Psychotherapie bei Intersexualität in Berlin

Intersexualität in der Psychotherapie

Auf dieser Seite erhalten Sie Informationen zur Psychotherapie bei Intersexualität im Allgemeinen und zum Konzept der psychotherapeutischen Behandlung von intersexuellen Patienten in meiner Praxis in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf.

Intersexualität liegt immer dann vor, wenn aus unterschiedlichen biologischen und/oder psychosozialen Gründen das Geschlecht eines Menschen nicht spontan der weiblichen oder männlichen Kategorie zugeordnet werden kann. Früher gebräuchliche Bezeichnungen von intersexuellen Menschen sind Zwitter oder Hermaphroditen.

Der Blick der anderen

Die unklare geschlechtliche Zuordnung bringt außenstehende Personen leicht in Verwirrung, weil Menschen einem Kategorisierungszwang der unterscheidenden Zuordnung, der sich aus den Gesetzmäßigkeiten der Wahrnehmungspsychologie ableiten lässt, unterliegen und sich eine dritte Möglichkeit nur als nichtgeschlechtliches Neutrum vorstellen können.

Weiterhin wird bei Vorliegen von Intersexualität auch gerne unterstellt, die jeweiligen Betroffenen müssten dann auch bisexuell oder homosexuell sein. Diese Unterstellung ist unrichtig. Intersexualität als solche sagt noch nichts aus über die bevorzugte Partnerwahl.

Die Existenz eines dritten Geschlechts ist weder in der Sprache noch in den Wahrnehmungskategorien vorhanden, wohl aber inzwischen im gesetzlichem Verständnis, welches zuletzt in einem Urteil des Bundesverfassungsgericht gipfelt, dass dem Staat die Aufgabe auferlegt, Betroffenen die Möglichkeit zu eröffnen, sich einem dritten Geschlecht zuordnen zu können.

Der Blick auf sich selbst

Betroffene selbst empfinden sich nicht zwangsläufig als eine Ausnahmeerscheinung der Natur, weil alle Menschen primär die Anlagen zu beiden Geschlechtern in sich tragen und es lediglich von bestimmten Faktoren abhängig ist, welche sexuelle Ausprägung wie stark jeweils zur Geltung kommt.

Die zwanghafte Vorstellung, man müsse Intersexuellen helfen, sich einem Geschlecht eindeutig zuordnen zu können, bedient deshalb fast ausschließlich die Bedürfnisse Dritter und nicht die der Betroffenen selbst.

Allerdings kann ein Problem daraus entstehen, wenn  Betroffene selbst eine Schwierigkeit damit haben, sich einem Geschlecht klar zuzuordnen oder darunter leiden, dass sie von anderen nicht klar einem Geschlecht zugeordnet werden (können).

Korrigierende Geschlechtsumwandlung

Bisher wurden Intersexuelle in der Kindheit häufig frühzeitig geschlechtsumwandelnden Operationen unterzogen, ohne dass ihnen die Möglichkeit gegeben wurde, im Erwachsenenalter selbst frei über ihre Geschlechtszugehörigkeit zu bestimmen.

Falls sie in der Kindheit verstümmelnden Operationen ausgesetzt gewesen waren, werden diese und deren Folgen im Nachhinein meist als körperliche und psychische Traumatisierungen erlebt.

Psychotherapie bei Intersexualität

Intersexuelle empfinden sich nicht selten in den Augen Dritter als Stigmatisierte und stehen unter einem erheblichen Leidensdruck, wenn sie es nicht schaffen, mit ihrer Situation offensiv und unbefangen umzugehen.

Ansatzpunkte für Psychotherapie bei Intersexualität sind vielfältig. Sie reichen von der Bewältigung korrigierender Operationen bis hin zum Verarbeiten psycho-sozialer Konflikte in Beziehungen und im sozialen Umfeld.

Hilfreich kann eine Psychotherapie auch sein, wenn es darum geht typisch weibliche Eigenschaften bei männlich akzentuierten Intersexuellen und typisch männliche Eigenschaften bei weiblich akzentuierten Intersexuellen sinnvoll zu integrieren. Ein typisches Problem von männlich akzentuierten Intersexuellen kann darin bestehen, weibliche Eigenschaften wie starke kommunikative und exhibitionistische Bedürfnisse in ein kohärentes Selbstbild zu integrieren. Entsprechend kann es für weiblich akzentuierte Intersexuelle eine Herausforderung sein, wenn sie starke Neigungen verspüren, sich unweiblich anzuziehen oder andere typisch männliche Verhaltensweisen an den Tag legen. 

In meiner Praxis werden psychosoziale Probleme, die sich aus der Intersexualität von Betroffenen ergeben, vor allem mit den Methoden der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie behandelt. In Einzelfällen ist auch eine psychoanalytische Psychotherapie indiziert.

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Book

Literatur zum Weiterlesen:

„Intersexualität kontrovers: Grundlagen, Erfahrungen, Positionen“
hrsg. von Katinka Schweizer und Hertha Richter-Appelt, Gießen 2012.

Wolfgang Albrecht