Angebote zur Selbstdeutung am Beispiel von Schiller und Grönemeyer — Die Dialektik von Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz im historischen Prozess

Einleitung Kulturen leben nicht allein von Institutionen, Gesetzen oder wirtschaftlichen Strukturen. Sie leben vor allem von Erzählungen. Diese Erzählungen beantworten nicht nur die Frage, wie die Welt beschaffen ist, sondern auch die Frage, wie wir uns selbst verstehen sollen und wollen. Die großen Texte einer Kultur wie die Odyssee oder das Neue Testament sind deshalb … weiterlesen ›

Die chaostheoretische Begründung einer zukünftigen Psychodynamik und ihre Bedeutung für die Tiefenpsychologie

Einleitung Die klassische Tiefenpsychologie entstand im Zeitalter des naturwissenschaftlichen Determinismus. Sigmund Freud war überzeugt, dass psychische Prozesse prinzipiell ebenso gesetzmäßig erklärbar seien wie physikalische oder biologische Vorgänge. Hinter Symptomen sollten sich eindeutige Ursachen, stabile Mechanismen und allgemeine psychodynamische Gesetze finden lassen. Gerade hierin lag jedoch möglicherweise ein grundlegendes Selbstmissverständnis der frühen Psychoanalyse. Denn Freud entwickelte … weiterlesen ›

Überlegungen zu einer Kritik an „Hüftschussdeutungen“ in der Psychotherapie

Einleitung In der psychotherapeutischen Praxis – insbesondere im tiefenpsychologischen und psychoanalytischen Kontext – begegnet man immer wieder Deutungen, die scheinbar treffend, pointiert und plausibel erscheinen, deren Wirkung jedoch hinter den Erwartungen zurückbleibt. Nicht selten bleiben sie folgenlos oder lösen eher Unverständnis aus. Im Folgenden soll der These nachgegangen werden, inwiefern das Problem solcher „Hüftschussdeutungen“ nicht … weiterlesen ›

Grundprobleme der Probatorik — Warum man die Probatorik ernst nehmen sollte

Motto: „Die Probatorik ist der institutionalisierte Versuch, in einer von Verführung und Beschleunigung geprägten Kultur einen Raum zu schaffen, in dem situatives Verstehen ermöglicht wird.“ Einleitung Die probatorischen Gespräche zur Vorbereitung und Beantragung einer tiefenpsychologischen Behandlung stehen unter einem eigentümlichen Spannungsverhältnis. Einerseits wird von ihnen erwartet, dass sie Orientierung schaffen: Worum geht es? Welche Problematik … weiterlesen ›

Sackgassen der Interpretation

Mit der metaphorischen Beschreibung von „Sackgassen“ in der Hermeneutik soll nicht suggeriert werden, dass eine Interpretation in einem absoluten Sinne einen Wahrheitsgehalt für sich beanspruchen dürfte und diese einer anderen mit Bestimmtheit abzusprechen sei. Interpretationen sind m.E. immer nur tastende Versuche, einen Gegenstand zu beschreiben und können nur nach zwei Kriterien beurteilt werden. Einmal wird … weiterlesen ›

Darf man als Psychotherapeut Shakespeare zitieren?

Welchen Sinn kann es haben, im Rahmen einer analytischen Psychotherapie zur Vermeidung von Schweigen oder um das Risiko zu verringern, den psychotherapeutischern Dialog zum Entgleisen zu bringen, auf Assoziationen aus der Geschichte oder Literatur etc zurückzugreifen? Lassen Sie mich von einem Beispiel ausgehen: In ihrem Buch „Blumen auf Granit“ (1979) beschreibt die Autorin D.v. Drigalski … weiterlesen ›