Gedanken zu Vergangenheitsorientierung, Gegenwartsorientierung und Zukunftsorientierung in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Einleitung Die moderne Psychotherapie beschäftigt sich intensiv mit der Vergangenheit. Kindheitserfahrungen, infantile Konflikte, Symbiose und Individuation, Bindungserfahrungen, Traumata, Prägungen und Beziehungsgeschichten rund um Eifersucht und Rivalität gelten als wichtige Schlüssel zum Verständnis psychischer Probleme. Diese Perspektive ist zweifellos berechtigt. Niemand entwickelt sich im luftleeren Raum. Jeder Mensch trägt die Spuren seiner Geschichte in sich. Dennoch … weiterlesen ›

Wie denken Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas?

Einleitung Die Frage, wie Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas denken, erscheint zunächst einfach. Man könnte vermuten, tiefenpsychologisch arbeitende Psychotherapeuten würden vor allem „tiefen-psychologisch“ denken – also Gefühle verstehen, Beziehungen deuten oder Konflikte analysieren. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass psychotherapeutisches Denken weit komplexer ist. Es handelt sich nicht um eine einzelne Denkform, sondern … weiterlesen ›

Von der Mythologie zur Epistemologie — Sokrates und Poseidon als Gegenspieler und Verbündete

Einleitung Die Philosophiegeschichte erzählt den Übergang vom Mythos zum Logos häufig als Geschichte der Entzauberung: Der Mensch löst sich von den Göttern, ersetzt mythologische Erzählungen durch rationale Argumentation und gewinnt dadurch eine verlässlichere Orientierung in der Welt. Legendär verdichtet sich diese Erfahrungswelt in Homers Darstellung des Verhältnisses von Odysseus und Poseidon. Doch vielleicht ist diese … weiterlesen ›

Drei Grundformen religiöser Orientierung – Zur Formbildung spiritueller Vermittlung zwischen Mensch und Welt

Einleitung Religiöse Systeme lassen sich nicht allein als Sammlungen von Glaubenssätzen oder kulturellen Traditionen verstehen. Sie sind vielmehr als historisch gewachsene Formen der Orientierung zu begreifen, in denen sich eine grundlegende Frage verdichtet: Wie kann sich der Mensch zu einer Welt in Beziehung setzen, die ihm weder vollständig verfügbar noch eindeutig erschlossen ist? In diesem … weiterlesen ›

Lernen aus Erfahrung in der Psychotherapie – Von der Irritation zur Integration

Einleitung Das Lernen in der Psychotherapie unterscheidet sich grundlegend von einem rein kognitiven Wissenserwerb. Es geht nicht nur darum, Theorien zu verstehen oder Techniken anzuwenden, sondern darum, Erfahrungen zu verarbeiten (Bion) und in die eigene psychische Struktur zu integrieren. Dieser Prozess ist notwendig mit einem Zustand verbunden, der häufig als unangenehm erlebt wird — der … weiterlesen ›

Schreiben als Ersatz für Psychotherapie? — Eine kritische Einordnung der Arbeiten von Pennebaker aus tiefenpsychologischer Perspektive

Einleitung Die Arbeiten von James W. Pennebaker (geb. 1950) zur Wirkung des expressiven Schreibens haben in den letzten Jahrzehnten große Aufmerksamkeit gefunden. Die Befunde sind auf den ersten Blick bemerkenswert: Bereits kurze Phasen intensiver Verschriftlichung emotional belastender Erlebnisse gehen mit messbaren Verbesserungen körperlicher und psychischer Parameter einher. In populären Darstellungen wird daraus nicht selten die … weiterlesen ›

Grundprobleme einer mehrdimensionalen Theorie subjekthaften Handelns

Einleitung Die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit subjekthaften Handelns, das es dem Einzelnen erlaubt, in der modernen Welt handlungsfähig und realitätsmächtig zu bleiben, gehört zu den klassischen Problemen der Philosophie und der Sozialwissenschaften. Unter gegenwärtigen Bedingungen der Massenkultur stellt sie sich jedoch in verschärfter Form. Denn das Subjekt handelt nicht mehr in stabilen, überschaubaren … weiterlesen ›

Kontextualisierung als Grundbedingung von Wahrnehmung, Interaktion und Resilienz

Einleitung In diesem Beitrag geht es um Kontextualisierung als anthropologische Grundbedingung. Wahrnehmung ist niemals isolierte Reizaufnahme. Sie ist immer bereits gerahmt. Was wir sehen, hören oder fühlen, erscheint uns nicht als neutrales Faktum, sondern als bedeutungshaltige Gestalt – und diese Bedeutung entsteht durch Kontextualisierung. Die Gestaltpsychologie hat dies früh gezeigt: Parallele Linien erscheinen schräg, wenn … weiterlesen ›

Ein Weckruf für Europa — Selenskyjs Rede in Davos

Einleitung Ukraines Präsident Wolodimir Selenski hat Europa in Davos gestern scharf kritisiert und seine Aussage als Weckruf formuliert. Dies sollte als Aufforderung verrstanden werden, sich mit der politischen und kulturellen Identität Europas im emphatischen Sinne auseinanderzusetzen und nicht gleich wieder zur Tagesordnung überzugehen. Was Selenskyj inhaltlich gesagt hat Er warf Europas Führung politische Untätigkeit, mangelnde … weiterlesen ›

Narrative als anthropologisches Erbe

Einleitung Religiöser Glaube bindet sich selten an abstrakte Ideen, sondern fast immer an Inhalte, Bilder und Geschichten: Exodus, Passion, Auferstehung, Schöpfungsmythen etc. Der Mensch glaubt nicht primär an Dogmen, sondern an Narrative, die Sinn, Trost, Hoffnung, Orientierung und Identität stiften. Dieser Beitrag knüpft an den Beitrag über religiösen Glauben an und fragt implizit, ob es … weiterlesen ›