Einleitung zum Artikel über die narzisstische Neurose: Psychotherapie in Berlin
Auf dieser Seite erhalten Sie Informationen über die narzisstische Neurose im Allgemeinen, über die mit narzisstischen Neurose einhergehenden Probleme und Beschwerden sowie Informationen über die Behandlung einer narzisstischen Neurose im Rahmen meiner Praxis für Psychotherapie, Psychoanalyse und Coaching in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf.
Allgemeine Informationen zur narzisstischen Neurose
Die narzisstische Neurose ist kein spektakuläres Leiden im Sinne dramatischer Symptome, sondern häufig eher eine leise, schmerzvolle Instabilität des Selbst. Betroffene schwanken zwischen dem Gefühl, etwas Besonderes zu sein, und der lähmenden Überzeugung, im Grunde nichts wert zu sein. Ihr Selbstwert ist fragil – mal übersteigert, mal entleert, abhängig von Resonanz, Erfolg, oder der launischen Aufmerksamkeit anderer. Hinter der Fassade von Souveränität und Überlegenheit steht meist ein Mensch, der sich im Innersten nicht wirklich gespürt, gesehen oder geliebt fühlt.
Heinz Kohut, der Begründer der Selbstpsychologie, sah in diesem Leiden keinen Ausdruck „böser“ oder „egozentrischer“ Charakterzüge, sondern eine Störung in der Entwicklung des Selbst. Das Kind, so Kohut, braucht in der frühen Entwicklung eine empathische, spiegelnde Bezugsperson, die seine Freude, seine Vitalität und seine Bedürfnisse emotional beantwortet. Wird dieses „Spiegeln“ verweigert – weil die Eltern selbst emotional verarmt oder narzisstisch fixiert sind – entsteht ein Riss im Selbstgefühl. Das Kind lernt dann: Ich bin nur wertvoll, wenn ich etwas leiste, wenn ich bewundert werde, wenn ich funktioniere.
Die narzisstische Neurose in der Praxis
In der Praxis begegnen uns Betroffene oft mit einer mühsam aufrechterhaltenen Fassade der Kontrolle. Eine junge Studentin etwa beschreibt, wie sie sich nur dann lebendig fühlt, wenn ihre Entwürfe gelobt werden. „Wenn die Prfessorin nichts sagt“, sagt sie, „fühle ich mich sofort wertlos. Dann lösche ich alles und fange neu an.“ In der therapeutischen Beziehung zeigt sich, dass sie auch dazu neigt, den Therapeuten zu idealisieren oder abzuwerten – je nachdem, ob sie sich verstanden fühlt oder nicht. Kleine Nuancen in der Kommunikation – ein Stirnrunzeln, ein Moment des Schweigens – lösen sofort Scham und Rückzug aus.
Das Kernproblem der narzisstischen Neurose ist, dass das Selbstgefühl nicht aus einem inneren Erleben genährt wird, sondern aus äußerer Spiegelung. Kohut nannte dies ein Defizit an „Selbstobjekt-Erfahrungen“ – also an Menschen, die das kindliche Selbst nicht nur beobachten, sondern innerlich mitschwingen, die Freude teilen, Schmerz mitfühlen und Grenzen empathisch setzen. Wenn diese Spiegelung ausbleibt, verfestigt sich eine Struktur, in der das Selbst ständig auf der Suche nach äußerer Bestätigung bleibt.
Therapeutische Ansätze bei der Behandlung einer narzisstischen Neurose
In der therapeutischen Arbeit mit Betroffenen ist daher Empathie nicht bloß eine Haltung, sondern das eigentliche Heilmittel. Die klassische Deutung, das „Entlarven“ der Abwehr, führt hier meist in die Sackgasse, weil der Patient in dem Moment, in dem er sich analysiert fühlt, die innere Scham kaum erträgt. Kohut betonte, dass der Therapeut zunächst die narzisstischen Bedürfnisse des Patienten ernst nehmen müsse – das Bedürfnis, bewundert, verstanden oder gesehen zu werden – und ihnen eine symbolische Erfüllung bieten solle, bis das Selbst ausreichend stabil geworden ist.
In der Praxis bedeutet das, dem Patienten authentische Anteilnahme zu ermöglichen. Ein Mann Mitte vierzig, erfolgreicher Wissenschaftler, kommt in die Stunde und erzählt, wie er bei einem Vortrag einen Blackout hatte. Früher hätte man im Rahmen eines Konfliktmodells vielleicht nach unbewusster Angst oder Konkurrenzkonflikten gefragt; heute würde man im Rahmen eines Selbstpsychoanalytischen Ansatzes eher sagen: „Das muss ein Moment großer Hilflosigkeit gewesen sein, wenn Ihnen plötzlich die Kontrolle entgleitet.“
Der therapeutische Prozess gleicht einem langsamen Erwärmen eingefrorener Gefühle. Mit der Zeit kann der Patient erleben, dass er nicht in sich zusammenfällt, wenn er nicht glänzt, dass Nähe möglich ist, ohne Bewunderung erzwingen zu müssen. Die Wut, die früher als Kränkungsexplosion nach außen gerichtet war, wird zu einer Trauer über das Verlorene – über die nie gelebte kindliche Unmittelbarkeit, über Eltern, die nur auf Leistung oder Anpassung reagierten.
Therapieziele bei einer narzisstischen Neurose
Das Ziel einer tiefenpsychologischen Behandlung liegt nicht darin, den Narzissmus „abzuschaffen“, sondern ihn zu integrieren. Kohut sprach von einem „kohäsiven Selbst“, das seine Ambitionen, seinen Stolz und seine Verletzlichkeit zu halten vermag. Wenn der Patient beginnt, sein Bedürfnis nach Bewunderung nicht mehr zu verachten, sondern als Ausdruck seiner Sehnsucht nach Verbindung zu verstehen, kann er es verwandeln. Dann wird aus der grandiosen Selbstinszenierung allmählich eine authentische Selbstbejahung. Am Ende dieses Prozesses steht nicht Demut im moralischen Sinn, sondern etwas viel Einfacheres und Tieferes: die Fähigkeit, sich selbst zu genügen.