Von der Mythologie zur Epistemologie — Sokrates und Poseidon als Gegenspieler und Verbündete

Einleitung Die Philosophiegeschichte erzählt den Übergang vom Mythos zum Logos häufig als Geschichte der Entzauberung: Der Mensch löst sich von den Göttern, ersetzt mythologische Erzählungen durch rationale Argumentation und gewinnt dadurch eine verlässlichere Orientierung in der Welt. Legendär verdichtet sich diese Erfahrungswelt in Homers Darstellung des Verhältnisses von Odysseus und Poseidon. Doch vielleicht ist diese … weiterlesen ›

Worin unterscheidet sich hilfreiche Psychotherapie von intrusiver Psychotherapie? — Ein Beitrag zum Problem der Haltung in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie

Einleitung Die Frage, was eine hilfreiche Psychotherapie ausmacht, scheint auf den ersten Blick leicht zu beantworten. Man könnte sagen: hilfreich ist, was dem Patienten nützt, intrusiv ist, was ihm schadet. Doch eine solche Unterscheidung greift zu kurz. Denn gerade in der psychotherapeutischen Praxis zeigt sich, dass Interventionen, die subjektiv als hilfreich intendiert sind, in ihrer … weiterlesen ›

Zur Aufhebung der Ambiguität in den Narrativen von Influencern

Einleitung Wenn man sich mit Social Media beschäftigt, bekommt man sehr häufig Analysen zu allen möglichen Themen, die mit umwerfendem Durchblick und scheinbarer Klarheit brillieren. Man hat das Gefühl, endlich einem Experten zuhören zu können, der sagt, wie es wirklich ist und keine Lügen oder Halbwahrheiten verbreitet. Deshalb möchte ich mich hier mal mit einem … weiterlesen ›

Kontextualisierung als Grundbedingung von Wahrnehmung, Interaktion und Resilienz

Einleitung In diesem Beitrag geht es um Kontextualisierung als anthropologische Grundbedingung. Wahrnehmung ist niemals isolierte Reizaufnahme. Sie ist immer bereits gerahmt. Was wir sehen, hören oder fühlen, erscheint uns nicht als neutrales Faktum, sondern als bedeutungshaltige Gestalt – und diese Bedeutung entsteht durch Kontextualisierung. Die Gestaltpsychologie hat dies früh gezeigt: Parallele Linien erscheinen schräg, wenn … weiterlesen ›

Himmel und Hölle im Forschungslabor — Kafkas und Calhouns Arbeiten über die Notwendigkeit von Spannung und Vermittlung

Einleitung In diesem Beitrag geht es um die Fragen: Was geschieht mit einem System, wenn ihm jede Herausforderung genommen wird? Und: Was geschieht mit einem Individuum, wenn es keiner Herausforderung mehr trauen kann? Dies soll anhand der Arbeiten von Franz Kafka und John Calhoun näher untersucht werden. Auf den ersten Blick verbindet den Schriftsteller Franz … weiterlesen ›

Diskursverweigerung — Zum Ritual des Beziehungsabbruchs

Einleitung Es gibt eine merkwürdige Verschiebung, die sich durch sehr unterschiedliche Bereiche unserer Gegenwart zieht. Konflikte werden immer seltener ausgetragen, indem man sie sprachlich bearbeitet. Stattdessen werden Beziehungen beendet. Man spricht nicht mehr miteinander, man zieht sich zurück, bricht den Kontakt ab, entzieht Anerkennung oder beendet institutionelle Zugehörigkeit. Nicht, weil es keine Argumente gäbe, sondern … weiterlesen ›

Denkstile vom Mittelalter bis heute und ihre Beziehung zur Ambiguitätstoleranz

Einleitung: Ratio und Intellectus Die Unterscheidung zwischen Ratio und Intellectus stammt aus der mittelalterlichen Philosophie, insbesondere von Denkern wie Thomas von Aquin und Anselm von Canterbury. Diese Begriffe haben sich auf unterschiedliche Weisen in der Philosophiegeschichte entwickelt und beeinflussen noch heute, wie wir Konzepte wie Logik, Kognition und Lebensklugheit verstehen. Ist Ratio ein männlicher und … weiterlesen ›