Narrativ, emotionales Erleben und kommunikative Handlung in der Tiefenpsychologie

Einleitung Patienten erzählen in der Psychotherapie Geschichten über sich selbst. Sie berichten von ihrer Vergangenheit, formulieren Wünsche für die Zukunft, beschreiben ihre Absichten und bieten Erklärungen an für ihr Erleben. Vieles bezieht sich explizit oder implizit auf andere Menschen aus der Vergangenheit oder der Gegenwart. Diese narrative Ebene ist unverzichtbar, denn ohne Sprache wäre psychotherapeutisches … weiterlesen ›

Die Zukunft einer Illusion — Über Psychoanalyse, Freud, Dostojewskij und die Frage nach dem Sinn des Lebens

Einleitung Als Sigmund Freud 1927 seine Schrift „Die Zukunft einer Illusion“ veröffentlichte, richtete sich seine Kritik gegen die Religion. Religiöse Vorstellungen erschienen ihm als psychische Konstruktionen, die weniger aus Erkenntnis als aus menschlichen Wünschen hervorgegangen seien. Der Mensch sehne sich nach Schutz, Orientierung und Gerechtigkeit in einer Welt voller Leid, Zufall und Vergänglichkeit. Die Religion … weiterlesen ›

Angebote zur Selbstdeutung am Beispiel von Schiller und Grönemeyer — Die Dialektik von Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz im historischen Prozess

Einleitung Kulturen leben nicht allein von Institutionen, Gesetzen oder wirtschaftlichen Strukturen. Sie leben vor allem von Erzählungen. Diese Erzählungen beantworten nicht nur die Frage, wie die Welt beschaffen ist, sondern auch die Frage, wie wir uns selbst verstehen sollen und wollen. Die großen Texte einer Kultur wie die Odyssee oder das Neue Testament sind deshalb … weiterlesen ›

Wie denken Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas?

Einleitung Die Frage, wie Psychotherapeuten im Rahmen eines tiefenpsychologischen Paradigmas denken, erscheint zunächst einfach. Man könnte vermuten, tiefenpsychologisch arbeitende Psychotherapeuten würden vor allem „tiefen-psychologisch“ denken – also Gefühle verstehen, Beziehungen deuten oder Konflikte analysieren. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass psychotherapeutisches Denken weit komplexer ist. Es handelt sich nicht um eine einzelne Denkform, sondern … weiterlesen ›

Überlegungen zu einer Kritik an „Hüftschussdeutungen“ in der Psychotherapie

Einleitung In der psychotherapeutischen Praxis – insbesondere im tiefenpsychologischen und psychoanalytischen Kontext – begegnet man immer wieder Deutungen, die scheinbar treffend, pointiert und plausibel erscheinen, deren Wirkung jedoch hinter den Erwartungen zurückbleibt. Nicht selten bleiben sie folgenlos oder lösen eher Unverständnis aus. Im Folgenden soll der These nachgegangen werden, inwiefern das Problem solcher „Hüftschussdeutungen“ nicht … weiterlesen ›

Grundprobleme der Probatorik — Warum man die Probatorik ernst nehmen sollte

Motto: „Die Probatorik ist der institutionalisierte Versuch, in einer von Verführung und Beschleunigung geprägten Kultur einen Raum zu schaffen, in dem situatives Verstehen ermöglicht wird.“ Einleitung Die probatorischen Gespräche zur Vorbereitung und Beantragung einer tiefenpsychologischen Behandlung stehen unter einem eigentümlichen Spannungsverhältnis. Einerseits wird von ihnen erwartet, dass sie Orientierung schaffen: Worum geht es? Welche Problematik … weiterlesen ›

Bemerkungen über optische und visuelle Wahrnehmung

Einleitung Die Unterscheidung zwischen optischer Wahrnehmung und visuellem Verständnis eröffnet einen Denkraum, in dem Sehen nicht länger als bloßer Sinnesakt erscheint, sondern als eine vielschichtige kulturelle, biologische und symbolische Leistung. Sie erlaubt es, jene Differenz sichtbar zu machen, die zwischen dem bloßen Erfassen von Reizen und dem Verstehen von Sinn liegt – eine Differenz, die … weiterlesen ›

Zum Spannungsverhältnis von Psyche und Gehirn

Einleitung Die Spannung zwischen psychischem Erleben und neurobiologischem Geschehen ist kein randständiges Problem der Psychologie, sondern berührt ihren innersten Kern. Seit der Entstehung der modernen Psychologie steht sie vor der Aufgabe, einen Gegenstand zu erfassen, der sich zugleich als subjektiv-sinnhaftes Erleben und als leiblich-neuronales Geschehen zeigt. Dieses Doppelgesicht ist keine vorübergehende theoretische Schwierigkeit, sondern Ausdruck … weiterlesen ›

Die drei Ausprägungen des Kulturmenschen

Einleitung Wenn in diesem Beitrag von „Kulturmenschen“ die Rede sein soll, so sind damit allle Menschen ausgeschlossenen, die an rein materiellen bzw. triebhaften Inhalten ausschließlich interessiert sind. In diesem Sinne verstehen ich auch den Menschenbegriff von Eleanor Roosevelt (1884-1962)die in einem oft zitierten Gedanken drei Typen von Menschen (d.h. Kulturmenschen) unterschied : jene, die sich … weiterlesen ›

Psychoanalyse als Begegnung und Prozess

Einleitung „Psychoanalyse als Beziehung und Prozess“ ist ein tiefgehendes Konzept, das sich mit der Art und Weise befasst, wie psychoanalytische Arbeit durch die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Therapeut und Patient geprägt wird. Diese Beziehung kann reich an Emotionen, Missverständnissen, Durchbrüchen und auch Komplikationen sein. Jedes therapeutische Setting bringt eine Vielzahl von Möglichkeiten, Herausforderungen und sogar Fehltritten … weiterlesen ›