Gedanken zu Vergangenheitsorientierung, Gegenwartsorientierung und Zukunftsorientierung in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Einleitung Die moderne Psychotherapie beschäftigt sich intensiv mit der Vergangenheit. Kindheitserfahrungen, infantile Konflikte, Symbiose und Individuation, Bindungserfahrungen, Traumata, Prägungen und Beziehungsgeschichten rund um Eifersucht und Rivalität gelten als wichtige Schlüssel zum Verständnis psychischer Probleme. Diese Perspektive ist zweifellos berechtigt. Niemand entwickelt sich im luftleeren Raum. Jeder Mensch trägt die Spuren seiner Geschichte in sich. Dennoch … weiterlesen ›

Angebote zur Selbstdeutung am Beispiel von Schiller und Grönemeyer — Die Dialektik von Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz im historischen Prozess

Einleitung Kulturen leben nicht allein von Institutionen, Gesetzen oder wirtschaftlichen Strukturen. Sie leben vor allem von Erzählungen. Diese Erzählungen beantworten nicht nur die Frage, wie die Welt beschaffen ist, sondern auch die Frage, wie wir uns selbst verstehen sollen und wollen. Die großen Texte einer Kultur wie die Odyssee oder das Neue Testament sind deshalb … weiterlesen ›

Gibt es wahre Freundschaft? — Über die Dialektik von Utopie und Methode

Einleitung Vor einiger Zeit stellte mir ein Patient eine scheinbar einfache Frage: „Gibt es wahre Freundschaft überhaupt? Oder läuft am Ende nicht jede Beziehung auf gegenseitigen Nutzen, auf Leistung und Gegenleistung hinaus?“ Die Frage war keineswegs neu. In unterschiedlicher Form begleitet sie die Menschheit seit der Antike. Neu war jedoch die Selbstverständlichkeit, mit der die … weiterlesen ›

Wie denken Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas?

Einleitung Die Frage, wie Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas denken, erscheint zunächst einfach. Man könnte vermuten, tiefenpsychologisch arbeitende Psychotherapeuten würden vor allem „tiefen-psychologisch“ denken – also Gefühle verstehen, Beziehungen deuten oder Konflikte analysieren. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass psychotherapeutisches Denken weit komplexer ist. Es handelt sich nicht um eine einzelne Denkform, sondern … weiterlesen ›

Schreiben als Ersatz für Psychotherapie? — Eine kritische Einordnung der Arbeiten von Pennebaker aus tiefenpsychologischer Perspektive

Einleitung Die Arbeiten von James W. Pennebaker (geb. 1950) zur Wirkung des expressiven Schreibens haben in den letzten Jahrzehnten große Aufmerksamkeit gefunden. Die Befunde sind auf den ersten Blick bemerkenswert: Bereits kurze Phasen intensiver Verschriftlichung emotional belastender Erlebnisse gehen mit messbaren Verbesserungen körperlicher und psychischer Parameter einher. In populären Darstellungen wird daraus nicht selten die … weiterlesen ›