Zeit vermutete. Die Psychoanalyse erschien ihm als Versuch, die Komplexität menschlichen Lebens mit einer gewissen neurotischen … weiterlesen ›

Resonanztheoretische Numerologie als tiefenpsychologisches Deutungsmodell

Einleitung Zahlen werden in der modernen Wissenschaft primär als formale, quantitative Entitäten verstanden. In symbolischen, philosophischen und tiefenpsychologischen Traditionen hingegen erscheinen Zahlen zugleich als qualitative Ordnungsbilder, als geometrische formen bzw. Gestalten, die Struktur, Spannung und Entwicklungsstand (z.B. in der Sequenz von 0 bis 9) ausdrücken. Zwischen diesen beiden Perspektiven besteht keine notwendige Konkurrenz, sondern eine … weiterlesen ›

Die Bedeutung der Sprache bei Alfred Lorenzer und Paul Ricœur

Alfred Lorenzer (1922-2002) und Paul Ricœur (1913-2005) haben beide bedeutende Beiträge zur Theorie der Sprache in der Psychoanalyse geleistet, allerdings aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ein Vergleich ihrer Theorien zur Sprache in der Psychoanalyse kann interessante Einsichten in die Art und Weise bieten, wie Sprache in der therapeutischen Praxis und in der Interpretation von … weiterlesen ›

Die Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik – Volle Kraft voraus in die Tiefenpsychologie

Einleitung Die Psychoanalyse, begründet von Sigmund Freud, war über ein Jahrhundert lang eine der einflussreichsten Theorien zur Erklärung des menschlichen Erlebens und ihrer psychischen Beeinträchtigung durch neurotische Symptome. Ihr Fokus auf das Unbewusste, die Bedeutung frühkindlicher Erfahrungen und die dynamischen Konflikte zwischen verschiedenen psychischen Instanzen prägte nicht nur die Psychotherapie über Generationen, sondern auch die … weiterlesen ›

Mimesis, Kreativität und Kritik

Einleitung In diesem Beitrag sollen die wichtigen Begriffe Mimesis, Kreativität und Kritik näher unter der Perspektive literaturtheoretischer Fragestellungen beleuchtet werden. Dabei geht es mir aber nicht ausschließlich um die Abfassung von Erzählungen oder Romanen, sondern auch um die Erstellung von wissenschaftlichen Artikeln oder Gelegenheitsschriften wie fachlichen Gutachten o.ä., die ebenfalls auf die Auswertung von Material, … weiterlesen ›

Sackgassen der Interpretation

Mit der metaphorischen Beschreibung von „Sackgassen“ in der Hermeneutik soll nicht suggeriert werden, dass eine Interpretation in einem absoluten Sinne einen Wahrheitsgehalt für sich beanspruchen dürfte und diese einer anderen mit Bestimmtheit abzusprechen sei. Interpretationen sind m.E. immer nur tastende Versuche, einen Gegenstand zu beschreiben und können nur nach zwei Kriterien beurteilt werden. Einmal wird … weiterlesen ›