Karl Kraus als Herausforderung für die Psychoanalyse — Über Reduktionismus, Heuristiken und die Grenzen psychologischen Verstehens

Einleitung Als Karl Kraus (1874-1936) über die Psychoanalyse spottete, sie sei jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich halte, zielte seine Kritik vermutlich weniger auf einzelne Theorien als auf eine bestimmte geistige Haltung, die er bei den Psychoanalytikern seiner Zeit vermutete. Die Psychoanalyse erschien ihm als Versuch, die Komplexität menschlichen Lebens mit einer gewissen neurotischen … weiterlesen ›

Zwischen Konversion und Falsifikation – Nock, Freud, Popper und Festinger über die Krise menschlicher Orientierung

Einleitung Als der Religionshistoriker Arthur Darby Nock 1933 sein berühmtes Werk Conversion veröffentlichte, untersuchte er zunächst ein historisches Problem. Wie war es möglich, dass die religiöse Welt der griechischen Polis allmählich verschwand und durch völlig neue Formen religiöser Orientierung ersetzt wurde? Warum verloren die traditionellen Götter ihre Selbstverständlichkeit, während Mysterienreligionen, philosophische Schulen und schließlich das … weiterlesen ›

Von der Mythologie zur Epistemologie — Sokrates und Poseidon als Gegenspieler und Verbündete

Einleitung Die Philosophiegeschichte erzählt den Übergang vom Mythos zum Logos häufig als Geschichte der Entzauberung: Der Mensch löst sich von den Göttern, ersetzt mythologische Erzählungen durch rationale Argumentation und gewinnt dadurch eine verlässlichere Orientierung in der Welt. Legendär verdichtet sich diese Erfahrungswelt in Homers Darstellung des Verhältnisses von Odysseus und Poseidon. Doch vielleicht ist diese … weiterlesen ›

Drei Grundformen religiöser Orientierung – Zur Formbildung spiritueller Vermittlung zwischen Mensch und Welt

Einleitung Religiöse Systeme lassen sich nicht allein als Sammlungen von Glaubenssätzen oder kulturellen Traditionen verstehen. Sie sind vielmehr als historisch gewachsene Formen der Orientierung zu begreifen, in denen sich eine grundlegende Frage verdichtet: Wie kann sich der Mensch zu einer Welt in Beziehung setzen, die ihm weder vollständig verfügbar noch eindeutig erschlossen ist? In diesem … weiterlesen ›

Tschechows Krankenstation als metaphorischer Ort

Einleitung Bereits die Romantiker hatten das Individuum in seiner Subjektivität als empfindendes Wesen in die Literatur eingebracht. Etwa 100 Jahre später wird die Frage nach dessen Subjektivität im Rahmen existenzialistischer Welterfahrung neu beantwortet. Jetzt erscheint das Subjekt wesenhaft ohnmächtig gegenüber seiner Umwelt. Deshalb hier der Rekurs auf Tschechow und die sich an ihn anknüpfende Literatur. … weiterlesen ›

Denkstile vom Mittelalter bis heute und ihre Beziehung zur Ambiguitätstoleranz

Einleitung: Ratio und Intellectus Die Unterscheidung zwischen Ratio und Intellectus stammt aus der mittelalterlichen Philosophie, insbesondere von Denkern wie Thomas von Aquin und Anselm von Canterbury. Diese Begriffe haben sich auf unterschiedliche Weisen in der Philosophiegeschichte entwickelt und beeinflussen noch heute, wie wir Konzepte wie Logik, Kognition und Lebensklugheit verstehen. Ist Ratio ein männlicher und … weiterlesen ›

Orte psychologischer Erkenntnis: Die Ausgangslage

Im Hintergrund dieser Beitragsserie zu den „Orten psychologischer Erkenntnis“ steht die Frage: Ist die Psychologie eine Naturwissenschaft oder eine Kulturwissenschaft? Anstatt dies philosophisch-erkenntnistheoretisch zu erörtern, möchte ich einen topographischen Weg einschlagen und fragen, könnte es sein, dass sich je nach den jeweiligen Orten der psychologischen Erkenntnis und dem damit verbundenen Menschenbildern ein mehr kulturwissenschaftliches oder … weiterlesen ›