Handlungsorientierte Verfahren in der Psychotherapie

Handlungsorientierte Verfahren

Die handlungsorientierten Verfahren stammen aus Bereichen, die ursprünglich nicht zur Psychotherapie gehörten. in der Regel werden sie in Lernsituationen angewendet, bei denen es darum geht, einfache oder komplexe Handlungen in einer bestimmten Abfolge einzuüben.

Ein typisches Beispiel hierfür ist das Einüben von Rechts- und Linksabbiegemanövern in der Fahrschule. In Wenn-Dann-Situationen werden automatisierte, aber gleichzeitig bewusst steuerbare Handlungssequenzen eingeübt, um sie dann in der jeweiligen aktuellen Situation abrufen zu können, ohne weiter darüber nachdenken zu müssen.

Bei bestimmten Krankheitsbildern kann es von Vorteil sein, derartige Verfahren miteinzubeziehen. Bei depressiven Störungen kann es z.B. für den Patienten hilfreich sein, wenn er in Phasen des sozialen Rückzugs aktivierende Handlungsschemata abrufen kann, die es ihm ermöglichen, Sport zu treiben und soziale Kommunikation zu fördern, um so direkt dem depressiven Sog entgegenzuwirken.

Im Falle von ADS/ADHS-Patienten kann es z.B. sinnvoll sein, bestimmte Handlungen einzuüben, wie etwa das Setzen von Prioritäten bei den ausstehenden Aufgaben oder die Überprüfung bereits erledigter Aufgaben (Double Check) auf ihre richtige Ausführung hin.

Die handlungsorientierten Verfahren können in der Psychotherapie die Standardverfahren – z.B. die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie – sinnvoll ergänzen, wenn es im Einzelfall indiziert ist.

Wolfgang Albrecht