Psychotherapie bei Schlafwandeln / Somnambulismus

Zur Einführung

Auf dieser Seite erhalten Sie Informationen über Somnambulismus im Allgemeinen, über die mit Somnambulismus  einhergehenden Probleme und Beschwerden sowie Informationen über die Behandlung von Somnambulismus im Rahmen meiner Praxis für Psychotherapie, Psychoanalyse und Coaching in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf.

Allgemeine Informationen zu Somnambulismus

Somnambulismus, auch bekannt unter dem Begriff „Schlafwandeln“ oder volkstümlich „Mondsüchtigkeit“,  gehört zu den Schlafstörungen und zu dessen Untergruppe der Parasomnien, den Verhaltensstörungen im Schlaf. Betroffene führen dabei Handlungen aus, während sie sich in einer traumlosen Tiefschlafphase befinden. Sie sind zwar bei diesen Handlungen, die sehr komplex sein können wie z.B. aufstehen, umherlaufen, sich ankleiden, autofahren etc. nicht wach, aber sie können aus dem Tiefschlaf jederzeit plötzlich aufwachen. 

Man schätzt, dass ca. 1-2% der Erwachsenen und 25% der Kinder vom Schlafwandeln betroffen sind. Wenn  Schlafwandeln in der Kindheit auftrat, verschwindet es meist während der Pubertät. Dass Schlafwandeln erstmals im Erwachsenenalter auftritt, ist eher die Ausnahme, kommt aber auch vor. 

Beschwerden bei Somnambulismus

Betroffene vollziehen, ohne dabei wach zu sein oder wach zu werden, Handlungen wie Aufstehen, das Bett verlassen, Umherlaufen, sich Anziehen etc. Dabei sind die Somnambulen in einer Art „Dämmerzustand“, in dem sie nicht ansprechbar, reizunempfindlich und in ihrer Mimik starr sind.

Aggressives Verhalten von Schlafwandlern ist eher selten, kann aber durchaus auch vorkommen und kann dann gegen unmittelbar in Nähe  oder auch in in größerer Entfernung befindliche Personen gerichtet sein. Zu den typischen Symptomen von Somnambulie zählen:

  1. die somnambulen Handlungen erfolgen während des traumlosen Tiefschlafs, sind aber dennoch zum Teil sehr komplex, zielgerichtet und aktiv
  2. die Motivationslage vom somnambulen Handlungen ist unbewusst und nur aus Begleitumständen indirekt zu erschließen
  3. es liegt eingeschränktes, vermindertes Bewusstsein während des Schlafwandelns vor
  4. Schlafwandler haben eine starre, leere Mimik, sie wirken wie Gespenster
  5. in der Regel haben Somnambule einen offenen Blick, schauen „ins Leere“
  6. sie sind reaktionsarm, lassen sich mitunter nur schwer wecken, möglicherweise nur, wenn man sie anschreit
  7. Somnambule haben keine Erinnerungen an das Schlafwandeln und die Motive dafür
  8. entgegen weitverbreiteter Auffassung können Somnambule sowohl sich selbst und auch andere Menschen gefährden
  9. aus dem somnambulen Zustand können Schlafwandler unvermittelt aufwachen und wissen in der Regel dann gar nicht, wie sie in die jeweilige Situation gekommen sind.

Ursachen von Somnambulismus

Die Ursachen für Somnambulie sind noch weitgehend unklar. Die medizinische Schlafforschung geht davon aus, das bei Somnambulie der Aufwachprozess gestört sei, d.h. der Betroffene führt, anstatt wach zu werden, mehr oder weniger aktive Handlungen aus, bevor er vollständig wach wird. Diese mehr technisch anmutende Erklärung kann aber im Rahmen eines psychodynamischen Verständnisses nicht vollauf befriedigen.

Einblicke in die Funktionsweise des Unbewussten

Aus der Sicht der Psychoanalyse bietet die Somnambulie interessante Einblicke in die Funktionsweise des Unbewussten, ohne dass die Zusammenhänge zum jetzigen Zeitpunkt restlos aufgeklärt werden können. Zum besseren Verständnis ist es sinnvoll, bestimmte Sachverhalte im Zusammenhang mit Schaf, Traum, Somnambulie und Unbewusstem näher zu bestimmen. Zunächst scheint es geboten, auf eine Trivialität hinzuweisen: Die Ausbildung eines funktionsfähigen fürsorglichen Unbewussten ist erst ab einem bestimmten Lebensalter anzutreffen, u.z. in der Regel erst dann, wenn eine Trennung von rudimentär-archaischem Unbewussten von beginnendem bewussten Erkennen und bewusster Erlebnisverarbeitung möglich ist.

Das Vorhandensein eines fürsorglichen Unbewussten kann man z.B. beim Kind daran erkennen, dass es kein Gitterbett mehr benötigt, d.h., dass es nicht mehr in Gefahr ist, im Schlaf aus dem Bett zu fallen. Trotz der unwillkürlichen Bewegungen im Schlaf vermittelt das fürsorgliche Unbewusste dem Schlafenden präzise Informationen darüber, wo sich die Bettkante befindet. Der Schlafende kann sich in der Regel darauf verlassen, dass er von seinen unbewussten Seelenvorgängen in dieser Hinsicht beschützt wird. Diese in erster Linie fürsorgliche Funktion des Unbewussten ist von großer Bedeutung vor allem auch dann, wenn es in Teilen gestört zu sein scheint und Menschen Aktionen ihres Unbewussten als feindselig gegen sich gerichtet oder destruktiv empfinden.

Drei verschiedene Arten des Schlafs

Weiterhin ist es sinnvoll, verschiedene Schlafniveaus von einander zu untrscheiden. Wichtig für den Zusammenhang hier sind drei Niveaus: Einmal gibt es den Halbschlaf, in dem luzide Träume eher auftreten, sich Träume mit Phantasien vermischen, Schlafende schon mal aufstehen, sich dann wieder hinlegen. An Erlebnisse im Halbschlaf kann man sich in der Regel sehr gut erinnern.

REM-Schlaf

Zweitens gibt es den REM-Schlaf, der dadurch gekennzeichnet ist, dass sich in dieser Phase in der Regel nur die Augen bewegen und der restliche Körper mit Ausnahme der Atmung wie gelähmt zu sein scheint. Die willkürliche Muskulatur ist während dieses traumaktiven Schlafs meist völlig erschlafft. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Hierzu gehören z.B. Reden im Schlaf, Mitbewegung von Gliedmaßen bei Traumhandlungen, Zähneknirschen. Bewegungen im REM-Schlaf während des Träumens sind bei Albträumen stärker ausgeprägt. An die Erlebnisinhalte von REM-Schlafphasen können sich Menschen nach dem Aufwachen meist mehr oder weniger gut, häufig  aber nur kurzfristig erinnern. Deshalb werden Psychotherapiepatienten meist dazu angehalten, sich noch in Erinnerung befindliche Träume unmittelbar nach dem Erwachen aufzuschreiben, um sie später in Psychotherapie erzählen zu können.

Tiefschlaf

Die Tiefschlafphase ist ein Schlafnieau, in dem wenig oder gar nicht geträumt wird. Inwiefern hier das Unbewusste in einem psychischen Sinne aktiv ist, kann man im Grunde nur anhand des Schlafwandelns versuchen zu rekonstruieren. Während sich das Traumgeschehen quasi auf einer Grenzlinie zwischen dem Unbewussten und dem Bewussten abspielt und in der Regel vom Träumenden so erlebt wird als sei es völlig real, bleiben psychische Vorgänge während des Tiefschlafs völlig unbewusst und können auch durch intensive Erinnerungsbemühungen etc. nicht bewusst gemacht werden.

Psychische Motive für Handlungen während des Tiefschlafs

Aufgrund der Handlungen von Somnambulen muss aber daraus geschlossen werden, dass es sich auch in diesen Fällen um sinnvolle Handlungsketten handelt und deshalb auch spezifische psychische Motive für Handlungen während des Tiefschlafs verantwortlich gemacht werden müssen. In welchen Fällen unbewusst motivierte Handlungen während des Tiefschlafs notwendig zu somnambulen Handeln führen, ist unklar. Jedenfalls kann unterstellt werden, dass aktivierende unbewusste Motive während des REM-Schlafs nur zur Ausbildung von Traumhandlungen führend können, die prinzipiell erinnerungsfähig sind, während das Auftreten von aktivierenden unbewussten Motiven im Tiefschlaf a) zu einem Wechsel des Schlafniveaus (Aufwachen oder Übergang in REM-Schlaf), b) zu ihrer Wieder-Verdrängung  oder c) zu einem Ausagieren dieser Motive im somnambulen Handeln führen können. Auf eine Formel gebracht kann man deshalb postulieren, dass der Funktion des Traums im REM-Schlaf, das somnambule Handeln im Tiefschlaf entspricht.

Behandlungsnotwendigkeit und Ansatzpunkte

Eine Behandlungsnotwendigkeit bei Somnambulismus besteht immer dann, wenn Somnambule zu selbst- und fremdschädigendem Handeln neigen. Ansatzpunkte für eine Behandlung stellen die Klärung möglicher Motive dar, die zu somnambulen Handlungen führen können in Verbindung mit der Internalisierung einer unbewussten Weckfunktion. Somnambule können im Rahmen einer Psychotherapie die Weckfunktion selbst installieren, indem sie sich die Gefährlichkeit bestimmter Handlungen immer wieder vor Augen führen, indem sie sich z.B. daran gewöhnen, alle Handlungen, die im Tiefschlaf auf einen anderen Menschen im selben Raum gerichtet sind, mit einem automatischen Weckreiz zu verbinden. Dies funktioniert ähnlich der Verinnerlichung bestimmter Werte und Prinzipien, wie z.B. bei der Verinnerlichung eines festen und unumstößlichen Vorsatzes, nach dem Genuss von Alkohol, keine Verkehrsmittel zu führen etc.

Behandlungsangebote in meiner Praxis

In meiner Praxis biete ich vor allem Erziehungsberatung betroffener Eltern und Psychotherapie von betroffenen jungen oder auch älteren Erwachsenen an. Kinder und Jugendliche werden in meiner Praxis nicht behandelt. 

Ansatzpunkte für eine Psychotherapie sind vor allem die Rekonstruktion von somnambulen Handlungen und Klärung ihrer aktivierenden Motive im Vergleich mit Traumhandlungen und deren aktivierenden Motiven während des REM-Schlafs. Zur Methode gehört die freie Assoziation, Traumerzählung und Berichte über somnambule Handlungen. Ein wesentliches Ziel der Behandlung ist die Verinnerlichung von festen Werten und Prinzipien zur Installierung einer automatischen Weckfunktion.

Wenn somnambule Handlungen im Zusammenhang mit Schlafstörungen auftreten, für die äußerliche Ursachen relevant sind wie gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus z.B. durch Schichtarbeit oder Arbeit im Notfalldienst, sollte auch eine Überprüfung dieser äußeren Faktoren in die Psychotherapie miteinbezogen werden.

Falls Sie selbst oder ihr Kind betroffen sein sollten, vereinbaren Sie bitte ein unverbindliches Beratungsgespräch in meiner Praxis, um die Situation besser einschätzen und Hilfsangebote einbeziehen zu können.
In meiner Praxis wird der Somnambulismus Erwachsener mit der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie oder mit der analytischen Psychotherapie (Psychoanalyse) behandelt.

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