Psychotherapie in Berlin - ADHS bei Erwachsenen, in Einzelfällen Gruppentherapie indiziert

Pressemitteilung vom 14.6.2013

Bei Erwachsenen mit Aufmerksamkeits-Defizit- (Hyperaktivitäts-) Störung stehen neben Defiziten in der Fokussierung, Prioritätenbildung und beim zielorientierten Handeln auch häufig Beziehungsprobleme in Partnerschaft, Beruf und Gruppensituationen im Vordergrund. An komorbiden Störungen sind u.a. Depressionen und vermindertes Selbstwertgefühl bekannt.
Die Störungsanteile im sozialen Bereich sind häufig gravierend: Patienten mit ADHS neigen dazu, andere nicht ausreden zulassen, in Situationen hineinzuplatzen, sich vorschnell und unüberlegt zu äußern, soziale Situationen nur unvollständig zu erfassen und planlos vorzugehen. Bei mitunter starker Abhängigkeit von anderen, besteht aber gleichzeitig eine deutliche Tendenz zum sozialen Rückzug oder zu oppositionellem bzw. provokantem Verhalten anderen gegenüber.
Es hat sich als sinnvoll erwiesen, ADHS bei Erwachsenen zweistufig zu behandeln.
In einer ersten Phase sollten Probleme der Tagesstrukturierung (Tagesplan) und Wochenstrukturierung (Wochenplan) angegangen werden, ebenso wie Training des Gedächtnisses und das Einüben von Prioritätenbildung und die Vermeidung von chaotischem Verhalten. Diese Therapieziele sinn am sinnvollsten im Rahmen einer Einzelpsychotherapie zu erreichen.
Die Probleme auf der Beziehungsebene sollten während der Einzeltherapie von Anfang an auch angesprochen und bearbeitet werden und so weit wie möglich zu einer Verbesserung von Empathie und Wirkmächtigkeit des Patienten in sozialen Situationen beitragen
In einer zweiten Phase der Behandlung hat es sich als ratsam erwiesen, die in der Einzelpsychotherapie bereits fortgeschrittenen Patienten in diagnosespezifischen Gruppen (ADHS-Gruppen) zusammenzufassen, um vermittels gruppenpsychotherapeutischer Behandlung eine noch effektivere Verbesserung bei den beziehungsrelevanten Aspekten des ADHS-Bildes zu erreichen.
In der Gruppe bietet dies für den einzelnen Patienten die Chance zu vertieftem Verständnis für die eigene Problematik, wenn er sie an einem anderen Gruppenmitglied in abgeschwächterer oder übersteigerter Form miterleben kann. Die Selbsterfahrung in der Gruppe stellt auch einen Anknüpfungspunkt dafür dar, dass sich die Patienten wechselseitig mit den Stärken der jeweils anderen identifizieren und an diesen wachsen können.
Die Gruppe wirkt so als Motivationsverstärker, gemeinsam an dem Störungsbild ADHS weiter zu arbeiten und wirkt damit auch depressiven Tendenzen entgegen. Dies ist besonders sinnvoll, weil mit ADHS – wie bereits erwähnt – in der Regel ein schlechtes Selbstwertgefühl und depressive Störungen einhergehen.
Das Zusammenfassen von bisher unbehandelten ADHS-Patienten in therapeutischen Gruppen ist dagegen kontraindiziert und wird nicht empfohlen. Weiterlesen auf Website http://www.w-a-praxis.de

Wolfgang Albrecht