Psychotherapie bei Orgasmus-Störungen

Orgasmus-Störungen

Auf dieser Seite erhalten Sie Informationen über psychisch verursachte Orgasmus-Störungen im Allgemeinen und über Hilfe, Beratung und Psychotherapie bei psychisch verursachten Orgasmus-Störungen in meiner Praxis in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf.

Der Orgasmus bezeichnet den sexuellen Höhepunkt beim Mann und bei der Frau nach zuvor erfolgter sexueller Erregungssteigerung. Bei der Frau kommt es zu Muskelkontraktionen in der Vagina und im Analbereich. Beim Mann tritt während des Orgasmus zusätzlich zu den Muskelkontraktionen Samenflüssigkeit aus. Beim Mann und bei der Frau wird der Orgasmus psychisch als orgiastisches, vitalisierendes Gefühl empfunden, das eine oder mehrere Sekunden anhalten kann.

Beim Mann spielen die physiologischen Aspekte eine größere Rolle: ein Orgasmus ist in der Regel aber nicht zwangsläufig an die Erektionsfähigkeit des Penis gekoppelt aber immer mit einem Austritt von Samenflüssigkeit (insofern die Samenblase gefüllt ist) verbunden. Bei der Frau ist der Orgasmus mehr psychisch und die physischen Aspekte sind mehr als Begleitung dieser psychischen Vorgänge von Erregungsaufbau und Erregungsabfuhr zu verstehen.

Als physische Vorbereitung für einen Orgasmus ist normalerweise beim Mann zumindest eine Erektion (Versteifung) des Penis und bei der Frau in der Regel die Lubrikation, der Vorgang, bei dem ein Sekret die Schlüpfrigkeit der Vagina herbeiführt, notwendig. Bei der Frau ist unter bestimmten Voraussetzungen ein Orgasmus auch ohne Lubrikation möglich, wenn nur die Klitoris, der Kitzler, stimuliert wird. ohne dass eine Penetration erfolgt.

Der Orgasmus wird psychisch vorbereitet durch eine Bezugnahme auf unbewusst abgelegte erotisch-sexuelle Phantasien, die bei der Masturbation (Onanie, Selbstbefriedigung) teilweise bewusst vorgestellt werden und die beim Geschlechtsverkehr meist unbewusst bleiben oder auch bewusst vorgestellt werden können. Wichtig ist, dass beim Geschlechtsverkehr die tatsächlich ablaufenden Handlungen nicht grob der jeweiligen unbewussten erotisch-sexuellen Phantasie widersprechen dürfen, weil sonst die Erregungssteigerung und die Erregungsabfuhr im Orgasmus nicht möglich ist.

Auch die Art der sexuellen Stimulation, die zur Erregungssteigerung führt, ist für den Orgasmus von Bedeutung. Dabei ist aber weniger die physische Art der Stimulation in ihrer jeweiligen Ausformung relevant als ihre Kompatibilität mit der jeweiligen erotisch-sexuellen Phantasie.

Dieses Zusammenspiel zwischen unbewusster erotisch-sexueller Phantasie mit der jeweiligen physischen erotischen Stimulation ist besonders bei der Frau von großer Bedeutung und erklärt, warum eine Frau im Rahmen eines Traumerlebens häufiger zum Orgasmus kommt als dies beim Mann der Fall ist. Vielmehr kommt der Orgasmus beim Mann während eines Traumerlebens nur bei sehr jungen Männern vor und wird dann als Pollution bezeichnet.

Ursachen der Orgasmusunfähigkeit

Störungen des Orgasmus können vielfältige Ursachen haben. Erforderlich ist zunächst eine organmedizinische Abklärung durch die Gynäkologie oder andrologisch orientierte Urologie. Die Orgasmusfähigkeit kann organisch z.B. durch eine zu schwache Beckenbodenmuskulatur eingeschränkt sein. Falls keine organische Ursache für eine Orgasmus-Störung gefunden werden kann, sollte geklärt werden, welche psychischen Gründe für eine Orgasmus-Störung im Einzelfall vorliegen könnten.

Bei (insbesondere jüngeren) Männern kann sich eine Störung des Orgasmus in einem vorzeitigen Orgasmus (vorzeitiger Samenerguss) äußern. Bei Frauen und zum Teil auch bei Männern können sich Störungen des Orgasmus darin zeigen, dass der Orgasmus entweder nur nach langer Zeit der Stimulierung oder gar nicht einsetzt (Anorgasmie).

Immer sollte abgeklärt werden, ob ausreichende unbewusste erotisch-sexuelle Phantasien (meist während der Jugend) aufgebaut wurden, um die Erregungssteigerung und Erregungsabfuhr (Orgasmus) psychisch zu ermöglichen. Das Masturbationsverbot (Onanieverbot) oder die Beschneidung der Geschlechtsteile (insbesondere die Klitorisbeschneidung) kann nicht nur eine ausreichende Onanie während der Jugend, sondern auch in der Folge den Aufbau von erotisch-sexuellen Phantasien behindern oder verhindern. In solchen Fällen ist die psychische Voraussetzung für die Erregungsaufbau und Erregungsabfuhr (Orgasmus) nicht oder nicht ausreichend vorhanden.

Eine andere Ursache für Störungen des Orgasmus sind erotisch-sexuelle Phantasien in Verbindung mit bestimmten Onaniepraktiken, die mit einem Geschlechtsverkehr wenig kompatibel sind. Dies kommt z.B. dann vor, wenn Mädchen und junge Frauen zwar die Onanie durch Zusammenpressen der Schenkel ohne manuelle Stimulation erfolgreich – d.h. bis zum Orgasmus – ausgeübt und eingeübt haben, aber dann später beim Öffnen der Schenkel während des realen Geschlechtsverkehrs anorgasmisch sind.

In solchen Fällen ist es sinnvoll, die Kompatibilität der realen Stimulation während des Geschlechtsverkehrs mit den unbewussten erotisch-sexuellen Phantasien und den mit ihnen verknüpfen physischen Mustern von Erregungssteigerung und Erregungsabfuhr (Orgasmus) zu überprüfen.

Die sexuellen Störungen, bei denen ein Ablauf der Orgasmusfunktion beeinträchtigt ist, stehen häufig in Verbindung mit Ängsten vor Kontrollverlust und sind eng mit Zwangsstörungen bzw. einem hohen Leistungsanspruch und Erwartungsdruck sich selbst gegenüber verbunden.

Die eingesetzten Methoden in meiner Praxis zur Behandlung von psychisch bedingten Orgasmus-Störungen sind die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und systemische Verfahren.

In Einzelfällen ist auch eine analytische Psychotherapie (Psychoanalyse) indiziert.

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Wolfgang Albrecht